Batwoman # 4: Blutsbande

 Parallele Handlungsstränge funktionieren dann, wenn sie ihrer mathematischen Bestimmung, sich erst in der Unendlichkeit zu kreuzen, eben nicht nachkommen, sondern fein verwoben werden. Ein gutes Beispiel hierfür ist der vorliegende Band, der gleich mehrere Handlungsstränge parallel erzählt und doch wird uns relativ schnell klar, dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen ihnen besteht.

Diesen Zusammenhang stellt J.H. Williams III über die Interaktion der Charaktere her und dies sowohl im Superheldendress, als auch im „Zivilleben.“ Genau diese Interaktionen zeigen, dass Batwoman wohl keine typische Superheldenserie ist, die sich der üblichen Versatzstücke eines Superheldencomics bedient, sondern diese Serie verfolgt ein völlig eigenständiges und eigenes Konzept. Dennoch passt sich der Plot gut in das New 52 Universum ein. Zu diesen Interaktionen gehört auch ein angesäuerter Batman, der sich darüber ärgert, dass Batwoman keine Scheu hat, Freeze ernsthaft zu verletzen oder auch Batman nicht seine Waffen auszuhändigen, damit er sie studieren kann. Natürlich dient dies auch, um zu zeigen, dass Kate Kane zwar ein „Bat-Charakter“ ist, aber sich von Batman längst emanzipiert hat. Gefallen hat mir auch die Selbstironie, die immer mal wieder in die Dialoge gestreut wird. Da sind zum Beispiel die ratlos wirkenden Antworten der Batman-Gegner auf ihren Erzfeind. Auch das Gespräch zwischen Cameron Chase und ihrer Schwester, die „Justice Experience“ als Cosplayer bezeichnen, lässt die Mundwinkel Richtung Norden steigen. Kate Kanes Charakter lebt von seiner Ambivalenz. Für jeden Psychologen, der sie zur Patientin hätte, wäre sie Forschungsobjekt und Lebensversicherung zugleich, denn es würde locker für ein Berufsleben reichen, um all ihre Psychosen zu analysieren bzw. gar zu heilen.

Hervorzuheben ist ebenso ihre Zusammenarbeit, die eher an einen Disput erinnert, mit dem BPE. Batwoman erhält angeblich einen letzten Auftrag, den sie erfüllen soll. Danach ist sie frei. Den Auftrag selbst werde ich hier nicht preisgeben, aber er wird für viel Zündstoff im Bat-Universum sorgen. Dies sei mal versichert.

Auch die Differenzen zwischen Batwoman und ihrem einstigen Vorbild Batman werden angerissen. Batwoman missbilligt ihn allein schon dafür, dass er ein „Kontroll-Freak“ sei. Bewusst oder unbewusst grenzt sich Kate hier von ihrem Vater ab, der ebenso ein Kontroll-Freak war. J.H. Williams III zeichnet seine Serie längst nicht mehr. Natürlich ist dies erst einmal ein Verlust, aber auch seine Nachfolger haben den Mut, sich ähnlich experimentell zu versuchen und beispielsweise Panelbegrenzungen aufzuweichen. Dies eröffnet buchstäblich völlig neue Perspektiven, die von den Zeichnern auch erfolgreich genutzt werden.

Ich freue mich schon jetzt auf die Fortsetzung in Band # 5 und die Auflösung des hier begonnenen Plots.

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