Scarlet # 1: Kinder Revolution

 Scarlet ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, das davon träumt, mit der Liebe ihres Lebens ein langes Leben zu führen, Kinder in die Welt zu setzen und so ihr gemeinsames Lebensglück finden.

Doch alles ändert sich, als ihr Freund, Gabriel, von Polizisten erschossen und dann zur Rechtfertigung als Drogendealer hingestellt wird. Scarlet erkennt, dass die Gesellschaft, in der sie lebt, verdorben, verkommen ist und von Habgier regiert wird. Als dann noch der für den Mord an Gabriel verantwortliche Polizist befördert wird, beschließt, Scarlet Rache zu nehmen.

Bendis und Maleev haben bereits erfolgreich bei ihrem Daredevil Run zusammengearbeitet. Ihre gemeinsame Arbeit an Spider-Woman war zwar lesenswert, aber nicht unbedingt von Erfolg gekrönt. Egal, ob man nun Fan oder Kritiker von Bendis ist, man muss ihm lassen, dass er stets bereit ist, mit dem Medium Comic zu experimentieren. Wie es sich für ein Experiment gehört, geht manches schief und manches gut. Bendis erzählt Scarlet auf gleich 3 Ebenen. Da sind zunächst die Dialoge zwischen ihr und ihren Freunden, die die Handlung vorantreiben, dann wendet sich Scarlet direkt an den Leser, was ihr Innenleben näher beschriebt, während die Zeitungsberichte die Gesamtsituation beleuchten.

Bendis benötigt die ersten 3 Ausgaben, um Plot und Charaktere aufzubauen. Dem einen oder anderen Leser mag Scarlet in diesen Ausgaben als ein wenig zu spröde erscheinen, aber das dreht sich spätestens in dem Moment, als auf 3 Seiten die „Highlights“ ihres Lebens nähergebracht werden und so der Charakter mehr Tiefe und Ausstrahlung erlangt. Wenn man Bendis kennt, kennt man auch seine langsame Herangehensweise. Wirkt sie bei den Rächern manchmal bemüht, erschließt sich spätestens mit der vierten Ausgabe, wofür Bendis diese Zeit benötigt. Scarlet entwickelt sich immer mehr zu einem Mythos, um die ein Personenkult entsteht. Diese Diskrepanz zwischen dem Mythos und dem Menschen führt zu einer Distanzierung zu ihrer Familie bzw. ihrer Mutter. Diesen Aspekt hatte Moore schon so wunderbar bei V wie Vendetta herausgearbeitet. Scarlet lässt den Leser jedoch näher an sich heran, während V erst wirklich am Schluss der Story von einer Ikone zum Menschen wird. So wirkt Scarlet auch anfangs noch als pubertierende Revolutionärin, eine Phase, die wir in der Jugend wohl alle durchlebt haben, und wird erst dann zu der Figur, die Bendis dem Leser vorstellen will.

Maleev ist und bleibt ein Künstler, an dem sich die Geister scheiden. Man mag ihn oder man mag ihn definitiv nicht. Doch sein Artwork wirkt hier wesentlich dynamischer als bei Spider-Woman, was wohl auch an der nicht so grellen Kolorierung wirkt.

Ich bin gespannt, wie es mit Scarlet und ihrer Revolution weitergeht.

Insgesamt könnte Marvel mit den Creator owned Serien wie Scarlet, Nemesis oder auch Brillant erstmals auch konzeptionell über einen wettbewerbsfähigen Gegenpol zu DC’s Vertigo Schiene verfügen.

Bei Panini ist von Scarlet sowohl ein Softcover, als auch ein auf 111 Exemplare limitierte Hardcover Ausgabe erschienen.

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