Sweet Tooth # 1: Aus dem tiefen Wald

 Nein, Stories um sog. Hybride (halb Tier, halb Mensch) sind einfach nicht mein Ding. Trotz großen allgemeinen Interesses an der griechischen Mythologie habe ich auch nie den Minotaurus gemocht oder gar als Figur verstanden.

Wozu soll ich also Sweet Tooth lesen?
Doch dann ist da dieser Name Jeff Lemire, der mit Essex County bereits zu begeistern wusste. Doch Vorsicht ist geboten. Ich sichere mir zunächst den Gratis Comic, den ich bereits nach den ersten 4, 5 Seiten verschenke. Und nicht etwa, weil meine Vorbehalte gegen Hybride wieder zugeschlagen haben, sondern weil mich die Story gepackt hat. Ich weiß, dass ich mir diesen Band kaufen muss.
Doch nun zur Handlung:
Der neunjährige Gus lebt mit seinem Vater abgeschieden in einem Wald. Durch ein Vorkommnis ist der Großteil der Menschheit bereits umgekommen, während auch der Rest der Menschen dem Tode geweiht zu sein scheint, denn sie tragen „es“ alle in sich.
Von dieser mysteriösen Krankheit nicht betroffen sind die Hybriden. So trägt Gus ein Hirschgeweih. Wen wundert es da, dass Gus gejagt wird?
Sein Vater ermahnt ihn, nie den Wald zu verlassen und doch treibt Gus immer eine gewisse Neugier an den Waldesrand, bis sein Vater schließlich stirbt und ihn 2 Jäger aufspüren. Gerade noch rechtzeitig wird er von dem undurchsichtigen und skrupellosen Jepperd gerettet, der Gus in ein Reservat bringen will, in dem Hybride unbehelligt leben können. Gus ist einverstanden und so begeben sie sich auf eine gefährliche Reise.

Sweet Tooth bedeutet Schleckermaul oder auch Naschkatze. Fast beiläufig erzählt Lemire, wieso er seiner Serie diesen Titel gab und ich bin mir fast sicher, dass diese Namensgebung noch eine tiefere Bedeutung haben wird.
Die Welt von Sweet Tooth spielt in einem Endzeitszenario, das man mit The Last Stand oder auch Y the last man vergleichen kann. Die Menschheit ist aufgrund einer Seuche oder eines Virus reduziert und der verbliebene Rest kämpft ums Überleben und um den Erhalt der Menschlichkeit.
In der Welt von Sweet Tooth gibt es diesen guten Menschen jedoch (noch) nicht. Jeder scheint in dieser apokalyptischen Umgebung auf seinen Vorteil bedacht zu sein und schreckt dabei auch nicht vor der Anwendung von Gewalt zurück. Mehr und mehr in das Zentrum dieser feindlichen Umwelt rückt Gus. Natürlich widmet ihm Lemire besonders viel Raum und schildert ihn als Jungen zwischen der erklärbaren Naivität eines Neunjährigen, der sein ganzes Leben weit abgeschieden in einer Waldhütte verbracht hat, und doch über eine gute Auffassungsgabe verfügt.
Nahezu beiläufig, aber für den Plot mit hoher Relevanz, führt Lemire auch ein Fantasy Element ein, denn Gus kann in seinen Träumen die Zukunft sehen, auch wenn er seiner Gabe noch nicht wirklich vertraut.
Jepperd ist ein Kerl aus Schrot und Korn, der vor nichts zurückschreckt.
Neben diesen herrlich differenzierten Charakterisierungen lebt der Plot von überraschenden Wendungen, die die Handlung auch vorantreiben.
Sweet Tooth ist auf 40 Ausgaben ausgelegt und Lemire hat erst kürzlich in einem Interview bestätigt, dass er daran nichts ändern wird.
Gespannt darf man als Leser sein, wie er seine Serie fortführen und die im ersten Band aufgeworfenen Fragen beantworten wird. Lemires kongeniale Mischung aus Kinderbuch und düsterer Erzählung fesselt jedenfalls.
Sein Zeichenstil mag man als grob bezeichnen, aber fügt sich wunderbar zum Plot ein.
Jeff Lemire, der auch für seinen Animal Man viel Kritiker- und Fanlob einheimst, scheint alles zu Gold werden zu lassen, was er anfasst.

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