Before Watchmen: Minutemen

Before Watchmen: Minutemen Die Watchmen gelten bis heute völlig zu Recht als eines der bedeutendsten Werke der Comic-Literatur und sind mit Sicherheit der Comic, den man als Leser des Superheldengenres gelesen haben muss. Diesen Kultstatus wollte DC natürlich nutzen, als sie das Projekt „Before Watchmen“ zum Entsetzen von Alan Moore ankündigten.

Natürlich habe auch ich so meine Schwierigkeiten damit, wenn man sich an solch einem Werk vergreift. Die Beispiele für misslungene Se- und Prequels auch aus der Filmindustrie sind zahllos. Dennoch sollte man unvoreingenommen die Sache gehen.

Und schon war ich überrascht und zwar positiv. Darwyn Cooke ist beileibe kein Unbekannter und seine Verdienste sind bekannt, aber mit den Minutemen hat er ein kleines, feines Meisterwerk mit kleinen Abstrichen abgeliefert.

Er orientiert sich an den Vorgaben von Alan Moore, der die Minutemen zwar immer wieder erwähnt, aber nie spezifisch auf sie eingeht. Auch Zack Snyders Verfilmung findet seine Berücksichtigung und man sollte wenigstens eines von beiden Werken kennen, bevor man den Band liest. Er wird zwar auch ohne Kenntnisse der Grundwerke lesbar, aber nicht nachhaltig verständlich sein.

Wir begleiten die Minutemen durch nahezu 3 Jahrzehnte beginnend in den 30ern, in denen Cooke immer wieder Querverbindungen zum Zeitgeschehen zieht. So erfahren wir vom japanischen Angriff auf Pearl Harbour, vom Atombombenabwurf über Hiroshima und nicht zuletzt auch von der McCarthy Ära.

Die Minutemen selbst scheitern am Anspruch zwischen Schein und Sein, denn es wird schnell klar. Die einzelnen Mitglieder sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und im Grunde eine Ansammlung von Egomanen. Heldentum ist ihnen nur im Glanz der PR wichtig. Und doch gibt es mit Silhouette eine Ausnahme, die einem Serienmörder von Kindern auf der Spur ist. Es passt zum tendenziell sarkastischen Grundton der Story, dass die einzige wirkliche Heldentat der Minutemen aus Gründen der nationalen Sicherheit nicht den Weg in die Öffentlichkeit findet.

Die Story wird aus der Sicht Nite Owls erzählt und seine „Enthüllungen“, die auch in den Watchmen Erwähnung finden, liefern den Grundstock des Plots.

Cooke interpretiert die Andeutungen Moores zu den Watchmen gekonnt, wenn er auch das Thema „Sex“ in all seinen Facetten etwas überstrapaziert. Dafür wird der Verfall von Mothman, der eigentlich einen zentralen Aspekt des Plots darstellt, nur angedeutet. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Das Rätsel um die Identität von Hooded Justice bleibt ungeklärt. Wir dürfen gespannt sein, ob ein anderer Autor noch hierauf eingehen wird. Konsequent wäre es ja auch in Anlehnung an die Watchmen, wenn dies ungeklärt bleibt. Mit den Minutemen ist ein gekonnter und erfreulicher Auftakt zu „Before Watchmen“ gelegt. Hierfür steht auch das Artwork von Cooke, der seinen eigenen unverkennbaren Stil hat, aber sich auch durchaus an Gibbons anlehnt.

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