FLIX: da war mal was…

Buchcover Die Älteren unter uns werden sich noch daran erinnern. Es ist noch nicht allzu lange her als „da mal was war“. Das „Was“ steht für die Mauer, die wie eine Narbe Deutschland in 2 Staaten trennte.
Häufig gab es Nachrichten über vermeintliche Schikane beim Grenzwechsel, über geglückte, aber auch gescheiterte, Fluchtversuche oder einfach nur endlos wie fruchtlos scheinende Verhandlungen zwischen beiden deutschen Regierungen über die Kostenverteilung der Transitstrecken.
Flix hat selbst in der Sonntagsbeilage des Berliner Tagesspiegels seine persönlichen Erinnerungen in Form eines Comicstrips erzählt. Doch in Gesprächen mit Freunden und Bekannten hat er rasch bemerkt, dass es da noch sehr viel mehr zu erzählen gibt. So wuchs dies zu einem Projekt, einem großen Ganzen zusammen.
Das Ergebnis ist ein lesenswerter Band, der alle Perspektiven der Mauer, die für die eine Seite eine fast perfekte Abschottung und manchmal auch Tötungsmaschine und für die andere Seite den imperialistischen Schutzwall darstellte, beleuchtet. Die einzelnen Episoden, die durch die unterschiedliche Farbgebung des Papiers auch rein optisch voneinander getrennt sind, spiegeln auch die komplette Emotionspalette wider. So sind die Episoden mal heiter, mal traurig, mal nostalgisch, erzählen über Vorurteile und reflektieren auch Persönliches.
Die einzelnen Episoden sind dabei nie banal und Flix gelingt es immer wieder, seine Episoden in 12 Panels auf den Punkt zu bringen.
Natürlich funktioniert solch ein Band nur dann, wenn Erzählungen diesseits und jenseits der Mauer ihren Niederschlag finden. Das hat Flix natürlich auch erkannt, wobei die Erlebnisse aus der ehemaligen DDR konsequent etwas mehr im Vordergrund stehen.
Auch wir Älteren neigen vielleicht nach nun mehr rund 22 Jahren zu vergessen, dass da mal „was“ war. Flix erinnert uns daran und das ist auch gut so. Schließlich war die Mauer ein Stück deutsche Realität, das nun Geschichte ist, aber deren Bedeutsamkeit nicht unterschätzt werden sollte. Wäre ich Lehrer für Geschichte oder Gemeinschaftskunde, würde ich den Band im Unterricht behandeln.

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