Schattenspringer: Wie es ist, anders zu sein

SCHATTENSPRINGER+-+WIE+ES+IST%2C+ANDERS+ZU+SEIN Daniela Schreiter leidet am Asperger-Syndrom, wobei „leiden“ den Kontext nicht wirklich trifft. Sie ist vielmehr Asperger-Autistin. Mit dem vorliegenden Band gewährt sie uns einen Einblick in ihren Werdegang und ihren Alltag.

Dies tut sie mit einer ordentlichen Prise Humor, ohne den ernsten Hintergrund nie aus den Augen zu verlieren. Ihr Vorwort schließt mit dem Satz ab:“ Und nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Lesen und Entdecken!“ Dieser Satz trifft den Nagel auf den Kopf. Daniela sucht nicht nach Mitleid oder kämpft um Anerkennung. Das hat sie nicht nötig. Sie zeichnet für uns ein Bild ihrer Welt und nutzt dafür das Medium Comic, ohne dabei belehrend zu wirken. Bei aller ohnehin vorhandenen Schwäche für Comics mit autobiografischem Background ist dieser Comic weitaus mehr als nur eine Autobiografie. Sie zeigt uns, dass ein Asperger Patient eben nicht an einer Krankheit leidet, sondern seine Umwelt teils leicht, teils völlig anders wahrnimmt. Diese Schilderungen lassen uns mal lächelnd (ihre Auffassung des Buchstaben „ß“ oder des typischen Disney „D“), mal verblüfft (wie sie sich selbst den letzten Schliff des Schuhe Bindens beibringt), aber auch schon betroffen, wenn sie an Reizüberflutung leidet und sich deswegen eine Auszeit gönnen muss.

Das wirklich Beeindruckende ist die Leichtigkeit, mit der sie mit diesem Thema umgeht. Diese Leichtigkeit überträgt sich auch auf ihre Zeichnungen, die in schwarz-weiß gehalten sind (lediglich die ersten 8 Seiten sind koloriert). Dabei hat sie es nicht immer leicht gehabt. Schließlich wissen wir alle, dass Kinder brutal und ungerecht sein können. Besonders Spaß hatte ich an den Passagen, die zeigen und auch eindeutlich belegen, dass wir „Normalen“ uns bisweilen völlig irrational und abwegig verhalten. Doch auch diese Passagen kommen ohne den erhobenen Zeigefinger aus, sondern sind mit feiner Ironie verfremdet, was ihnen jede Schärfe nimmt.

Schließlich kommen wir nicht umhin, auch einmal über den eigenen Schatten zu springen und das eigene Verhalten, insbesondere im Umgang mit fremden Menschen, zu reflektieren. Dass sie uns gleich zu Beginn ihrer Schilderung abholt, liegt daran, dass sie sich uns öffnet. Sie tut also gleich zu Anfang des Bandes das, was der Titel vorgibt. Sie wird zur Schattenspringerin.

Ihre Zeichnungen selbst verfügen über eine klare Linie. Besonders die Mimik der Charaktere hat es uns angetan. Auch hier wird sie zur Schattenspringerin, denn Asperger Autisten sind zwar hervorragende Beobachter, weil sie meist ihre Umwelt viel intensiver wahrnehmen, aber haben auch selbst meist Schwierigkeiten mit der non-verbalen Kommunikation.

Wir haben zwar erst März, aber „Schattenspringer“ wird zweifelsohne einer DER Titel 2014 sein.

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3 Gedanken zu “Schattenspringer: Wie es ist, anders zu sein

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