Asterix, Band # XXXV: Asterix bei den Pikten

df5u.jpgWenn im Supermarkt ein werbewirksamer Sonderstand mit Comics aufgebaut wird, weiß der geneigte Kunde, dass ein neuer Asterix erscheint. Kein anderer Comic sonst zieht so viel Aufmerksamkeit an wie die Abenteuer der Gallier. Dies zum Trotz, denn der Ruhm der Gallier stammt doch eher aus den 70er Jahren und drohte in den letzten Jahren zu verblassen. Uderzo (mittlerweile 86 Jahre alt) ist  ein genialer Comic Zeichner und mit Sicherheit einer der besten, die wir je hatten und haben werden, aber das Erzählerische gehörte einfach nicht zu seinen Grundtugenden. So drohte sogar der Ruhm des tapferen gallischen Kriegers zu verblassen.

Noch 2008 verkündete Uderzo, dass nach ihm niemand mehr Asterix zeichnen dürfe, aber nur wenig später verkaufte er die Rechte an den Buchkonzern Hachette, der seinerseits darauf aus war, auch neue Abenteuer zu veröffentlichen und sich nicht nur auf eine sicherlich lukrative Backlist zu beschränken.

So entstand nach all den Abenteuern, die wir mit Asterix erleben duften, vielleicht das größte. Es musste ein neues Kreativ-Team her. Mit Jean-Yves Ferri wurde ein in Frankreich durchaus renommierter Autor gefunden, dem mit Didier Conrad ein neuer Zeichner zur Seite gestellt wurde.

Der Erwartungsdruck auf Autor und Zeichner muss immens gewesen sein, denn schließlich handelt es sich bei Asterix # 35 um den ersten Band, an dem weder der in 1977 viel zu früh verstorbene Goscinny noch Uderzo unmittelbar beteiligt waren.

Doch nun zum neuen Asterix selbst:

Die Pikten ist die römische Bezeichnung für Völker in Schottland. Und somit offenbart sich gleich schon mit dem Titel, was sich so angenehm durch den kompletten Band zieht. Der subtile Humor kehrt zurück. So erfahren wir, warum Cäsar die Eroberung Schottlands auf Eis legte, warum der Hadrianswall gebaut wurde und lernen auch die Eigenarten eines Urahns eines gewissen sagenumwobenen Monsters, das in einem schottischen See zuhause ist, kennen. Auch die Beatles werden zitiert.

Den Plot selbst möchte ich zweiteilen. Er beginnt mit der Story im Dorf und führt neue vielversprechende Nebencharaktere wie den Volkszähler Plusminus und einen vermummten, zunächst noch namenlosen, Gallier ein. Kleiner Höhepunkt ist für mich Methusalix, der sich an das Jahr 50 vor Majestix erinnert. Somit parodiert sich Asterix an dieser Stelle selbst, denn wir wissen längst, dass Asterix zwar 50 vor Chr. spielt, aber immer wieder die Erkenntnisse der Gegenwart auf diese Ereignisse projiziert werden. Gerade diese Passagen im Dorf lassen das alte Asterix Feeling wieder entstehen.

In Schottland selbst geht es etwas beschaulicher zu, doch das soll dem insgesamt positiven Eindruck keinen wirklichen Abbruch tun.

Zu diesem Eindruck trägt natürlich auch Didier Conrad ein, der den Uderzo Stil adaptiert hat. Es gibt einige Passagen, in denen ich keinen Unterschied zwischen Uderzo und Conrad erkennen kann.

Asterix geht mit einer Auflage von Anderthalb Millionen Exemplaren an den Start. Dies allein zeigt, dass es sich bei Asterix um mehr als einen Comic, sondern um ein mediales Großereignis handelt.

Ferri hat bereits angekündigt, dass er, falls er weitermachen darf, dem Abenteuer in Schottland eins im Dorf folgen lassen möchte. Damit wahrt er nicht nur Goscinnys Tradition, der einem Abenteuer in der Ferne stets ein Abenteuer in der Heimat folgen ließ, sondern konzentriert sich auch darauf, wo der Band seine Stärken hat.

Wir Leser dürfen uns also weiterhin auf Abenteuer der Gallier freuen. Wenn das mal keine gute Nachricht ist, beim Teutates!

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