In der Sekte

 Sektentum war zu meiner Schulzeit durchaus ein Thema, das auf dem Lehrplan stand. Damals wie heute war bzw. ist dies ein wichtiges Thema, das nur allzu gern totgeschwiegen wird. Klar, zu dieser Zeit standen andere Sekten im Vordergrund, aber die Landschaft hat sich auch im Sektentum geändert und die Scientologen haben sich mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt.

Als aktuelles Thema war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis dies auch in einem Comic behandelt werden würde. Dieses Themas haben sich nun Pierre Guillon und Louis Alloing in ihrer beim Schweizer Verlag, Virtual Graphics, erschienen Graphic Novel „In der Sekte“ angenommen. Marion ist eine moderne, junge Frau, die noch am Anfang ihres Berufslebens steht und dort mit den üblichen Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Sie „experimentiert“ mit Drogen herum, aber das ist nicht ausschlaggebend, sondern nur eine Begleiterscheinung, wie sie an Scientology geriet. Vielmehr wollte sie auch hier etwas Neues ausprobieren, neue Wege nach einer gescheiterten Beziehung gehen. So gerät sie nach anfänglichen harmlos erscheinenden Kontakten immer tiefer in die Fänge einer Sekte. Sie erklimmt dort scheinbar eine Karriereleiter, womit sie sich nur noch mehr mit Scientology verwurzelt. Als sie dies schließlich erkennt, zieht sie die Reißleine.

Das wirklich Beklemmende ist, dass Marion eigentlich eine ganz normale Frau ist, die im Leben steht. Doch wie wir alle bewegt sie sich auf 3 Feldern: Familie, Beruf und Freunde. Ihre Beziehung ist gescheitert und im Berufsleben müsste sie eigentlich die Ellenbogen ausfahren, was ihr aber nicht wirklich liegt. Das Verhältnis zu ihrer Mutter ist nicht sonderlich eng. So bedarf es schon nur eines kleinen Schritts zur Seite, um so in die Fänge einer Sekte zu geraten. Ich bin mir sicher, dass allein schon aus rechtlichen Gründen nur ein Teil der Wahrheit ans Licht kommt, aber die Spitze eines Eisbergs kann allein schon erschreckend genug sein. Das System, in dem sich Marion wiederfindet und in das sie immer tiefer gezogen wird, ist ausgeklügelt bis ins letzte Detail. Symptome sind u.a., dass Marion die Kontakte zu Personen außerhalb von Scientology mehr und mehr abbricht. Gesellschaftliche Isolation ist durchaus angestrebt und gewollt. Es ist dann schon konsequent, dass dies physische wie psychische Auswirkungen auf Marion hat, die sich gerade noch rechtzeitig aus den Fängen der Sekte befreien kann und selbst dann keine Ruhe findet. Immer wieder erhält sie Anrufe, auch wenn ihre Telefonnummer eigentlich geheim ist. Allein dieser Umstand deutet an, wie tief verwurzelt Scientology ist.

„In der Sekte“ ist der klassische Comic, den ich in einem Stück gelesen habe und mich nicht einmal erinnern kann, ob ich während des Lesens geatmet habe. Dafür zieht dieser Bericht über die Aussteigerin den Leser zu sehr in seinen Bann.

Louis Alloing zeichnet diese Graphic Novel mit einem klaren franko-belgischen Strich. Der Comic selbst ist dreifarbig gestaltet mit Blau als Kontrastfarbe.

Zweifellos gehört dieser Comic in jede Schulbibliothek, denn er klärt so viel besser, intensiver und einfühlsamer über das Sektentum auf, als dies der eigentliche Schulunterricht zu leisten vermag.

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Ein Gedanke zu “In der Sekte

  1. was ist denn der „Schweizer Verlag“? das sollte bestimmt „Schweizer Verlag Virtual Graphics“ heißen … der comic kommt auf meine checkliste 🙂

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