Isoundwords # 3: Die eine über die Rückkehr der Heftchen Kultur

Als ich diese Kolumne schreibe, beherrscht die Spionageaktion der NSA weiterhin die Schlagzeilen, haben die Fußball Frauen das Halbfinale der EM erreicht und hat Chris Froome die Tour de France 2013 gewonnen. Wie viele Jahre wird es diesmal dauern, bis wir erfahren, dass auch diese Tour ohne die Einnahme fragwürdiger und verbotener Substanzen nicht zu gewinnen war, nicht ohne den Hinweis zu vergessen, dass dies schließlich halb so wild ist, weil es ja alle getan haben? Wann wird man merken, dass die Kontrolle der Athleten wichtig ist, aber dass man auch das System auf den Prüfstand stellen muss?

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Egal, ob franko-belgische Serien oder auch Superheldenserien – welchem Leser macht es nicht Spaß, Stories am Stück zu genießen und so den kompletten Zusammenhang „in einem Rutsch“ zu haben?

Die zahlreichen Gesamtausgaben gerade im franko-belgischen Segment, die in schöner Regelmäßigkeit erscheinen und längst zu einem eigenen Segment geworden sind, sprechen für sich und eine deutliche Sprache. Wir Comic Leser neigen vielleicht auch zu solchen Sammelbänden, um so einen gewissen literarischen Anspruch zu verfolgen, den wir dann in den sog. Graphic Novel umgesetzt wissen. Daneben können wir mit Sammelbänden hässliche Lücken in einer gesammelten Serie stopfen oder auf relativ preiswerte Art und Weise, neue Serien für uns entdecken. Ich nehme mich da gar nicht aus und es liegt mir völlig fern, dieses Leseverhalten zu kritisieren. Wer die Kolumne hier verfolgt oder mich gar kennt, weiß jedoch, dass ich mit den Williams Heftchen aufgewachsen bin. Mit Geld von Oma oder Muttern ging’s je nach aktuellem Aufenthaltsort in Marburg zum Spielwaren Schneider, zum Ehrentreich oder zur Bahnhofs Buchhandlung, um Heftchen zu kaufen. Natürlich musste ich die Hefte wie rohe Eier (oder gar noch sensibler) behandeln, wenn sie nicht nach ein paar Monaten auseinander fallen sollten. Doch das war egal. Dann wurden die Heftchen halt so behandelt. Gelesen habe ich sie oft mehrere Male hintereinander. Waren das Zeiten! Daran hat auch die Tatsache nichts geändert, als Williams das Programm reduzieren und völlig umstrukturieren musste. Cliffhanger habe ich damals gerne in Kauf genommen und auf eine gewisse Art und Weise haben sie das Warten auf die Fortsetzung sogar versüßt, weil ich mich einfach sehr auf die Fortsetzung gefreut hatte. Ich habe es ja auch nicht anders gekannt.

Als Panini bzw. Dino und Marvel Deutschland dann die Superhelden veröffentlichte, boomte zunächst der Heftchen Markt noch, bis der Kollaps des Heftchen Marktes in den USA, wenn auch in abgeschwächter Form, den Weg über den Atlantik zu uns fand. Die Folge war, dass Sonderbände mehr und mehr die Heftchen ablösten. Doch auch dies war okay, hätten wir doch sonst viele lesenswerte Serien wie Daredevil, Punisher oder auch die Fantastic Four und Superman (letztere beide Serien erschienen zunächst als Heftchen, um dann in Sammelbänden veröffentlicht zu werden) auf dem deutschen Markt nicht oder nicht mehr zu Gesicht bekommen.

Doch wenn wir uns nun das Panini Programm anschauen, dürfen wir uns über die Rückkehr der Heftchen freuen. Klar, die Preise haben sich „leicht“ verändert, aber welche Preise haben nicht eine gewisse Inflation durchlitten? Ich brauche in diesem Zusammenhang nur mal „Kino“ ansprechen.

Den Weg, den Panini bereits letztes Jahr im Rahmen der New 52 mit DC beschritten hat, schreitet der Verlag nun mit Marvel im Rahmen von Marvel NOW! fort.

Lasst mich nun mal die Serien kurz anreißen. Da DC in der Chronologie der Ereignisse den Anfang gemacht hat, nenne ich deren Serien auch zuerst.

Da sind:

Batman (mit der deutschen Veröffentlichung der Detective Comics)

Green Lantern (mit der deutschen Veröffentlichung von Green Lantern und des Green Lantern Corps)

Superman (mit der deutschen Veröffentlichung der Action Comics sowie Supergirl)

Batman – The Dark Knight (mit der deutschen Veröffentlichung von Batman – The Dark Knight sowie Nightwing)

Und der Justice mit der deutschen Veröffentlichung der gleichnamigen US-Serie

Bei Marvel finden wir:

Avengers mit der deutschen Veröffentlichung mit der gleichnamigen US-Serie

Spider-Man (mit der deutschen Veröffentlichung von Superior Spider-Man)

Spider-Man, der Avenger (mit der deutschen Veröffentlichung von Avenging Spider-Man)

Wolverine und Deadpool ( mit der jeweils deutschen Veröffentlichung der gleichnamigen US-Serien)

Die neuen X-Men (mit der deutschen Veröffentlichung der gleichnamigen US-Serie All New X-Men )

Iron Man / Hulk (mit der deutschen Veröffentlichung von Iron Man und Indestructible

Hulk)

Auch diejenigen unter uns, die so wie ich der Wissenschaft der Mathematik nicht zwingend zugeneigt sind, erkennen auf den ersten Blick, dass Panini jeweils 5 Serien der beiden Verlage in Heftchen Form erscheinen lässt. Gleichzeitig bieten die Paninis an, 5 Serien eines Verlags zum Preis von 4 Serien als Super-Abo abzuschließen. Auch wenn dieses Angebot den Humor des Einzelhandels nur teilweise treffen wird, ist dies natürlich ein legitimer Versuch, den Heftchen Markt zu stützen und noch robuster zu etablieren. Ich liebe auch heute noch dieses nostalgische Gefühl, ein Heftchen in den Händen zu halten und zu lesen, auch wenn das Preis-Leistungsverhältnis bei einem Sammelband naturgegeben vorteilhafter ist. Außerdem nutze ich auf meinem werktäglichen Weg zur Arbeit die öffentlichen Verkehrsmittel und da macht es einfach mehr Spaß, Heftchen zu lesen.

Ich weiß selbst, dass meine nostalgischen Gefühle sowie meine Bequemlichkeit nicht wirklich ausschlaggebend sein werden, ob sich der Heftchen Markt dauerhaft (wieder) nachhaltig etablieren wird. Am Ende des Tages werden nackte Zahlen sprechen und den Ausschlag geben. Ich bin gespannt und auch zuversichtlich. Vielleicht trägt ja auch der Gratis Comic Tag zu einer Stabilisierung des Heftchen Marktes bei.

In dieser Woche war ich übrigens einen Tag krank und daher zuhause auf der Couch. Da habe ich natürlich zu Alben gegriffen. Ihr seht, bei den Comics macht es am Ende des Tages die Abwechslung.

Nunmehr möchte ich auf die letzte isoundwords zurückblicken. Da habe ich mich über den Peng! ausgelassen und ihn unter Anderem mit dem Sondermann verglichen, der regelmäßig auf der Frankfurter Buchmesse verliehen wurde. Richtig „wurde“ als Präteritum habe ich ganz bewusst gewählt. Den Jury Preis für Komische Kunst erhält in diesem Jahr Hilde Raddatz und der ebenfalls von der Jury verliehene Förderpreis geht an Katharina Greve. Mit der Insolvenz der Frankfurter Rundschau als einem wesentlichen Träger und Sponsor des Sondermanns werden die Publikums Kategorien nicht mehr verliehen. An seiner Stelle tritt ab 2014 der Deutsche Comicpreis mit veränderten Kategorien. Immerhin wird auch er auf der Frankfurter Buchmesse verliehen. Bernd Glasstetter hat hier die Gründe aufgeführt. Soltte denn dann der Comicpreis in 2014 ein eirfolgreiches Debut feiern, können wir wohl das eine Jahr Wartezeit verschmerzen.

Neulich habe ich in einem an sich bedeutungslosen, wenn auch phasenweise bemühten, Podcast gehört, dass mein Gruß „Lest mehr Comics!“ doch eigentlich „Kauft mehr Comics!“ heißen müsste. Direkten Bezug zu meiner Kolumne gab es natürlich nicht, aber wer grüßt sonst noch auf diese Art und Weise?

Selbstverständlich ist es auch mir nicht entgangen, dass die Comic Industrie und ganz am Ende der Schöpfungskette auch wieder wir Leser davon profitieren, dass möglichst viele Comics gekauft werden.

Jedoch setze ich hier auf das Prinzip der Nachhaltigkeit. Lest ruhig erstmal eine Serie oder einen Comic an, bis ihr entscheidet, ob ihr ihn auch wirklich kaufen wollt. Ein heute verärgerter Käufer, sei es aufgrund falscher Beratung oder sei es, weil er einen Comic einfach zu schnell gekauft hat, ist morgen schon kein Kunde mehr.

Und dann kommt es mir als Kolumnist überhaupt nicht zu, Euch zu sagen, raten oder gar vorzuschreiben, wie Ihr Euer sauer verdientes Geld ausgeben sollt.

Mein Lesetipp für diesen Monat ist Astrum Noctis, für deren ersten Teil Sarah „Das Leben ist kein Ponyhof“ Burrini das Artwork beigesteuert hat.

Diesen Monat gibts mal keine Musik. Dafür gibts den grandiosen Auftritt eines gewissen Gottes auf der San Diego Comic Con. Viel Spaß damit!

Isoundwords # 4 trägt den Titel „Die Eine über die Schmutzkampagne gegen Comics“.

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

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