isoundwords # 1: Die eine über die Zack Edition

Diese Kolumne schreibe ich mit gemischten Gefühlen. Es ist meine erste Kolumne nach längerer Pause an anderer Stelle und morgen ist dann noch das große CL-Finale, in dem ich morgen meinen Bayern die Daumen drücke. Wenn dann diese Kolumne online geht, ist das Spiel gespielt und der Pokal verteilt. Hoffentlich haben ihn die „Richtigen“ gewonnen. Doch nun zum eigentlichen Thema:

Voranschicken und betonen möchte ich, dass ich ein Fan der Alben der Zack Edition bin und viele bzw. die meisten Serien verfolge und auch kaufe.

Daher hat es mich sehr getroffen, als im Oktober auf der Frankfurter Buchmesse das Gerücht aufkam, dass das Aus für die Zack Edition bevorstehe. Nun, zum Glück ist es so weit nicht gekommen. Dennoch hat zwischen den Verlagsverantwortlichen und dem Markt (Einzelhandel und Leser) eine Nicht Kommunikation stattgefunden. Dadurch ist natürlich einiges Vertrauen verbrannt worden. Lobenswert ist jedoch, dass Bernd Glasstetter, der Moderator des Comicforums, diese ungesunde Entwicklung zum Anlass nahm und ein Interview mit dem Verlagsleiter Klaus Schleiter zu führen. Noch besser wäre eine Eigeninitiative des Verlags gewesen. Sind nicht zuletzt schon andere Verlage wie Condor, Bastei oder auch Nona Arte an dieser Nicht-Kommunikation gescheitert?

Sehr schön ist schon einmal, dass der Verlag über Lizenzverträge verfügt, die das Programm für die nächsten beiden Jahre abdeckt.

Schockiert hat mich jedoch die Aussage, dass Klaus Schleiter den Einzelhandel als den kritischen Punkt ansieht, weil ihm das Kapital fehle, zusätzliche Alben einzukaufen. What? Ich meine, ich habe früher mit meinem Vater ganz begeistert „Schwarzer Peter“ gespielt, aber irgendwann wurde ich 5.

Man versetze sich doch mal in die Lage des Einzelhandels. Klar, das Budget ist begrenzt und logischerweise auch der Platz im Laden, auf dem das Angebot präsentiert wird. Der Top Spot dürfte regelmäßig für Splitter Titel vorgesehen sein. Das sind nun mal naturgegeben die Rahmenbedingungen, in denen sich der Einzelhändler bewegt. So wird ein Einzelhändler seine Bestellungen im Rahmen seines für das Albensegment zur Verfügung stehende Budget danach ausrichten, welche Splitter Titel nachzubestellen sind. Dann schaut man mal weiter. Hinzu kommen oft noch Titel von Carlsen, der Ehapa Comic Collection und aus besonderem Anlass die Moebius Collection von Cross Cult. Da fällt die Zack Edition auch schon mal unter den Tisch. Man kann es auch anders sagen: Der Albenmarkt ist übersättigt.

Natürlich wird der kompetente Einzelhändler immer bemüht sein, seinen Kunden neue Titel zu präsentieren und zu verkaufen. Schließlich schafft man durch Angebot auch Nachfrage. Allerdings kann man auch vom Einzelhandel nicht verlangen, dass sie irgendwelche verrückte Sachen mit ihrem Budget machen und sich so auf finanzielles Glatteis begeben. Ich weiß, dass das ein heikles Thema ist, aber wieso räumt man den Händlern nicht die Möglichkeit ein, Ware auf Kommission zu kaufen oder ein großzügigeres Remissionsrecht? Früher gab es auch mal die segensreiche Institution des Partieexemplares für 10 bestellte Exemplare eines Titels. Natürlich darf ein Remissionsrecht nicht darin ausarten, dass ein Händler großzügig 40 Exemplare ordert, um dann ebenso großzügig 36 Exemplare nach 9 Wochen zu remittieren. Lady S. als eine der Top Serien drängt sich da nahezu auf und mit van Hamme als Autor, der ja auch schon Serien wie Largo Winch und Thorgal geschrieben hat oder schreibt, hat die Serie ein Pfund, mit dem man wuchern könnte. Ja, den Konjunktiv habe ich ganz bewusst gewählt, denn die Ausgaben #1-3 dieser lesenswerten Serie sind leider, leider vergriffen. Wie also soll ein verantwortungsbewusster Händler, der seinen Kunden auch morgen noch erfolgreich beraten will, diese Serie verkaufen? Das ist besonders bedauerlich, weil diese Serie nicht nur schlichtweg gut ist, sondern sich allein schon auch verlagsübergreifend gut verkaufen würde. Schließlich erscheint Thorgal beim Splitter Verlag und Largo Winch bei Schreiber & Leser. So etwas nennt man eine vertane Chance, denn über Lady S. als Flaggschiff ließen sich bestimmt auch andere Serien der Zack Edition besser verkaufen.

Schließlich gibt es auch spannenden Stoff wie Es war einmal in Frankreich, Dantes oder insbesondere auch Damocles. Diese Serien erwähne ich allein schon deswegen, weil sie sich einfach unter Wert verkaufen und ich betone gerne nochmal, dass ich das bedaure.

Doch komme ich noch einmal auf den „Schwarzen Peter“ zurück. Natürlich unterscheiden sich die Titel der Zack Edition vom Branchenführer im Albensegment, dem Splitter Verlag, dessen Titel sich oft schon per se gut verkaufen. Auch hier bestätige ich gerne, dass die Alben der Zack Edition ebenfalls qualitativ hochwertig verarbeitet sind. Aber:

Wenn sich denn die Zack Edition dauerhaft gegenüber Splitter, Carlsen oder der Ehapa Comic Collection behaupten will, sollte man einfach mehr tun. Dazu gehört es auch, nicht über den Einzelhandel zu lamentieren, also Schwarzer Peter, zu spielen, sondern kreative Wege zu finden, den Verkauf anzukurbeln.

Die letzten Messeauftritte hatten eigentlich die Zack Edition im Mittelpunkt. Es wurden auch Gäste eingeladen, die fleißig signiert haben und vor allem Mechthild hat stets freundlich, kompetent und auch geradlinig den Stand moderiert. Da sehe ich kein wirkliches Steigerungspotential.

Schauen wir uns also mal die Zusammenarbeit mit dem Einzelhandel an. Meines Wissens erfolgt da ebenso wenig Kommunikation mit dem Einzelhandel wie zuvor über das Comicforum mit den Fans und Lesern. Was lobe ich mir da einen Sebastian Oehler von Reprodukt oder Alexander Bubenheimer von Panini, die regelmäßig den Austausch mit dem Einzelhandel suchen. Warum lädt der Verlag nicht mal einen Künstler ein und begibt sich mit ihm auf eine Signiertour? Diese kann ja auch im zeitlichen Umfeld einer Messe stattfinden. Das würde garantiert den Blick der Leser auf und für die Zack Edition schärfen und auch mehr Aufmerksamkeit erwecken. Doch keine Spur davon. Vielmehr war es der erstaunliche Eckart Schott von Salleck Publication, der einmal Henriet auf die Comicmesse nach Köln einlud und ihn am Vorabend der Messe noch von einem Signiertermin im T3 überzeugen konnte.

Beide Termine verliefen erfolgreich, was mir zeigt, dass das grundsätzliche Potential durchaus vorhanden ist. Man muss es sich nur erschließen. Klar, ich bin kein Fantast. Solche Signiertermine verursachen auch erst mal Kosten, aber wer Gewinne erzielen will, muss auch investieren.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in der Redaktion der Zack Edition noch nicht ernsthaft diskutiert wurde. Ich hege aber den Verdacht, dass die Zack Edition primär dazu angedacht war, dass sie über den eigenen Shop verkauft werden sollte. Für Luxusausgaben funktioniert das ja auch, denn die kommen im Einzelhandel, wenn überhaupt, nur vereinzelt an. Da fällt natürlich weg, dass man sich lästig Gewinne mit dem Groß- und dem Einzelhandel teilen muss. Doch ohne den Einzelhandel geht es auf Dauer nicht und der Comicmarkt ist mindestens ein Marathonlauf. Die Kunden blättern auch mal gerne durch Comics, fassen diese dabei an. Merke, der Kunde ist auch mal gerne Haptiker. Natürlich kann man mit dem Internet jeden überall erreichen, aber zum Glück gibt es noch Kunden, die den Kontakt zu ihrem Händler vor Ort suchen und pflegen. Hier muss die Zack Edition ganz eindeutig zulegen und zwar ohne, dass man mit dem Einzelhandel Schwarzer Peter spielt. Überhaupt nicht verstehen kann oder will ich, dass Lady S. #1-3 über den Shop der Zack Edition noch erhältlich sein sollen, wenn man denn alle 8 bisher erschienenen Ausgaben kauft. Die ersten 3 Ausgaben dieser Serie sind genau der Impuls, den der Einzelhandel zur Belebung der Verkaufszahlen dieser Serie dringend benötigt. So schneidet man den Einzelhandel ab und schiebt ihm gleichzeitig den Schwarzen Peter zu. Geht’s noch?

Konzeptionell mache ich der Zack Edition gerne ein Kompliment, denn man hat gezeigt, dass man dazu gelernt hat. Zunächst erschienen die Alben immer zeitnah zu dem Start des jeweils nächsten Albums im Zack Magazin, das vielleicht auch zu sehr als Kernprodukt angesehen wird. Wie ich das Interview verstehe, erscheinen die Alben nunmehr dann, wenn sie fertiggestellt sind. Das angestrebte Crossmarketing zwischen Magazin und Alleinverkauf, das ich zunächst nachvollziehen kann, hat einfach nicht richtig funktioniert, weil sich der jeweilige Kundenstamm doch zu sehr unterscheidet bzw. deren Schnittmenge einfach zu klein ist. Ich drücke die Daumen, dass nun dieser neue Schritt greift.

Kommen wir zum Vertriebsweg. Der Großhändler der Zack Edition ist PPM. Hier ist aber auch der Splitter Verlag mit seinen 12 Titeln pro Monat (mit 2 Toonfish Titeln) vertreten. Leider erfolgt die Auslieferung des Titels der Zack Edition zeitgleich mit der Auslieferung der Splitter Titel, also regelmäßig am Monatsende für den nächsten Monat. Da muss doch der eine Titel der Zack Edition untergehen. Hier sollte man den Torero geben und dem (Splitter) Stier ausweichen. Ich weiß, dass man das diskutiert und keinen Weg gefunden hat, von diesem Termin abzuweichen. Ich denke, man sollte einfach dieses Thema nochmal aufgreifen und einen Weg suchen. So schwer kann das doch nicht sein. Sollte PPM organisatorisch einen Wechsel des Auslieferungstermins nicht bewerkstelligen können, könnte man ja auch über einen Wechsel zum Medien Service nachdenken.

Bleiben die Titel selbst. Oft werden die Titel der Zack Edition als Splitter B- oder gar C-Ware tituliert. Das wird diesen Titeln einfach nicht gerecht. Lady S. mit der bestehenden Problematik der vergriffenen Nummern # 1-3 habe ich schon erwähnt. Es war einmal in Frankreich ist ein Titel, der jeden, der sich für die Geschehnisse um und im 2. Weltkrieg interessiert, gefallen wird.

Damocles ist für mich der heimliche Star in der Zack Edition. Die Konflikte im Team und um die Aufträge der Bodyguard Organisation sind spannend erzählt und hinreißend gezeichnet.

Dantes ist die moderne Variante des Grafen von Monte Christo in Börsenkreisen. Diese Serie fällt etwas ab, aber ist durchaus lesenswert. Doch gerade von diesen Serien ist jetzt schon länger nichts erschienen. Hier muss man aufpassen, dass man die Leser nicht abhängt oder sie diese Serien schlichtweg vor dem Hintergrund des übersättigten Albenmarktes nicht ausblenden oder gar vergessen.

Michel Vaillant nehme ich ausdrücklich aus, weil der Titel seinen ganz eigenen stabilen Kundenstamm hat. Das Besondere ist daran, dass nach all den Publikationen bei Koralle, Seven Island bzw. Carlsen diese Serie endlich einheitlich erscheint. Ein Album aus dieser Serie habe ich mir auch gegönnt, weil ich neugierig war, ob diese Serie, die ich als kleiner Bub‘ so gerne im Zack Magazin gelesen habe, für mich noch funktioniert. Das Prickeln von einst ist weg, aber irgendwann werde ich Michel Vaillant noch mal eine Chance geben.

Nun musste die Redaktion der Zack Edition hobeln und da fallen Späne. Es wird also eine interne Händleranfrage geben. Ein „Nein“ der Händler wird als „Nein“ der Kunden interpretiert. Diese Titel werden dann künftig ausschließlich im Magazin fortgeführt. Empire USA wird leider gänzlich eingestellt. Immerhin gibt es hier einen glatten Schnitt, denn die First Season wurde komplett veröffentlicht. Das ist eindeutig ein weiterer Titel, der unter Wert geschlagen wurde.

Weitere Titel kann man im Interview, auf das ich oben verlinkt habe, nachlesen. Anerkennen sollte man aber auch in jedem Fall, dass die Zack Edition auch einige Titel erfolgreich durchgehend veröffentlicht hat.

Ich hoffe, dass der Aderlass für die Zack Edition nicht allzu groß wird und besonders drücke ich Damocles die Daumen (und auch die großen Zehen).

Bestandteil dieser Kolumne wird nun auch ein Lesetipp sein. Wenn ich schon die Zack Edition durch den Kakao ziehe, soll dies Damocles sein, auch mit der # 2.

Und wenn Ihr gerade mehr Lust auf Kino habt, dann schaut euch ruhig Iron Man # 3 an. Die momentane Großwetterlage drängt ja einen Kinobesuch nahezu auf. Es lohnt sich. Nächste Woche gibts hierzu auch eine Filmrezension.

Nachdem ich nun gemeckert habe, braucht’s unbedingt ein ruhiges Lied. Achja, ich bin übrigens Hesse und stolz druff.

isoundwords # 2 trägt den Titel „Die eine über den Peng“

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

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