Ewiger Himmel – Ein Schweizer in Amerika

  „Nein, ich bin kein Fan von Online Comics!“ Diesen Satz hätte ich noch vor nicht allzu langer Zeit voller Inbrunst und Überzeugung von mir gegeben. Doch dann haben „Der Zuckerfisch“ von Naomi Fearn und Sarah Burrinis „Das Leben ist kein Ponyhof“ diese Meinung aufgekrustet. Doch diese beiden Comics verfolgen das Konzept eines Strips.

Eine ganz andere Dimension hat „Ewiger Himmel“ von David Boller (AIR, Kaos Moon, Tell, Bakuba). Seit 2010 veröffentlicht David seinen Comic online und immer mit dem Ziel vor Augen, ihn auch in gebundener Form zu veröffentlichen. Darüber hinaus erschien „Ewiger Himmel“ bereits in großen Teilen in der „Comix“.

Mit diesem Comic fasst David sein 15 jähriges Abenteuer in den USA zusammen. Als junger Abiturient wandert er voller Tatendrang in die USA aus, um an der renommierten Joe Kubert School zu studieren und natürlich auch, um den amerikanischen Comicmarkt zu erobern. David räumt selbst ein, dass er seiner Jugend geschuldet mit einer gehörigen Schuss Naivität dieses gewaltige Vorhaben angegangen ist. Doch David schildert gerade diese Passagen mit einem Augenzwinkern, das vielleicht dem Gefühl gleich- oder nahekommt, dass man selbst hat, wenn man Kinder- oder Jugendfotos von sich sieht. David lädt uns zu einer Achterbahn der Emotionen ein, wie sie nun einmal das Leben bietet und auch nur das Leben bieten kann.

Wenn wir uns auf den Comic einlassen, was bei der Intensität der Erzählung leichtfällt, durchleben wir diese Emotionen mit. Wir können David leicht die anfängliche Müdigkeit bis hin zur Erschöpfung nachempfinden, als er seine monatliche Serie für Marvel zeichnet und gleichzeitig seinen Schulalltag bewältigen muss. Es gibt in dieser Autobiografie mehrere Gänsehautmomente wie beispielsweise, als er von Erschöpfung sichtbar gezeichnet, seinen Job bei Marvel aufgeben muss, als er Rachel kennen- und lieben lernt, ihr einen Heiratsantrag macht und als dramatischer Höhepunkt, als Rachel ihre niederschmetternde Diagnose erhält, die schließlich in einer Nierenspende mündet.

Setzt sich also David zunächst mit den Lehrmethoden auf der Joe-Kubert-School auseinander und beleuchtet kritisch den US-Comic-Markt, folgt dann ein inhaltlicher Wechsel, der uns aber keinesfalls als Bruch vorkommt. Es ist mehr Bestandteil seines einhergehenden Reifeprozesses, dass er sich mehr und mehr mit der Krankheit seiner Frau auseinandersetzt. An einer Stelle musste ich den Comic sogar kurz weglegen und zwar, als er sich nach der Hochzeitsfeier von seinem Vater verabschiedet, ohne zu wissen, dass er ihn nie mehr wiedersehen wird.

David erzählt seine Autobiografie, die durchgehend in schwarz-weiß und mit leichten Manga-Einflüssen gezeichnet ist, in 9 Kapiteln, wobei das Schlusskapitel textlastig ist und eher einer Erzählung gleichkommt. Damit beweist er einmal mehr seine zeichnerische Wandlungsfähigkeit sowie seine Stilsicherheit.

Als Comic Fans sind wir von solch einem Werk begeistert und ich ziehe meinen Hut vor David (auch wenn ich meist keinen trage), doch dieser Comic unterhält jeden, der gute Erzählungen mag und klärt darüber hinaus noch über das Spenden einer Niere auf. Ich kann mir „Ewiger Himmel“ auch gut in einer Krankenhausbibliothek vorstellen.

David hat längst sein nächstes Abenteuer begonnen und ist aus gleich mehreren Gründen mit seiner Frau wieder in die Schweiz zurückgekehrt. Dazu passt, dass David „Ewiger Himmel 2“ angekündigt hat.

Doch lassen wir zum, Abschluss David selbst zu Wort kommen. In seinem Nachwort reflektiert er sein Werk und zieht ein positives Fazit. Er hat auf seinen kommerziellen Erfolg verzichtet und kann dafür nun die Comics machen, die ihm am Herzen liegen. Er bezeichnet dies selbst als „fairen Tausch“.

Etwas komplexer fällt seine Antwort aus, ob sich das Abenteuer gelohnt hat und ob er mit dem heutigen Wissen dieses Abenteuer noch einmal beschreiten würde.

Die Frage ist wohl nur im großen Zusammenhang zu beantworten. Klar, Davids Erfahrungen an der Schule und mit der amerikanischen Comic Industrie waren alles andere als leicht zu verdauen, aber ich denke, dass ihn auch das heute ausmacht. Der Mensch ist die Summe seiner Erfahrungen. Eine Geschichte, wie sie wirklich nur das wahre Leben schreiben kann, ist das Schicksal, das hinter der Geschichte steckt. Ein Junge kauft sich ein Buch eines amerikanischen Künstlers, das er auch eher beiläufig findet. Darin fällt ihm die Tochter des Künstlers auf, die Jahre später nicht nur seine Frau werden soll, sondern der er mit einer Niere auch das Leben rettet. Das Wort „Zufall“ habe ich in den letzten Sätzen bewusst vermieden, weil ich an ihn zumindest in diesem Zusammenhang nicht glaube. Berücksichtigt man all das, hat sich das Abenteuer für David zumindest aus meiner Sicht voll gelohnt.

Der Comic liegt sowohl als auf 250 Exemplaren limitiertes Hardcover nebst wunderschönem, farbigen Druck vor, als auch als Softcover, vor.

2 Gedanken zu “Ewiger Himmel – Ein Schweizer in Amerika

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