isoundwords # 8: Die eine über Zombies

Während ich diese Kolumne schreibe, wird bei Michael Schumacher gerade der Aufweckprozess nach seinem künstlichen Koma eingeleitet. Ich drücke ihm und seiner Familie die Daumen, dass das kleine Wunder geschieht und er wieder völlig genesen wird.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Zombies sind die letzte Horror Naturgewalt, die es noch gibt. Vampire und Werwölfe sind nicht zuletzt dank Schnulzen wie Twilight längst gezähmt und fast schon langweilig geworden. Zu Stephanie Zimmers Ehrenrettung kann man nur ergänzen, dass Dracula auch bei Bram Stokers Original einen romantisch tragischen Ansatz hatte und dass auch Werwölfe per se tragische Figuren sind.

Ich wette, dass jeder, der sich für die Horror Sparte interessiert, irgendwie mit Zombies in Berührung gekommen ist und dabei meine ich nicht oder nur am Rande diejenigen, die morgens auf dem Weg zur Arbeit noch auf Autopilot fahren.

Doch woher stammen Zombies? Längst wissen wir doch, dass solche Stories oft auf einem Mythos oder Aberglauben basieren.

Bei näherer Betrachtung sind Zombies die tatsächliche Verkörperung von Gespenstern, die wegen unverrichteter Dinge von den Toten in unsere Welt zurückkehren.

Ursprünglich stammt der Aberglaube aus dem Voodoo-Kult, der auch heute noch in Haiti in Teilen der Bevölkerung fest verankert ist. Dieser Voodoo-Kult geht davon aus, dass ein Hexer einen Menschen mit einem Fluch belegen kann, so dass dieser zu einem willenlosen Wesen wird, das man beispielsweise für die Arbeit ausnutzen kann. Und nein, Beamte sind damit nicht gemeint. Doch wer sich hier „weiterbilden will“, sollte „Die Schlange im Regenbogen“ schauen. Dieser Film ist für mich unheimlicher als so mancher, der sich vornehmlich auf Effekte stützt.

In der Anthropologie herrscht die Theorie, dass durch Verabreichung von Drogen Kriminelle zombifiziert wurden und so letztlich bestraft wurden.

In populären Medien wie Comics und Filme fungieren Zombies als ein Horror Phänomen. Ihre Herkunft wird oft nicht erklärt, was einen Teil ihres Horrors ausmacht. In jüngeren Werken wird allerdings oft von einem Virus ausgegangen, der Menschen zu Zombies werden lässt. Das magische Element rückt dabei in den Hintergrund, aber ganz ohne Magie funktioniert das Zombie Phänomen nicht. Wie außer mit einer Portion Magie sollte man sonst erklären können, dass der Körper eines Zombies, obwohl dieser Körper ja grundsätzlich tot ist, nicht zerfällt? Könnte man also in der realen Welt Zombies von den Menschen separieren, d.h. sie einsperren, wäre das Zombie Phänomen nach ca. 6 Monaten überstanden. Dann wären nämlich die Körper der Zombies verfallen oder vom Verwesungsprozess derart in Mitleidenschaft gezogen, dass sie bewegungsunfähig wären.

Für das Medium Film hat George A. Romero die Zombies 1968 Mit „Die Nacht der lebenden Toten“ entdeckt. Ob er damals geahnt hat, was er für eine Lawine mit diesem Film lostritt, weiß ich nicht, aber würde ich ihn gern mal fragen. So gehen grundsätzlich auch die meisten Filme der heutigen Zeit auf Romero zurück und bedienen sich des Grundmotivs.

Der Horror der Zombies wird durch ihre langsamen Bewegungen verursacht, der ihnen sogar so etwas wie Charakter verleiht. Ferner ist es diese unaufhaltsame Menge, die nicht zu stoppen ist und ohne Rücksicht auf Verluste, die nicht einmal wahrgenommen werden, immer weiter bewegt, bis sie alles vernichtet hat und dabei unersättlich ist. Wild sind Zombies auf Menschenfleisch, wobei sie durch einen Biss weitere Menschen infizieren.

Natürlich unterliegen auch Zombies der Interpretation und Weiterentwicklung. „World War Z“ mit Brad Pitt in der Hauptrolle beschäftigte sich im Kino vor nicht allzu langer Zeit mit diesem Thema. Dort hatten „die Infizierten“ (nicht Zombies), wie sie interessanterweise durchgehend genannt werden, so etwas wie Superkräfte und bewegten sich rasend schnell.

Weiteres Kennzeichen der Zombie Filme ist meist das Fehlen eines Happy Ends. Die Überlebenden sehen vielmehr einer hoffnungslosen und scheinbar kurzen Zukunft entgegen.

Oft wird die Bezeichnung „Zombie“ umgangssprachlich für jemanden benutzt, der willenlos dahinvegetiert und ebenso handelt. Und nein, auch hier sind zumindest originär keine Beamten gemeint.

Doch schauen wir uns nun einmal in der Neunten Kunst um.

Da gibt es natürlich den Dauerbrenner „The Walking Dead“ von Robert Kirkman. Auf Deutsch erscheint diese Serie bei Cross Cult. Hier lese ich aber lieber das Original, weil ich gerade in einer apokalyptischen Zivilisation, in der die meisten Männer Bärte und Holzfällerhemden tragen, das verkleinerte Cross Cult Format nicht mag. Ansonsten schätze ich aber Cross Cult sehr.

„The Walking Dead“ blickt mit Recht auf eine große Fangemeinde und die Serie macht auch grundsätzlich heute noch Spaß. Doch ist sie im Grunde mittlerweile eine Soap. Seit Jahren ziehen die Überlebenden durchs Land, sind noch nicht völlig wahnsinnig geworden und finden scheinbar immer wieder Benzin, Nahrung und Munition. Es ist mir auch nicht bekannt, dass es Schwierigkeiten mit Ersatzteilen für Handfeuerwaffen wie z.B. Schlagbolzen gibt. Das sind aber eigentlich klassische Verschleißteile einer Waffe, die sich bei Gebrauch zwangsläufig abnutzen und ersetzt werden müssen. Würde in einer Gesellschaft, die im Grunde von der Übermacht der Zombies beherrscht wird, nicht zuerst die komplette Infrastruktur zusammenbrechen? Sicher, das wird nicht auf einmal geschehen, sondern ist ein Prozess, aber dennoch vermisse ich da eine Entwicklung. Besonders misslungen finde ich den Part, als die Nichtinfizierten sich mit Zombie Überresten einreiben, in eine Stadt marschieren und getarnt bleiben, bis der Regen ihre Tarnung herunterwäscht. Zunächst verstärkt doch Nässe erst einmal einen Geruch. Eher hätten also die Zombies vor ihrem eigenen Gestank fortlaufen müssen, was aber auch nicht zielführend im Sinne einer guten Story gewesen wäre. Ich denke, Kirkman hat gemerkt, dass dieser Part nicht funktioniert und hat daher seine Figuren diesen Trick zumindest bisher nicht mehr anwenden lassen. An für sich wäre das doch eine gute Sache, um an Vorräte gleichwelcher Art heranzukommen. Schließlich regnet es ja nicht jeden Tag. Ich mag „The Walking Dead“ nach wie vor, aber ich denke, man sollte sich dessen beim Lesen durchaus bewusst sein.

In dieser Hinsicht völlig anders gestaltet sich die Serie „Die Toten“ aus dem kleinen, aber feinen, Zwerchfell Verlag. In dieser Serie, in der mittlerweile 4 Bände erschienen sind, wird in One Shots vom Schicksal von Überlebenden der Zombie Apokalypse in Deutschland erzählt. Diesem Thema nähern sich unterschiedliche Kreativ Teams und für den Helden oder die Heldin einer Story nimmt selbige nicht immer ein gutes Ende. Und genau das macht Spaß und fordert auch den Leser, der sich vielleicht mit einem Charakter identifiziert oder ihn zumindest als Helden einer Story akzeptiert hat, heraus.

Bereits vor einiger Zeit hatte ich diese Problematik in einer Rezension erkannt und erwähnt, dass das Konzept des Zwerchfell Verlags stimmiger ist als Kirkman’s The Walking Dead. Freunde hatte ich mir damit nicht gemacht. Ich habe damit nicht unbedingt einen Shitstorm ausgelöst, aber ein Störmchen war es dann schon.

Getötet werden können Zombies nur, indem man die Verbindung zwischen Hirn und Wirbelsäule entweder durch Enthauptung oder durch einen gezielten Kopfschuss trennt. Weitere Ansätze wie scharfe Putzmittel sind eine Legende und werden von mir ausdrücklich nicht zur Anwendung empfohlen, sollte man in eine Zombie Apokalypse geraten.

Darüber hinaus gibt es immer wieder Werke der Literatur, die verzombiefiziert werden. Als Beispiel möchte ich nur das bei Panini erschienene „Stolz und Vorurteil und Zombies“ anführen.

Besonders gut gelungen finde ich auch den von Max Brooks geschriebenen und illustrierten „Zombie Survival Guide“. Brooks geht beispielsweise auch darauf ein, dass es durchaus sinnvoll ist, sich mit einer Axt zu bewaffnen, weil einem zwangsläufig die Munition ausgehen oder das Gewehr kaputt gehen wird.

Doch egal, welchem Ansatz oder man nun folgen mag oder welches Medium man für den Zombie Kult bevorzugt – eins wird immer wieder deutlich: Überleben ist sinnlos!

Wer dennoch seine Überlebenschancen in einer Zombie Apokalypse testen möchte, kann das hier tun. Mir wurde mitgeteilt, dass ich schon einige Zeit überleben werde, aber dass es mich schließlich doch erwischt. Ich weiß nicht, ob das eine Auszeichnung ist. Gemein haben alle Ansätze, auch die Konsolen Variante einen Spaß Faktor, der mich auch zu dieser Kolumne motiviert haben.

Und keine Sorge, dieser Link führt Euch nicht zu Michael Jacksons Thriller, sondern zu Helden aus meiner Jugend, die ich erst kürzlich wiederentdeckt habe, nämlich zu Styx, die zu den bisher zwei einzigen Künstlern zählen, die zweimal beim Super Bowl auftreten durften.

Der Lesetipp sind dann auch die Toten # 1 bis 4 aus dem Zwerchfell Verlag. Diese Comics bekommt Ihr natürlich wie immer beim Comic Dealer Euers Vertrauens oder auch beim Verlag selbst.

isoundwords # 9 trägt den Titel „Die eine über die Schwierigkeiten einer Ongoing Serie“ und erscheint am 28.02.2014! 

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

 

2 Gedanken zu “isoundwords # 8: Die eine über Zombies

  1. „Bereits vor einiger Zeit hatte ich diese Problematik in einer Rezension erkannt und erwähnt, dass das Konzept des Zwerchfell Verlags stimmiger ist als Kirkman’s The Walking Dead. Freunde hatte ich mir damit nicht gemacht. Ich habe damit nicht unbedingt einen Shitstorm ausgelöst, aber ein Störmchen war es dann schon.“
    wo kann ich diesen artikel und das „störmchen“ nachlesen? bitte wenn möglich mit link dahin.
    oh ich seh gerade daß sie den titel angepasst haben. anscheinend nehmen sie doch kritik an. zumindest ein bißchen. etwas traurig finde ich es daß sie meine anderen beiden kommentare bisher leider nicht frei geschaltet haben da sie nicht beleidigend waren und auch nur kritik enthalten haben.

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