Dial H – Bei Anruf Held # 2: Scheibenkleister

 Der vorliegende Band veröffentlicht die US-Ausgaben # 6-15 und schließt die Serie gleichzeitig ab.

Noch einmal langt China Miéville voll zu. Eine skurrile Handlung mit noch skurrilleren Gestalten und Charakteren leitet uns von Gag zu Gag, von Pointe zu Pointe und doch hat dieser komplette Wahnsinn System. Dass dieses System uns nur nach und nach offenbart, ist systembedingt und der Schreibe Miévilles zu verdanken, der seine Serie am Reißbrett vollständig und am Ende auch schlüssig durchkonzipiert hat.

Spannung garantieren dabei nicht nur die verschiedenen Wählscheiben, sondern auch die Auflösung des Plots, die insgesamt so stimmig ist.

Leider fanden sich für diese bemerkenswerte Serie nicht genügend Leser, so dass sie mit Ausgabe # 15 eingestellt werden musste. Mindestens ebenso bedauerlich ist, dass es wohl das Schicksal solcher Serien, die weit vom Mainstream entfernt angesiedelt sind und den Leser auch jederzeit intellektuell fordern, ist, dass sie sich auf dem hart umkämpften Markt mit all ihren Serien und Crossovern mit Verkaufszahlen, die den Verlag zufriedenstellen, schwertun. Vielleicht ist es auch gerade für jüngere Leser, nur schwer vorstellbar, dass wir früher eine Wählscheibe am Telefon hatten und Nummern tatsächlich wählen mussten, genauso wie es für meine Generation nur schwer vorstellbar ist, dass es eine Zeit gab, in der das „Fräulein vom Amt“ die Verbindungen zwischen 2 Teilnehmern hergestellt hat.

Miéville scheint das wenig zu stören. Er zieht sein Konzept erfolgreich durch. Viele Leser ahnen nicht einmal, was ihnen hier entgangen ist, wenn sie bei dieser Serie nicht zugreifen. Es tut einfach gut, solch eine Serie zu lesen, die eben keinen Strahlemann bzw.- frau als Hauptcharaktere aufbieten, sondern einen ketterauchenden, sich selbst verachtenden Fettsack sowie eine 70-jährige Telefontechnikerin in den Vordergrund stellen. Wie kein zweiter Autor verbindet Miéville also Anspruch und Unterhaltung, schaltet unsere Synapsen und attackiert gleichzeitig unser Zwerchfell.

Eine Lanze möchte ich an dieser Stelle für den Übersetzer, Josef Rother, brechen, der sich auf jedes Wortspiel rund ums Telefon und Telefonieren einlässt und es perfekt ins Deutsche übersetzt.

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