Isoundwords # 2: Die eine über den Peng

Als ich diese Kolumne schreibe, neigt sich der Besuch von Barack Obama dem Ende entgegen, haben wir just von unserer Bundes Angie gelernt, dass das Internet für uns alle Neuland ist, wird in Brasilien der Confed-Cup, der von heftigen Protesten der Bevölkerung gegen inflationäre Preiserhöhungen und Korruption überschattet wird, ausgespielt und das traditionsreiche Tennis Turnier in Wimbledon beginnt in Kürze. Scheint so, als falle das Sommerloch (noch) aus. Und wenn diese Kolumne online geht, weile ich im Urlaub. Doch nun zum eigentlichen Thema:

In den ungeraden Jahren pausiert Erlangen und es zieht die Comic Szene ein paar Kilometer weiter gen Süden nach München. In der bayrischen Landeshauptstadt findet das Comic Festival statt. Dort wird auch regelmäßig der PENG ausgelobt. Da stellt sich fast schon zwangsläufig die Frage, wie dieser Preis in der deutschen Comiclandschaft einzuordnen ist.

Doch unabhängig hiervon möchte ich zunächst einmal die Preisträger würdigen und ihnen herzlich gratulieren. Es sind:

Bester deutschsprachiger Comic

Reinhard Kleist: Der Boxer: Die wahre Geschichte des Hertzko Haft (Carlsen)

Bester europäischer Comic

Luke Pearson: Hilda und der Mitternachtsriese (Reprodukt)

Bester nordamerikanischer Comic

Chris Ware: Jimmy Corrigan – Der klügste Junge der Welt (Reprodukt)

Beste Comic-Berichterstattung

Die Sprechblase

Beste Comic-Sekundärliteratur

Burkhard Ihme (Hg.): Comic! JAHRBUCH (ICOM)

Beste Neuveröffentlichung eines Klassikers

Hal Foster u. a.: Tarzan Sonntagsseiten (Bocola)

Bester Manga aus Japan/Ostasien

Keito Koume & Isuna Hasekawa: Spice & Wolf (Panini)

Bester Manga aus Deutschland

Anike Hage, Anna Hollmann, Kei Ishiyama, Misaho Kujiradou, Mikiko Ponczeck, Inga Steinmetz, Luisa Velontrova, Nina Werner, Reyhan Yildirim: Grimms Manga Sonderband (Tokyopop)

Beste Comicverfilmung

Marvel’s The Avengers

Schon das Procedere bei den Nominierungen und den Abstimmungen verlief etwas intransparent. Immerhin wurde klar, dass die Vorschlagslisten von einer vierköpfigen Jury, die aus den beiden Festivalleitern Heiner Lünstedt und Michael Kompa, dem Journalisten Rainer German, der im Stadtmagazin in münchen Comics bespricht, sowie Gerhard Schlegel, den die meisten wohl auch als eine Hälfte von Laska Comix und ehemaligen Mitorganisator des Münchner Comicfestivals kennen dürften, erstellt wurden. Abstimmen konnte man sowohl im Comicforum, als auch im Comicguideforum. Ein Crosscheck fand nicht statt, so dass man seinen Favoriten „puschen“ konnte. Den Veranstaltern war dieser Umstand bekannt, aber sie waren sich sicher, dass dies zu keinen nennenswerten Verschiebungen führen würde. Oookay.. Die deutsche Comicszene ist ja auch so gestrickt, dass garantiert niemand oder höchstens 5 Obernerds, zu denen ich mich dann auch zählen würde, so dass wir nur noch 4 suchen, in beiden Foren angemeldet sind. Dennoch ist man bemüht, dies bei der nächsten Preisverleihung in 2 Jahren abzustellen. Ja, was denn nun? Wenn es denn nicht so schlimm ist, kann man es doch auch laufen lassen. Nein, das ist ein klarer Widerspruch in sich und natürlich bin ich für die Bereinigung des Abstimmungsverfahrens.

Hieraus ergibt sich, dass sich der PENG in seiner Bedeutung hinter dem traditionsreichen Max-und-Moritz-Preis, dem icom und dem auf der Frankfurter Buchmesse zur Verleihung anstehendem Sondermann einordnet. Das ist nicht zwangsläufig verwerflich oder eine Schande, aber verdeutlicht auch, dass das Münchner Comicfestival, das an sich den Anspruch stellt, zumindest perspektivisch auf Augenhöhe des Comicsalons Erlangen zu kommen, noch Einiges vor der Brust hat. Way to go… Doch auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

Leider, leider konnte ich dieses Jahr nicht das Comicfestival besuchen. Wer sich aber über das Comicfestival informieren möchte, sei freundlich auf den lebhaften Bericht des Zettgeists, dem Podcast des Zwerchfell Verlags, verwiesen.

Quintessenz ist, dass die Veranstaltung auf 2 Locations verteilt wurde. Im Künstlerhaus waren die großen Verlage ansässig, im Alten Rathaus die Independent Verlage. Hier war der Eintritt sogar kostenlos. Auch wenn die beiden Veranstaltungen räumlich nicht sehr weit voneinander getrennt waren, läuft man natürlich Gefahr, dass das Festival zerfasert. Was halt in Erlangen funktioniert und was in München offenbar nicht funktioniert hat, ist, dass man seitens der Veranstalter die deutsche Comiclandschaft in ihrem Status Quo präsentiert. Auch die Verlagsvertreter wollen sich doch untereinander austauschen und dazu gehört es, dass man möglichst kompakt nebeneinander sitzt. Auch für die Fans ist es schließlich leichter, alle Verlage in einer Location vorzufinden. Die Independent Verlage habe ich so bei meinem ersten Besuch in Erlangen erstmals so richtig wahrgenommen und irgendwie sind sie auch das Salz in der Suppe der Comicsuppe. Und wer mag schon Suppe ohne Salz?

Dass dann in München noch das Wetter schlecht war und am Sonntag der Marienplatz, den man beim Pendeln zwischen den beiden Locations wegen der Triple Feier des FC Bayern überqueren musste, gesperrt war, lag natürlich außerhalb der Verantwortung der Veranstalter, aber es machte das Ganze auch nicht besser. Im Gegenteil, im Grunde fiel der Sonntag im Alten Rathaus ins Fussball-Wasser, d.h. viele bauten fast schon zwangsläufig am Samstag ab. Erschwerend kommt hinzu, dass die Veranstaltung der Triple Bayern bereits am 23. Mai bekannt war. Man hätte die im Alten Rathaus angesiedelten Verlage also rechtzeitig informieren müssen oder können, es sei denn, die Stadt München hat die Veranstalter des Comic Festivals nicht entsprechend in Kenntnis gesetzt.

Es muss doch möglich sein, in einer Stadt wie München auch in Innenstadtlage oder zumindest mittelbarer Innenstadtlage eine Location zu finden, in der sich alle Verlage gleichberechtigt zeigen können. Sollte dies wider Erwarten nicht möglich sein, ist München per se als Standort für das Comicfestival nicht geeignet oder man müsste seitens der Veranstalter abwägen, ob man in die Außenbezirke geht, was ich grundsätzlich für keinen guten Plan halten würde. Doch daran glaube ich auch nicht wirklich. Ich vertraue darauf, dass die Veranstalter, deren Einsatz für das Festival nebenberuflich und daher natürlich auch hoch einzuschätzen ist, ihre Hausaufgaben erkennen und auch bis zum nächsten Mal erledigen. Ich bin auch zuversichtlich, beim nächsten Mal auch selbst wieder in München sein zu können. Das werde ich natürlich auch davon abhängig machen, ob die Independent Verlage dann noch teilnehmen. Auch hier bin ich ja grundsätzlich zuversichtlich, aber es scheint doch, als sei eine Menge Porzellan zerschlagen worden. Dies zeigen der Offene Brief der Independent Verlage an die Veranstalter bzw. die Stadt München, der daraus resultierende Schriftverkehr sowie das Interview vom Comic Report mit Michael Kompa. Ich hoffe, dass die diplomatischen Drähte in der nächsten Zeit glühen und die Wogen geglättet werden können. Wir brauchen neben dem Comic Salon Erlangen solche Veranstaltungen in Deutschland, damit sich die Comicszene aktiv präsentieren kann.

Vielleicht ist es perspektivisch in einer späteren Kolumne mal an der Zeit, die deutschen Comicveranstaltungen gegenüberzustellen.

Auf dem Festival hat der sensationelle David Boller seine wunderbare Autobiografie Ewiger Himmel mit großem Erfolg präsentiert. David erzählt, wie er in den USA die Joe Kubert School besucht, Fuß in der Comic Szene fasst, seine Frau kennen- und lieben lernt und schließlich wieder in die Schweiz zurückkehrt. Dies ist auch mein Lesetipp für diesen Monat. Eine Rezension werde ich noch nachliefern, aber ich habe Davids Werk auf Facebook regelmäßig verfolgt und war begeistert oder besser: Ich bin es noch! Vorläufig liefere ich immerhin die Rezension zum Ergänzungsheft zu Ewiger Himmel, das den letztjährigen Gratis Comic Tag flankiert hat und Davids Erlebnisse bei diversen Umzügen in den USA schildert.

Bei so einem „Knaller“ von Ohrwurm erklärt sich das diesmalige Video wohl von selbst. Und die Comicleser unter uns kennen die Interpretin ohnehin.

Isoundwords # 3 trägt den Titel „Die Eine über die Rückkehr der Heftchen Kultur“.

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

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