Der Rattenfänger von Hameln

 Beim Rattenfänger von Hameln handelt es sich um eine der bekanntesten deutschen Sagen, die in mehr als 30 Sprachen übersetzt wurde, so dass ich an dieser Stelle die Handlung nicht weiter vorstellen möchte.

Mit dem vorliegenden Band adaptiert André „Siebengestirn“ Houot diese Sage in die Neunte Kunst und entschuldigt sich gleich zu anfangs für Ungenauigkeiten bei der Umsetzung, die er vorgenommen hat, um das Mittelalter für den Leser erträglicher zu machen.
Nahezu mit Beginn wird von Houot betont, dass das mittelalterliche Hameln ein perfekter Nährboden für Ratten im übertragenen Sinne ist. Selbstsucht, ein wenig Aberglaube und Sensationslust beherrschen das blutrünstige Volk, das sich das Anschauen von Hinrichtungen längst zum Volkssport gemacht hat. Selbst das Foltern eines Schweins vor seiner Hinrichtung führt zu einem Volksauflauf.
Doch gerade diese Hinrichtung tritt die hinlänglich bekannten Ereignisse los. Ein geheimnisvoller Rattenfänger wird von den Stadtoberen herbeigerufen, um gegen die Ratten vorzugehen. Mit geheimnisvollen Flötentönen lockt er die Ratten aus der Stadt. Dies erscheint jedoch den Stadtoberen als zu leicht und sie verweigern ihm seinen Lohn. Lediglich ein Zehntel wollen sie zahlen und werfen ihm das Geld vor die Füße. Der Rattenfänger rächt sich und lockt die Kinder aus der Stadt.
Bittere Ironie ist, dass nur ein Krüppel, Helmut, der den anderen Kindern nicht schnell genug folgen kann, und die angekettete Eva der Stadt und ihren Bürgern verbleiben.
Helmut und Eva machen es sich zur Lebensaufgabe, diese Geschichte Hamelns in der Hoffnung weiter zu erzählen, dass die Menschen ihre Lektion lernen. Mitgefühl mit den Bürgern von Hameln hält sich konsequent in Grenzen.
Houot legt eine sehr schöne und anspruchsvolle Adaption der Sage vor. Die Charaktere sind sehr profiliert herausgearbeitet. Natürlich weiß besonders der Rattenfänger, den Houot irgendwo zwischen Magier, Mystiker und Musiker mit geheimnisvoll glühenden Augen anlegt, zu begeistern.
Wie so oft liegt jeder Sage ein Funken Wahrheit zugrunde. Doch diese historischen Quellen zu belegen oder zu erläutern, ist nicht Houots Aufgabe und auch nicht die eines Rezensenten.
Die entsprechende Warnung ist jedenfalls auf dem Backcover angebracht:“ Man betrügt den Künstler nicht ungestraft!“ Houot hat für seine Adaption jede Belohnung verdient, auch wenn er die Sage wohl auch aus dramaturgischen Gründen etwas gekürzt hat, insbesondere was die verbliebenen Kinder betrifft. Doch dem Lesepaspß tut dies keinen Abbruch. Die Ehapa Comic Collection hat jedenfalls einen Comic veröffentlicht, der diese berühmte Sage unterhaltsam visualisiert.

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