Die Legende von Robin Hood

 Grundsätzlich sollte man annehmen, dass über Robin Hood alle Stories erzählt sind. Liest man jedoch Manu „Der alltägliche Kampf“ Larcenets Comic über den Bogenschützen aus dem Sherwood Forest gelangt man als Leser sehr schnell zu einer anderen Überzeugung.

Nottingham? Sherwood Forest? Nein, Larcenet verlagert zunächst einmal die Handlung vom Sherwood Forest bei Nottingham in den Teutoburger Wald. Robin Hood ist nicht mehr der jüngste und muss sich ständig mit Herrn Alzheimer auseinandersetzen. Little John bewahrt ihn mit Stockhieben auf den Kopf davor, endgültig das Gedächtnis zu verlieren. Seine Sünden beichtet er Bruder Tuck, der aber nach der Beförderung zum Papst kaum noch Zeit für ihn übrig hat. Schließlich fällt ihm sein altes Versprechen ein, Lady Marian zu finden, die nach wie vor von Prinz John gefangen gehalten wird.

Robin Hood ist längst nicht mehr der tatkräftige Rächer der Armen. Er redet viel und handelt wenig. Dabei läuft er scheinbar ziellos durch den Teutoburger Wald und redet meistens zusammenhanglosen Unsinn. Doch genau diesen Unsinn platziert Larcenet so meisterhaft, dass es schon mal vorkommen kann, dass man beim Lesen vor Lachen das Heft fallen lässt.

Sein Gegenspieler, der Sheriff, erinnert auch mehr an eine Figur aus dem Wilden Westen als an die altbekannte Vorlage.

Erst am Schluss dieser aberwitzigen Parodie erkennt Robin Hood, dass ihn die Suche nach Lady Marian angetrieben und er so seine eigene Jugend gesucht hat. Als er die Lady schließlich findet, muss er sich eingestehen, dass er sie nie mehr finden wird. Diesen scheinbaren Widerspruch in sich löst Larcenet sehr gekonnt und elegant auf.

Als er dann vom Sheriff erschossen wird, muss auch der Gesetzeshüter erkennen, dass ihn nur die Jagd auf Robin Hood angetrieben hat. Er setzt sich hin, um zu sterben.

Diese großartige Parodie mit ernstem Hintergrund über das Altern und die Suche nach den verlorengegangenen Idealen der Jugend demontiert die Legende Robin Hood in jeder Hinsicht gnaden- und schonungslos, ohne ihr aber wirklich zu schaden. Durch den absurden und aberwitzigen Humor hat sich Larcenet hierfür zu weit vom Original entfernt.

Jeder, der auch Spaß an Larcenets „Der alltägliche Kampf“ hatte wird auch dieses Album mögen.

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