Before Watchmen: Dr. Manhattan

 Die Watchmen wurden in Alan Moores Meisterwerk mit gleichnamigem Titel durchweg als komplexe Charaktere dargestellt, zu denen wir mehr oder weniger leicht einen Zugang gefunden haben. Als besonders schwierig und komplex habe ich nach wie vor Dr. Manhattan in Erinnerung. Tatsächlich handelt es sich bei ihm um ein Wesen mit einer scheinbaren Allmacht, der aber wiederum in seiner eigenen Welt lebt.

Diesen Ansatz hat Joseph Michael Straczynski mit seinem vorliegenden Band förmlich verinnerlicht und grandios umgesetzt.Andeutungen über seinen Charakter und Werdegang, die Alan Moore teilweise in den Watchmen angerissen hat, erzählt Straczynski weiter. Natürlich ist auch dies eine Form der Interpretierung. Doch Straczynskis Erzählung ist sensibel gestaltet, so dass seine Interpretation nicht nur glaubhaft wirkt, sondern sogar direkt Moores Originalwerk entsprungen sein könnte.

Dies liegt auch daran, dass JMS die Symbolik aus den Watchmen für seinen Plot adaptiert. So bekommt der junge Jon Ostermann genau das Uhrwerk geschenkt, das er später auf dem Mars nachbaut.

Ein weiteres wesentliches Symbol ist die verschlossene Box, in der sich so lange alles befinden kann, bis man sie öffnet. Dieser Symbolik widmet JMS gleich dem ersten Teil seiner 4 Teile umfassenden Story.

Dies verdeutlicht nicht nur, dass Dr. Manhattan alles durchdringen, erkennen und analysieren will, sondern steht auch für die dabei dahin fließende Zeit, die er nicht originär als Konstante verstanden haben will. Aus einer Zeitlinie ergibt sich vielmehr eine Reihe von Möglichkeiten, die Dr. Manhattan als Meta-Wesen betrachtet und analysiert. besonders fasziniert ist er von der alternativen Realität, in der er eben nicht zu Dr. Manhattan wird.

Immer deutlicher wird, dass die Einzelstories des Projektes before Watchmen inhaltlich verzahnt sind. So trifft Dr. Manhattan auf die Crimebusters und führt eine Unterhaltung mit dem ersten Nite Owl. Eine weitere Eigenschaft, die JMS aus den Watchmen übernommen hat, ist die Distanz, die Dr. Manhattan zu allem und jedem hat, auch wenn das durch sein Interesse an Silk Spectre zumindest temporär konterkariert wird und wiederum die Komplexität seines Charakters unterstreicht. Eigentlicher Höhepunkt ist für mich das Ende der Story, in der sich Dr. Manhattan und Ozymandias unterhalten und so einen nahezu perfekten Übergang zu den Watchmen liefern.

Besonders gespannt war ich auf das Artwork von Adam Hughes, der uns doch zumeist als genialer Cover Künstler denn als Zeichner einer fortlaufenden Story begegnet ist. Ich mache es kurz. Hughes hat mich voll und ganz überzeugt. Gerade die Darstellung der Symbolik, der verschiedenen Zeitebenen sowie die Atmosphäre der unterschiedlichen Epochen ist Hughes durchweg gut gelungen.

Insgesamt liefern also Straczynski und Hughes eine Story vor, die eine wertvolle Perle ist.

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