Before Watchmen: Nite Owl

   Der vierte Band der viel diskutierten und auch umstrittenen Reihe „Before Watchmen“ bringt die Talente von J. Michael Straczynski, Andy und Joe Kubert zusammen. Gemeinsam schildern sie, wie aus dem blassen und schüchternen Danny Dreiberg Nite Owl und somit der Nachfolger der ersten Nite Owl Hollis Mason wird.

Was an dieser vierteiligen Miniserie sofort auffällt, dass sie ungemein sensibel in das Gesamtwerk Watchmen wie auch Before Watchmen eingebettet ist. Sie ergänzt sich inhaltlich wunderbar mit den Minutemen, erzählt aber auch die Story um die in den Watchmen angedeutete Partnerschaft von Rorschach und Nite Owl wie auch die Story einer gewissen Dame, deren Identität Danny gegenüber Silk Spectre II nicht enthüllen möchte, als sie ihn auf ihr Foto anspricht.

Allein diese 3 Umstände zeigen, dass sich der Ausnahmeautor Joseph Michael Straczynski intensiv mit den Watchmen und dem Projekt Before Watchmen auseinandergesetzt hat und mit diesem Band auch zeigt, dass nicht nur Alan Moore die Watchmen Charaktere verinnerlicht hat und gute Stories über sie schreiben kann. Selbst Rorschach, der hier naturgegeben eher eine Nebenfigur ist, zeigt hier so viel mehr, was ihn ausmacht, als in seiner eigenen Miniserie von Brian Azzarello. Hinzu kommt noch die Andeutung über das Enthüllungsbuch, das Hollis Mason schreiben möchte.

Was ich vermisse, ist das doch zumindest in den Watchmen recht gute Verhältnis zwischen Mason und Dreiberg. Doch wahrscheinlich hätte dies Stracz zu weit von der Story weggeführt, die er eigentlich schreiben wollte und die richtig gut unterhält, auch wenn der letzte Teil vielleicht ein wenig abfällt. Es gibt allerdings durchaus Interaktion zwischen den Charakteren, aber JMS erzählt sie nicht mit der Tiefe, wie wir sie von den Wartchmen kennen. Er richtet sich vielmehr nach seinem Plot aus. Leider fehlt auch ein wenig das Vielschichtige, die unterschiedlichen Erzählebenen, die die Watchmen auszeichnen. Doch das ist Meckern auf hohem Niveau. Immerhin gelingt der Rößlersprung zum Zeitgeschehen. Immer wieder wird Bezug auf die Rassenunruhen in Cleveland genommen, was darauf schließen lässt, dass die Handlung im Jahr 1968 stattfindet.

Dieser Band liefert uns noch einmal das Talent von Joe Kubert, der die Zeichnungen seines Sohnes teilweise schon im Krankenhaus geinkt hat. Es war ihm nicht mehr vergönnt, auch den letzten Teil zu tuschen.

Nite Owl ist mit Sicherheit als eine der besten Stories aus der Reihe „Before Watchmen“ zu nennen.

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