Die Toten # 1

 Gabi und Sebastian fliehen in Baden-Baden vor den Zombies zu Rainer in eine Kirche. Während Sebastian überzeugt ist, dass dies das Ende der Welt ist, sorgt sich Rainer bereits um die Zeit nach der Zombieepidemie und trifft entsprechende Vorsorge.

In Bayern auf dem Land kann Schorsch die Panikmache um die Zombies nicht verstehen. Weißbier und Fußball interessieren ihn viel mehr als diese Sache, die eh nur die Städter betrifft. Erst, als er erfährt, dass der Eintritt in der Nobeldisco P 1 frei ist, begibt er sich auf den Weg nach München.

In Frankfurt am Main kämpfen ein paar Dealer gegen Zombies. Auf Dauer haben sie es schwer, sich gegen die Monster durchzusetzen.

Mit dem vorliegenden Band überrascht Zwerchfell mit einem neuen Konzept. In einem Band veröffentlichen drei Teams je eine Story, die regional geprägt ist, über die Zombieepidemie, die Deutschland heimsucht bzw. heimgesucht hat. Die Macher der Story, Stefan Dinter und Christopher Tauber, verstehen ihre Story als einen Bericht oder Rückblick.

Die facettenreiche Baden-Baden Story von Yann Krehl und Michael Vogt wird eher von den Spannungen der doch sehr unterschiedlichen Charaktere, Sebastian und Rainer, getragen. Rainer leugnet schon fast den gegenwärtigen Zustand. Er spricht auch nicht von Zombies, sondern von „Betroffenen“ und glaubt fest an einen Impfstoff, der bald verabreicht wird.

Sebastian ist eher ein Realist mit pessimistischen Zügen. Gegen die Zombies sieht er nur einen Ausweg, sich zu verschanzen und Gewalt anzuwenden, sobald sie in der Nähe sind. Krehl lässt die beiden extrem unterschiedlichen Charaktere am Ende seiner Story völlig konsequent aufeinanderprallen und ich werde hier nicht verraten, ob und wer dies überlebt. Fakt ist jedoch, dass beide so unterschiedlich sind und auch so unterschiedlich mit dem Zombieangriff umgehen, dass sie nicht einmal angesichts einer unmittelbar drohenden Gefahr in der Lage sind, zusammenzuarbeiten.

Völlig unterschiedlich, aber keinesfalls weniger unterhaltsam, gestaltet sich die zweite Story des Bandes, die von Boris Kiselicki geschrieben und gezeichnet wurde. Spätestens mit dieser Story begreift jeder Leser, was der Reiz an „Die Toten“ sein wird. Es sind regionale Besonderheiten. Wie insbesondere Schorsch die Zombies zu einer Sache der Städter macht und sich mehr für sein Weißbier und den FC Bayern interessiert, lässt den Leser schmunzeln. Die Anspielungen auf „Bauer sucht Frau“ und Münchens „Promi-Disco P1“ lassen dieses Schmunzeln ebenso zu einem breiten Grinsen anwachsen, wie die Dialoge, die Boris Kiselicki in Mundart geschrieben hat. Dabei hat er es verstanden, die Mundart so einzusetzen, dass sie auch von denjenigen verstanden wird, die des Bayrischen nicht mächtig sind. Unstrittig ist jedenfalls, dass der Argwohn der Landbevölkerung gegen die Städter und der Witz dieser Story auf „hochdeutsch“ nicht funktionieren würden. Dafür grantelt Schorsch zu herrlich.

Das breite Grinsen des Lesers dürfte sich endgültig zu einem Lachen entladen, wenn die Berichte im Radio, die Schorsch zu verstehen versucht, die Zombieepidemie mit der Schweinegrippe vergleichen.

Den skurrilen Charakter erreicht Boris Kiselicki mit seinen schwarz-weiß Zeichnungen, die besonders auf die Mimik der Charaktere abstellt.

Die abschließende Story spielt in Frankfurt. Geschrieben wurde sie von einem der geistigen Väter, Christopher „Piwi“ Tauber und gezeichnet von Ingo Römling. Diese düster angehauchte, aber nicht weniger ironische, Story, die ausnahmslos in einer Großstadt spielt, bildet einen Kontrast zu der sarkastischen Story von Boris Kiselicki., die erst Sepp und Schorsch am Ende nach München gelangen lässt. Natürlich gibt es auch in dieser Story herrlich skurrile Momente, die Ingo Römling wunderbar eingefangen hat.

In jeder Hinsicht ist „Die Toten“ genau das, was der deutschen Comiclandschaft gefehlt hat. Die Handlung spielt zumindest bisher ausschließlich in Deutschland und lässt regionale Besonderheiten Einzug halten. Besonders Spaß macht neben den skurrilen Momenten auch die Ironie, die neben den Zombies der gemeinsame Nenner der Stories sind, so dass der Leser trotz unterschiedlicher Künstler eine Leitlinie oder Orientierungshilfe hat.

Man darf gespannt sein, welche Künstler und damit wohl auch welche Metropolen in den Folgebänden eine Rolle spielen werden. Persönlich hoffe ich, dass auch mittelgroße Städte Platz finden werden.

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