Dan einfach unverletzbar # 1

 David Lapham hat sich längst einen Namen gemacht. Mit der Krimi Serie Stray Bullets wurde er erstmals einem größeren Publikum bekannt, bevor er für DC (Batman), Marvel (Spider-Man, Deadpool und Punisher) und Top Cow (Darkness) arbeitete. Für Avatar Press legt er nunmehr mit Dan – einfach unverletzbar – seinen nächsten Comic vor.

Gäbe es den Begriff Antiheld on längst, müsste er für Dan erfunden werden. Dan ist unverletzbar und das in jeder Beziehung – physisch wie psychisch. So bestehen seine Lieblingsbeschäftigungen darin, sich auszuschlafen und sich Stress vom Leib zu halten. Sein Gedächtnis ist löchriger als ein Sieb. Sein Geld verdient er mit Gelegenheitsarbeiten als Privatdetektiv. Sein Salär ist eher lächerlich und er lässt sich auch schon mal in „Naturalien“ ausbezahlen. Die Dinge ändern sich für ihn, als ein Fall persönlich wird.

 

Dieser Comic ist so weit vom Mainstream entfernt wie Dan davon entfernt ist, ein echter Held zu sein. Und ich wette, dass sich kein großer Verlag an dieser Story versuchen würde, weil sie vor Gewalt einfach nur so strotzt. Im Gegensatz dazu bleibt Dan das, was er ist, einfach unverletzbar. Denn bevor Dan Gewalt anwendet, gibt er jedermann und jederfrau Gelegenheit, ihn und damit im Endeffekt sich selbst zu verschonen.

Wir erfahren nicht, wie Dan unverletzbar wurde. Ist er ein Mutant, wurde er mit irgendwelchen Strahlen beschossen oder hatte er einen Unfall? Das mag für uns auf den ersten Blick unbefriedigend erscheinen, auf den zweiten Blick passt es zu diesem Antitypen, der sich fast schon durch sein Abenteuer tölpelt und doch zum Ziel kommt, weil er seine Auftraggeberin retten will. Eigentlich sollte er sie retten, weil sie ihm nahesteht, aber er betont zweimal, dass er seinen Job für sie erledigen will. So resultiert Dans Unverletzbarkeit, die über Unverwundbarkeit deutlich hinausgeht, aus seiner emotionalen Unantastbarkeit, die ihm auch eine emotionale Unabhängigkeit einbringt. Er ist also kein Wolverine, der sofort heilt und doch so verletzbar ist, wenn Menschen zu Schaden kommen, die ihm nahestehen. Nein, Dan erntet nicht einen Kratzer und ist auch emotional unantastbar. Doch genau dies lässt ihm auch im Endeffekt „seinen Fall“ lösen.

Das eigentlich Erstaunliche an dieser Story ist, dass wir uns dennoch auf eine gewisse Art mit Dan identifizieren können. Das liegt an dem ganz eigenen Humor, der irgendwo zwischen Preacher und der Garth Ennis Variante des Punishers liegt, und der Unabhängigkeit, die Dan genießt.

Dan ist definitiv kein Comic für Kinder, was an den zahlreichen und heftigen Gewaltszenen sowie am Drogenkonsum liegt. Dieser wird ebenso wie sexuelle Handlungen jedoch nur erwähnt bzw. angedeutet. Eine Indizierung wollte Lapham dann doch nicht riskieren. Mit Dan setzt sich Lapham gleich neben Garth Ennis. Wer also das Werk von Ennis mag, wird sich auch von Dan bestens unterhalten fühlen.

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