isoundwords 0: Die Eine über die Origin

Heutzutage wird ja in modernen Comics die Origin des Protagonisten erst in Teil 3 oder 4 erzählt, aber ich bin ein alter Mann, kein Protagonist im eigentlichen Sinne und vertraue an dieser Stelle mal der traditionellen Erzählweise und schildere meine Comic Origin jetzt, hier und heute – ungeschminkt und die volle Wahrheit.

Und schon muss ich gestehen, dass ich mich gar nicht mehr daran erinnern kann, wie ich genau auf Comics gekommen bin. Ich weiß aber sehr wohl, dass ich die ersten Comics besessen habe, bevor ich in die Schule kam und lesen konnte. Meist hat mir dann mein Opa vorgelesen. Meine Mutter hat dann immer steif und fest behauptet, dass ich nur deshalb so schnell lesen lernte, weil ich meine Comics allein lesen wollte. Und warum sollte ich ihr hier widersprechen? Ist doch ne schöne Anekdote.
Meine ersten Comics waren dann auch Bessy, Silberpfeil, Lasso und Buffalo Bill. Als Leser merkt man schnell, der junge Uwe war großer Western Fan. Ich weiß bis heute nicht so genau, was meinen Großvater damals geritten hatte, aber er verbrannte all meine Western Comics. Versteht mich nicht falsch, mein Opa war alles Andere als ein bösartiger Mann und es war derselbe Großvater, der mir meine ersten Comics vorgelesen hatte und so kein Comic Gegner, obwohl diese Spezies damals weit verbreitet war. Ich glaube heute, als er den enttäuschten Blick seines Enkels sah, hatte er erst realisiert, was er mir damit angetan hatte.

Marcel, mein Cousin, brachte mich dann zu den Superhelden und half mir, Superman und Batman zu entdecken. Wir haben zwar im selben Stadtteil gewohnt und hatten als Cousins folglich dieselben Großeltern und zwar väterlicherseits, haben uns aber zu der Zeit selten gesehen. Über ihn kam ich dann aber auch zu meiner großen Superheldenliebe Spider-Man.
Doch wenn wir uns in den Ferien trafen, tauschten wir immer wieder Comics aus und so hatte ich lange Kontakt zu den DC Comics.
Doch irgendwann brach der Kontakt zu meinem Cousin mehr und mehr ab. Wir hatten keinen Krach oder so etwas. Ich denke, dass wir einfach zu unterschiedlich waren. Wir gingen in Marburg auf unterschiedliche Gymnasien, er spielte Tennis, ich Tischtennis, er las DC Comics, ich Marvel und so weiter. Das letzte Mal haben wir uns bei der Beerdigung unserer gemeinsamen Großmutter vor fast 15 Jahren gesehen.
Ich verfolgte also weiter meine geliebten Marvel Comics. Mit Geld von der Oma (mütterlicherseits) ging es nach erledigten Hausaufgaben zum Spielwaren Schneider. Die deutsche Lizenz für Marvel war damals bei Williams. Und wer erinnert sich nicht an den Namen „Klaus Recht“? Verbrachte ich meine Zeit bei meinen Eltern, die damals im Marburger Nordviertel eine Tankstelle betrieben, ging ich zum Ehrentreich oder auch zum Bahnhofs Kiosk, um mir die neusten Comics zu holen. Dort entdeckte ich auch irgendwann mal Zack, das Comic Magazin, das wohl nie mehr so gut werden kann wie es damals war, weil es in den 70er Jahren einfach die größten Comicstars Europas veröffentlichen konnte. So fand ich dann mit Leutnant Blueberry doch wieder zu den Western zurück. Wenn ich Blueberry heute lese, weiß ich, dass ich damals mit vielleicht gerade mal 9 oder 10 Jahren die Komplexität dieser wunderbaren Serie gar nicht verstanden haben kann. Ich habe sie halt als Western gelesen.
So erlebte ich dann auch den Aufstieg und Fall von Williams. Damit meine ich die Programmerweiterung, die dann nur wenig später stark zurückgefahren wurde und im Weiteren zum endgültigen Konkurs führte. Doch da hatte ich schon längst aufgehört, Comics zu lesen. Ich verfolgte irgendeinen pseudointellektuellen Anspruch, las zum Beispiel Carlos Castaneda und Comics hatten somit keinen Platz mehr. Doch anstatt meine Sammlung einzumotten, habe ich sie auf dem Flohmarkt verscherbelt. Dies ist definitiv eine Entscheidung, auf die ich nicht stolz bin. Dies war zu der Zeit, als der Grüne Kobold zunächst Gwen Stacy tötete und dann selbst umkam. Für mich war damals die Story um und über Spider-Man erzählt.
Ich war damals ziemlich naiv. Marvel waren für mich Stan Lee und Jack Kirby, obwohl Spider-Man damals schon längst nicht mehr von Onkel Stan geschrieben wurde. Ich hatte auch nicht erkannt, dass sich Williams durch die Erweiterung des Programms selbst zu viel Konkurrenz geschaffen und sich so „totgerüstet“ hatte.
Ich las dann tatsächlich rund 17 Jahre keine Comics. Vielleicht fiel mir im Wartezimmer der Zahnarztpraxis mal ein Asterix in die Hände oder bei der Bundeswehr ein Clever & Smart Heft, aber ein regelmäßiger Leser war ich damals nicht.
Es sollte dann ausgerechnet meine Ex-Frau sein, die mich Jahre später wieder zu den Comics brachte. Zu ihren wenigen nachvollziehbaren Gewohnheiten zählte es, dass sie sich alle 3 Monate eine Illustrierte zulegte, um „ihren Klatsch wieder auf Stand zu bringen.“ Zufällig blieb ich vor einem Spider-Man Heft stehen und erzählte ihr, dass ich das früher mal gelesen hatte. Sie forderte mich auf, das Heft mitzunehmen. Ich stimmte widerwillig zu, aber ich war müde und hatte keine Lust zu diskutieren. Dies war zu der Zeit der Identitätskrise von Spider-Man und die Story hatte mich so gefangen, dass ich wieder Feuer und Flamme war.
Ich habe damals in Birstein gewohnt. Birstein ist ein kleiner, verträumter Ort und nicht wirklich bekannt für seine Comic Shops. Meine Ex-Frau arbeitete damals in Hanau, wo sich seinerzeit damals ein Comic Shop befand und ich meine Backlist auffüllte. Der Besitzer dieses Shops nutzte meine Ahnungslosigkeit aus und verkaufte die Comics seiner Backlist nach dem Hethke Katalog. Da ich aber in Frankfurt arbeitete, entdeckte ich dank Mithilfe eines Arbeitskollegen das Terminal Entertainment. Ich war mehr als nur erstaunt, als ich erfuhr, dass die Comics aus der Backlist „selbstverständlich nur den Coverpreis kosteten“. Ich dachte, dass der Alte hinter dem Tresen keine Ahnung hatte und freute mich über meine vermeintlichen Schnäppchen. Der Alte hinter dem Tresen ist Ekki, mittlerweile ein echter Freund, und das T3 (kurz für Terminal Entertainment) mein Stammladen.
Es war dann auch Ekki, der mir einen Titel aus dem Splitter Verlag empfahl, damit ich mal was Anderes als Superhelden lese. Ich stand damals selbst vor unmittelbar vor einer kleinen OP und versprach augenzwinkernd, mir den Titel anzuschauen, wenn ich denn wieder die Augen aufmachte.
Nun, die OP habe ich ohne größere Schäden überstanden, zumindest trug ich keine größeren Schäden davon als ich ohnehin schon vorher hatte. Dies war für mich das Aufbruchssignal zu neuen Comic Ufern und ich entdeckte so erst, wie groß und weit die Welt der bunten und schwarz-weißen Bilderheftchen ist.
Ein weiteres Schlüsselerlebnis war ein Signiertermin der Zwerchfells im T3. Seinerzeit legte ich mir den ersten Zuckerfisch Band zu. Als ich diesen dann an einem verregneten Sonntagvormittag im Bett gelesen hatte, war das einzig Negative, dass ich die Folgebände nicht zur Hand hatte.
Ich würde mich sehr freuen, wenn es mir gelingt, den Lesern dieses Blogs etwas von dem Spaß zu vermitteln, den ich beim Lesen von Comics habe und zu zeigen, wie groß die Welt der Comics ist.
Hierzu wird es mehrere Bestandteile geben, die den Blog aktualisieren. Ich freue mich auf Euren Besuch!

Wie immer gibts noch was auf die Ohren! Das Lied ist ein Klassiker und bestimmt den Meisten bekannt, aber auch diese „Version“?

isoundwords # 1 erscheint nächsten Freitag und trägt den Titel „Die eine über die Zack Edition“

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

2 Gedanken zu “isoundwords 0: Die Eine über die Origin

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