A God somewhere

 Mit „A God somewhere“ legt John Arcudi, der für seine Arbeit an B.U.A.P. bekannt ist, scheinbar eine Superheldenstory. Bei näherem Betrachten handelt sie jedoch vom Schicksal und der Beziehung zwischen den drei Freunden Sam, Eric und Hugh, wobei letztere auch Brüder sind.

Eine Explosion überlebt Eric auf wundersame Weise. Keiner kann sich dies angesichts der verheerenden Explosion mit Tod und Trümmern erklären, aber Eric weiß, dass „etwas“ mit ihm geschehen ist. Er verfügt fortan über Superkräfte, die er sofort nutzt, um Überlebende in den Trümmern zu bergen. Eric „flüchtet“ sich in die nahliegendste Erklärung und glaubt gottesfürchtig an ein Wunder.

Als ihn jedoch die Medien hypen und zu einer Art Ikone stilisieren und ihn auch die Politik wahlkampfwirksam vor den eigenen Karren, ihn also instrumentalisieren will, entfernt sich Eric immer mehr von dem Menschen. Lediglich Sam gelingt es, auf eine gewisse Art Kontakt zu Eric zu halten, aber auch dieses Verhältnis erscheint immer fragiler.

In einem Wutanfall schlägt Eric seinen Brüder, Hugh, zum Krüppel. Da Hugh ohnehin schon unter der Distanz zwischen ihm und Sam sowie Eric gelitten hatte, scheint er nun völlig gebrochen. Dies ist wohl die Ironie des Schicksals, denn Hugh war derjenige, der es im Leben zu etwas gebracht hatte und mit Alma hat er das Mädchen bekommen, auf die sie alle drei scharf waren.

Arcudi schildert eine Welt ohne Superhelden, bis Eric seine geheimnisvolle Metamorphose durchlebt. Auf dieser Basis kann er mit dem Superhelden Genre spielen. Er bedient sich einiger Elemente, die wir alle aus den unterschiedlichsten Titeln der Strumpfhosenträger kennen, um dann wiederum mit einigen Stilmitteln des Genres zu brechen. Wer also dicke Muskeln, ein schickes Kostüm, die große Erklärung, wie und warum Eric seine Kräfte erhielt, oder eine Geheimidentität sucht, wird sie in der vorliegenden Story nicht finden, denn diese Elemente sind für diese Handlung nicht wichtig und wären sogar störend.

Stattdessen sieht der Leser einen Eric, der mit zunehmenden Gewaltorgien immer mehr verwahrlost und sich als eine Art Dorian Gray (nur ohne Blick in den Spiegel) offenbart.

Doch dieses feine Meisterwerk wäre ohne einen Peter Snejbjerg, der mit Arcudi bereits bei B.U.A.P. zusammen- und bei Preacher mitarbeitete, in Höchstform nicht möglich. Er versteht es wunderbar, den Kontrast zwischen ruhigen Panels, wie dem Familienleben von Alma und Hugh, den Rückblenden, die das Verhältnis der 3 Freunde erklärend nacherzählen sowie Erics Gewaltausbrüchen, der wie der Hulk von der Armee gejagt wird, zu schildern. Dabei hat jedes Panel etwas zu erzählen, was den Plot auf subtile Art und Weise verdichtet. Daneben zaubert er beinahe mühelos seinen Charakteren die komplette Emotionspalette ins Gesicht – ein wesentlicher Fakt, um den Plot zum Leser zu transportieren.

Schnell wird klar, dass aus dieser Story keiner der Charaktere unbeschadet hervorgehen wird und genau so konsequent führt Arcudi die Story ihrem Ende zu.

A God somewhere stellt viele Fragen und lässt einige von ihnen unbeantwortet zurück. Und genau hierin liegt eine weitere Stärke des Plots, denn es liegt nun an dem Leser, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen und sie sich selbst zu beantworten. So wird „A God somewhere“ zu einem Titel, den auch die „Vielleser“ nicht so ohne weiteres weglegen, sondern sich noch eine gewisse Zeit mit ihm beschäftigen werden.

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