Wimbledon Green – Der größte Comicsammler der Welt

 Dieser Comic sollte eigentlich gar keiner werden. Seth hatte Story und Panels für sein Skizzenbuch gefertigt, weil er eine bestimmte Erzähltechnik üben wollte. Aufgrund verschiedener Sichtweisen verschiedener Charaktere eröffnet sich episodenartig gegenüber dem Leser der Plot. Steinchen für Steinchen setzt sich so ein Mosaik zusammen.

Seth nimmt mit seiner Story die Szene der Comicsammler aufs Korn, die sich grundsätzlich kennen, aber auch argwöhnisch beobachten und sich selbstverständlich diverse Schmankerl und Raritäten gegenseitig nicht gönnen. Doch dann ziehen sie doch wieder über sich her, weil in der Sammlung des Konkurrenten unverzeihliche Lücken klaffen.

Wimbledon Green ist ein Comicsammler, wie er im Buche steht. Er kennt jede, auch noch so obskure Ausgabe, und besitzt sie zum größten Teil auch. Er zahlt (nahezu) jeden Preis und überbietet seine Konkurrenten auf jeder Auktion. Woher er sein Vermögen hat, erfahren wir nicht. Wir lesen nur, wie seine Konkurrenten neidvoll spekulieren. Erst am Ende des Bandes kommt der „Titelheld“ selbst zu Wort, aber wer glaubt, dass sich nun die ganze und völlige Wahrheit offenbart, hat sich getäuscht. Dennoch sind wir nicht enttäuscht, denn es macht Spaß, selbst zu spekulieren, was mit Wimbledon Green (sofern er überhaupt so heißt), geschehen ist. Auch seine wahre Identität bleibt unbekannt. Vor einer „virtuellen Kamera“ machen Zeugen ihre Aussagen, die aber größtenteils auch auf Spekulationen beruhen oder sich gegenseitig widersprechen. Handelt es sich bei Wimbledon Green um Don Green, von dem man seit den 70er Jahren nichts mehr gehört hat oder gar um H. Arbor Grove, der dem wiederum vehement widerspricht und das Sammeln von Comics für „Kinderkram“ hält. Und doch ist eine gewisse äußerliche Ähnlichkeit nicht zu leugnen.

Bei dem Vornamen muss man natürlich unwillkürlich an den berühmten Londoner Stadtteil mit seinem ebenso berühmten Tennisturnier, das auf Rasen, also auf Grün, ausgetragen wird, denken. Seth erklärt in seinem Vorwort, dass er sich von einer Reise nach London inspirieren ließ.

Abschrecken lassen sollte man sich nicht von Fachbegriffen wie „Golden Age“ oder den Zustandskategorisierungen der Comics. Diese ergeben sich aus dem Kontext, so dass es auch keines Glossars bedarf.

Unabhängig von der Sammelleidenschaft der Nerds ist das Grundthema des Plots die Angst vor dem Verlust der Kindheit und dass Comics eben diese Kindheit wiederbringen sollen.

Obwohl die Comicsammler in dieser Story immer ein wenig überzeichnet sind, wirken sie doch lebensnah. Man fühlt sich ertappt, wenn man Wesensverwandschaften mit diesen Nerds entdeckt. Doch wir wissen ja auch, dass Übertreibung anschaulich macht und Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Und lachen musste ich oft beim Lesen des Bandes.

Der Hardcover Band der Edition 52 punktet auch auf der haptischen Seite.

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2 Gedanken zu “Wimbledon Green – Der größte Comicsammler der Welt

  1. Hallo
    Im Angebot habe ich eine Sammlung von Comics- in etwa 177 verschiedene Ausgaben.Die meisten GoldenAge und ein paar SilverAge. Haben Sie Intetesse?

    • Ich habe kein Interesse, sorry. Ich veröffentliche den Kommentar dennoch. Vielleicht findet sich ja jemand, der das hier liest.

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