Smile

 Ein Lächeln ist und bleibt die positivste nonverbale Kommunikationsform. Doch was ist, wenn man sich nicht traut zu lächeln, weil man eine Zahnregulierung in Form einer Metallspange, einer sogenannten Schneekette, über sich ergehen lassen muss? Doch damit nicht genug! Was ist, wenn erschwerend hinzukommt, dass man beide Schneidezähne bei einem Unfall verloren hat? Wenn dies dann noch in einem Alter passiert, in dem man sich für Jungs beginnt zu interessieren, gestaltet sich dies zu einem scheinbar ewigen Martyrium.

Über dieses Martyrium hat Raina Telgemeier einen autobiografischen Comic geschrieben und gezeichnet, der Rainas Leiden, Hoffen, Bangen, Zweifeln bis hin zum Verzweifeln in 8 Kapiteln erzählt.
3 ½ Jahre muss Raina immer wieder Zahnregulierungen in unterschiedlichsten Formen über sich ergehen lassen. Dabei erzielt sie mal mehr, mal weniger gute Fortschritte. Dabei ist es schon ein sarkastischer Zug des Schicksals, dass Raina zunächst eine „normale“ Zahnregulierung erhalten soll. Beim Spiel mit Freundinnen stürzt sie jedoch so unglücklich, dass sie ihre Schneidezähne komplett verliert.
Autobiografien funktionieren immer dann besonders gut, wenn der Autor oder in diesem Fall die Autorin mit sich selbst schonungslos umgeht und ihr Innenleben preisgibt. Raina tut dies auf eine ungemein sympathische Art. Sie spielt oft geschickt mit ihrer Mimik, die meist ein Lächeln vermeidet, wenn sie eine unbedachte Äußerung ihrer Mitschüler oder Geschwister wegstecken muss. Doch ihre Zahnregulierung ist nicht das einzige Thema dieses Comics. Dafür ist das Alter, in dem sie sich zur Zeit ihrer Erzählung befindet, viel zu prägend. Raina dürfte zu Beginn ihrer Erzählung ca. 12 und am Ende ca. 16 Jahre alt sein. Sie wechselt die Schule, Freundschaften scheitern und neue werden geschlossen. Sie verliebt sich unglücklich in einen Jungen und erlebt ein heftiges Erdbeben. Als Leser erlebt man so mit Raina die komplette Emotionsbandbreite eines typischen und doch wieder untypischen Teenagers in der Pubertät und kann sich dabei, um im Titel zu bleiben, so manches Lächeln nicht verkneifen. Durch die Reinheit ihrer Erzählung und ihrem klaren Strich nimmt sie den Leser mit und für sich ein. Doch bei allen Erlebnissen kehrt Raina aufgrund ihrer komplizierten Zahnregulierung immer wieder auf den Zahnarztstuhl zurück. Dabei nimmt sie sich selbst schon mal augenzwinkernd auf die Schippe, als sie schildert, wie sie erst dann nach Popcorn schmachtet, als sie es wegen ihrer Zahnklammer verboten bekommt. Dies ist eindeutig mein Lieblingspanel dieses Comics.
Als sie mit ihrem Vater und ihrer kleinen Schwester eher widerwillig Arielle im Kino anschaut, wächst in ihr der Berufswunsch, Comiczeichnerin zu werden. So gestaltet sie Flyer in der Schule und entwickelt sich so weiter, was ihr in ihrem neuen Umfeld wesentlich leichter fällt als mit ihren bisherigen Freundinnen, die sie allzu oft zum Spielball ihr Streiche und ihres Spotts gemacht haben.
Schließlich stellt Raina fest, dass ein Lächeln auch von Innen kommt und mit innerer Zufriedenheit viel leichter fällt.
In 2011 hat die in San Francisco geborene Raina Telgemeier für Smile den Eisner Award in der Kategorie „Beste Jugendpublikation“ gewonnen. Ich kann mir vorstellen, dass Rainas Erzählung so manchem Jungen oder Mädchen, das ein ähnliches Schicksal durchleben muss, Mut macht. Ich kann mir außerdem sogar sehr gut vorstellen, dass dieser Comic so manche tröge Deutsch- oder Englischstunde auflockern und bereichern würde.
Für gut 220 Seiten in einem schicken Hardcovereinband und einem schön gestalteten Cover verlangt Panini 12,99 €, was ein sensationelles Preis-Leistungs-Verhältnis gerade auch im Hinblick auf den Inhalt ist.

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