isoundwords 5: Die eine über das Comic-Manifest

Als ich diese Kolumne schreibe, habe ich auf Videotext die traurige Nachricht über den tragischen Unfalltod von Paul Walker gelesen. Da kommt ein Schauspieler, der einen Großteil seines Vermögens mit den Filmen aus der Fast & Furios Reihe verdient hat, bei einem Verkehrsunfall ums Leben..mutmaßlich wegen überhöhter Geschwindigkeit. Kann ein Tod ironischer sein? Mir fällt dazu ein Liedtext von Depeche Mode ein:

I don’t want to start any blasphemous rumours
But I think that God’s got a sick sense of humour
And when I die I expect to find Him laughing.

Das Lied heißt übrigens Blasphemous Rumours. Doch nun zum eigentlichen Thema.

Anlässlich des Literaturfestivals in Berlin wurde am 02.09.2013 das Comic-Manifest verlesen. Das Comic-Manifest könnt Ihr hier bei den Kollegen des Comic Report nachlesen.

Doch nun lasst uns ein Spiel spielen. Nein, wir sind nicht bei Saw. Findet bitte den Fehler im ersten Satz des letzten Absatzes. Wer auf „Literaturfestival“ tippt, hat richtig gelegen. Klar, die Initiatoren des Manifests suchten sich eine Bühne und haben sie auf bzw. mit dem Litertaturfestival gefunden. Es gibt jedoch herrliche Comic Events in Deutschland, die besser geeignet gewesen wären, um auch so etwas wie Unabhängigkeit und die Grundaussage, dass Comics eine eigenständige Kunstform sind, zu unterstreichen. Vielleicht hätte man idealerweise noch bis zum nächsten Comic Salon in Erlangen abwarten sollen und hätte vorher noch ein paar Hausaufgaben erledigt. Doch halten wir es wie beim Klöße essen zur Weihnachtsgans – einer nach dem anderen.

Ich teile nahezu völlig die Auffassung, dass Comics heute einen viel größeren Stellenwert in den Medien und im allgemeinen Ansehen einnehmen als noch vor ein paar Jahren. Man hat ja hierzulande in der Vergangenheit auch einiges getan, um Comics in Misskredit zu bringen und damit meine ich nicht nur die Bücherverbrennung im 3. Reich. Auch in der jungen Bundesrepublik lief da nicht alles akkurat. Ist hier nachzulesen.

Es ist daher auch für mich völlig nachvollziehbar, dass man die Gunst der Stunde nutzen will und den nächsten Schritt in der Form von Fördergeldern usw. gehen will.

Völlig zu recht loben die Verfasser des Manifests die inhaltliche Bandbreite von Comics vom „Comicstrip bis zur Graphic Novel. Eindringliche Geschichten zu gesellschaftlich relevanten Themen prägen heute sein Bild in den Medien.“

Und hierin liegt gleichzeitig die Gefahr. Jeder ernsthafte Comicleser und –sammler hat längst erkannt, dass es beim Comiclesen die Abwechslung ausmacht, die den maximalen Spaß bringt. Sollten also nun wirklich Fördergelder ausgeschüttet werden, besteht natürlich eine gewisse Gefahr, dass Comics vorrangig so produziert werden, dass sie eben geeignet sind, auch gefördert zu werden. Die Unterhaltungsschiene könnte also vernachlässigt oder auf der Strecke bleiben. Ich möchte betonen, dass ich nicht unke, dass es so kommt. Doch eine gewisse Möglichkeit lässt sich nicht von der Hand weisen. Und wer weiß, wen solche Fördergelder auf den Plan rufen würden. Wird Till Schweiger dann auch Comics produzieren?

Es wird die finanzielle Förderung von Comicprojekten gefordert.

Da im Manifest selbst der Vergleich zur Filmindustrie gezogen wird, schauen wir uns doch mal an, wie das bei der Filmindustrie so läuft. Zuständige Behörde für die Bescheidung von Anträgen auf Fördergelder ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit Sitz in Eschborn. Daneben gibt es auch noch das Kuratorium junger deutscher Film. Im Bundeshaushalt werden jährlich ca. 30 Millionen Euro für die Filmförderung, aber auch für die Vergabe von Filmpreisen zur Verfügung gestellt. Weitere 70 Millionen Euro fließen darüber hinaus in den Deutschen Filmförderfonds, der erst letztes Jahr bis 2015 verlängert wurde. Die Förderung von Filmprojekten erfolgt teils als Darlehen, teils in der Form von Zuschüssen. Historisch betrachtet sollte die Förderung heimischer Filmprojekte der Verdrängung durch US-Filme in den 50er Jahren entgegenwirken.

Ich denke, dass für die Förderung von Comics nur eine Bezuschussung als Förderinstrument infrage käme. Sollte ein Comicschaffender ein Darlehen zurückzahlen müssen, sollte er sich allein schon den bestimmt mühsamen Weg der Beantragung ersparen. Die Aussicht durch einen Comic, Gewinne in einer Höhe zu erwirtschaften, die die Rückzahlung eines Darlehens ermöglichen, ist schlichtweg zu gering. An dieser Stelle macht es auch keinen Sinn, den Einzelhandel abzuschöpfen. Was ich damit sagen will. ist, dass ein Fördermodell in Form von Darlehen wahrscheinlich schon fast zwangsläufig zu einer Verteuerung von Comics führen würde, was am eigentlichen Zweck der Maßnahme völlig vorbeilaufen würde.

Selbstverständlich kann beim Vergleich der Bedeutung für die deutsche Wirtschaft die Comicindustrie mit der Filmindustrie nicht Schritt halten. Dies muss sich dann auch in der Budgetierung niederschlagen. Dennoch sollten 2-3 Millionen Euro vergeben werden. Der Aufwand, der hinter der Bezuschussung auch seitens der Verwaltung steckt, kann nur mit einem vernünftigen Budget gerechtfertigt werden. Ich denke, dass mit einem solchen Budget auch genügend Comicprojekte in einer Höhe gefördert werden können, die den Künstlern es erlaubt, auch sinnvoll und befreit von finanziellen Sorgen an solchen Projekten zu arbeiten. Ich denke auch, dass sich ein Ansatz von 2-3 Millionen Euro im Bundeshaushalt noch rechtfertigen ließe und den Haushalt, um den ja in der Politik immer hart gekämpft wird, auch nicht zu sehr belasten würde. Schließlich hat die Politik ja die Millionen längst abgeschafft und diskutiert um Milliarden.

Die Verfasser des Manifests fordern abschließend auch die Einrichtung eines Deutschen Comicinstituts. Auch hier sei der Vergleich zum Film erlaubt. Das deutsche Filminstitut ist gemeinsam mit dem Filmmuseum in Frankfurt am Schaumainkai untergebracht. Ich kenne jetzt die dortigen baulichen Gegebenheiten nicht, aber vielleicht wäre hier eine Erweiterung möglich. Vorstellen kann ich mir ebenso gut, ein solches Institut an der Deutschen Nationalbibliothek anzubinden. Denkbar ist aber auch die vorhandenen und bewährten Strukturen der Gesellschaft für Comicforschung – COMFOR – zu nutzen und ggf. weiter auszubauen. Sollte ein Deutsches Comicinstitut tatsächlich entstehen und dies auch noch in Frankfurt am Main stünde ich zur Verfügung. Wofür bin ich in meinem echten Leben Beamter?

Ich will mit den letzten beiden Passagen deutlich machen, dass ich die Förderung von Comics für durchaus machbar und realistisch halte. Wichtig ist halt der politische Wille und schon sind wir beim Kernpunkt des Problems.

Die Verfasser des Manifests haben eine wirklich erlesene Schar gewonnen, die das Manifest unterzeichnet haben. Dennoch vermisse ich etliche Namen. Wo sind so bedeutende Künstler wie Naomi Fearn, Stefan Dinter, Ulli Oesterle oder Sarah Burrini? Wieso wurde die Manga Schiene gar nicht bedient? Auf Seiten der Verleger fällt mir Dirk Rehm ins Auge, der für den Reprodukt Verlag tätig ist. Doch auch hier fehlen mir Namen wie Alexander Bubenheimer, Jo Löffler, Horst Gotta, Dirk Schulz oder Eckart Schott.

Lässt dies auf eine Richtung schließen, in der sich im Falle, dass man tatsächlich die Forderungen des Manifests durchsetzt, die Verfasser des Manifests die Umsetzung vorstellen? Ich hoffe, nicht. Denn sonst könnte meine Befürchtung doch greifen, dass zu viele Comicprojekte auf die Erteilung eines Zuschusses abgezirkelt werden.

Was mir aber völlig abgeht, ist die Kommunikation des Ganzen. In Zeiten von Facebook und Twitter müsste das Projekt viel intensiver begleitet werden. In unserer schnelllebigen Zeit ist es nun mal wichtig, dass so ein Projekt, das aus dem manifest erwachsen soll, immer wieder in Erinnerung gerufen wird. Ich finde es klasse, dass man mit Bela B. und Ulrich Wickert 2 prominente Zugpferde für die Unterzeichnung gewinnen konnte. Wichtig wäre aber auch, solche Zugpferde in der Politik zu gewinnen, denn dort werden nun mal Gesetze verabschiedet. Man sollte das Gespräch mit einem Kultusministerium bzw. dem Bundesinnenministerium suchen. Ich weiß, Klinken putzen ist nicht der angenehmste Job auf der Welt, aber nur so wird es gehen.

Und natürlich reden wir von der deutschen Comiclandschaft. Man sollte also gleich zu Anfang vergessen, dass man mit einer Stimme nach außen spricht. Doch die zurzeit stattfindende Zerfaserung und Zerredung des Manifests gerade zum jetzigen Zeitpunkt ist, wie wenn man auf einen frisch gepflanzten Setzling eine Elefantenherde loslässt. Es ist auch nicht gut, dass man so kluge und erfahrene Köpfe wie die von mir oben genannten fast schon ausgrenzt, indem man sie eben nicht zur Erstunterzeichnung des Manifests bittet und sie so mit ins Boot nimmt. Sie könnten und würden das Projekt bestimmt sinnvoll befeuern.

Natürlich drücke ich den Initiatoren des Comic Manifests beide Daumen und auch die großen Zehen, dass sie mit ihren sinnvollen Forderungen durchkommen, aber ich sage es auch mit den Worten des großen Tom DeFalco: „Way to go!“ Doch auch der weiteste Weg beginnt mit dem ersten Schritt.

So, auch diese Kolumne ist mit einer Verspätung von 2 Wochen online gegangen. Ich kann mich einmal mehr nur aufrichtig entschuldigen und Besserung geloben. Um meine guten Absicht zu unterstreichen, wird es schon nächsten Freitag die nächste isoundwords geben. Doch dazu gleich mehr.

Zunächst möchte ich den an dieser Stelle schon traditionellen Lesetipp geben. Es ist Secret Service von Mark Millar und Dave Gibbons aus dem Hause Panini.

Mit dem Lied möchte ich wieder auf den Anfang dieser Kolumne zurückkommen und damit zum tragischen Unfalltod von Paul Walker. Hier kommt nun also RZA.

isoundwords # 6 trägt den Titel „Die eine über Geschenketipps zu Weihnachten 2013“ und erscheint schon nächsten Freitag!

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

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