isoundwords # 11: Die Eine über die Rückkehr der Uhrenmännchen (Before Watchmen)

Als ich diese Kolumne schreibe, ist im Buchhandel die Diskussion über den „Amazon Verlag“ entbrannt. Der lokale Buchhandel hat verlauten lassen, dass er die Titel dieses Verlags nicht ins Sortiment nehmen wird, um sich Amazon nicht auszuliefern. Die Entscheidung kann ich gut nachvollziehen, aber wie sich das entwickeln wird, wage ich nicht vorherzusagen. Ich weiß nur, dass es Thema dieser Kolumne werden wird, falls Amazon auf die Idee kommt, auch Comics im Eigenverlag zu publizieren.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

 

Serien oder Runs in Serien, die die Comic Gemeinde gespalten haben, hat es schon immer gegeben. Als Beispiel möchte ich nur die Klon-Saga oder auch den Brandnew Day bei Spider-Man anführen.

Doch sehr emotional wühlte „Before Watchmen“ die Comicszene auf. Dieser Event erzählt die Vorgeschichte zu den legendären Watchmen von Alan Moore und Dave Gibbons. Die Watchmen selbst sind zwischen Oktober 1986 und Oktober 1987 mit 12 Einzelheftern erschienen. Um die Strahlkraft dieses Meisterwerks zu verdeutlichen, sollte man wissen, dass es ungewöhnlich ist, mit einer Fortsetzung eines Erfolgs so lange zu warten. Dies kann seitens des DC-Verlags aus Hochachtung vor dem Werk selbst, vor den Künstlern oder auch vor der Tatsache geschehen sein, dass man sich erst auf ein Konzept einigen musste. Üblich ist es gerade im amerikanischen Comic Business, dass eine (Cash) Cow gemolken wird, bis sie blutet.

Der Meister, also Alan Moore, hat immer betont, dass, wenn überhaupt, nur ein Prequel der Watchmen denkbar wäre. Letztenends hat er seine Beteiligung strikt abgelehnt.

Die Watchmen haben nicht zuletzt davon gelebt, dass man als Leser neben dem Zeitgeist der 80er Jahre vor dem Hintergrund des Wettrüstens und des NATO-Doppelbeschlusses als verbindende Klammer immer wieder neue Erzählebenen findet. Das bietet in dieser Form keiner der Prequel Bände. Die Bände, die dem noch am nächsten kommen, sind die Minutemen und Dr. Manhattan, auch wenn man als Leser feststellen muss, dass Straczynski erzähltechnisch die Wege eines Moore beschreitet, aber selbst nichts Neues bringt. Und bitte versteht mich nicht falsch, das sind beides lesenswerte Bände. Nur die Watchmen stehen eben ganz oben auf dem Thron. Vielleicht wird die Bedeutung des Werkes klarer, wenn man weiß, dass die „Watchmen“ vom TIME Magazin in seine Liste der 100 wichtigsten englischsprachigen Romane des 20. Jahrhunderts aufgenommen wurde.

 

Alan Moores Humor hat das Prequel Projekt jedenfalls nur teilweise getroffen. Er wollte nicht dagegen vorgehen, weil er die Batterie von Anwälten des DC-Verlags fürchtete. Später bezeichnete er dieses Projekt lakonisch schlichtweg als „unverschämt“ oder „schamlos“. Dabei hat DC bei den Prequels auf hoch dotierte Autoren und Zeichner gesetzt. Diese liefern sehr unterschiedliche Arbeit ab.

Das Projekt besteht insgesamt aus folgenden Bänden:

Minutemen (6 Ausgaben)

Silk Spectre (4 Ausgaben)

Comedian (6 Ausgaben)

Nite Owl (4 Ausgaben)

Ozymandias (6 Ausgaben)

Rorschach (4 Ausgaben)

Doctor Manhattan (4 Ausgaben)

Crimson Corsair

 

Der Crimson Corsair Band beinhaltet nicht nur den fiktiven Piraten Comic, den wir aus Watchmen kennen, sondern auch die zweiteilige Serie über Moloch sowie den One Shot über Million Dollar Bill.

Der illustre Kreis von Autoren und Zeichnern hat dabei nicht immer überzeugt und sogar bei dem in großen Teilen unleserlichen „Comedian“ und dem flachen „Rorschach“ enttäuscht. Brian Azzarello hat uns 100 Bullets geschenkt, wofür ich ihm immer einen besonderen Platz in meiner Sammlung einräumen werde, aber er bleibt auch weiterhin den Beweis schuldig, dass er auch Superhelden kann. Doch ich möchte nicht zu sehr auf die einzelnen Werke eingehen. Schließlich habe ich ja alle 8 Bände bereits rezensiert. Unterm Strich bleibt, dass die Werke am besten wegkommen, die von Moore gelassene Lücken aufgreifen und füllen.

 

Das Echo und die Kommentare auf und über das Projekt waren vielfältig und lieferten die komplette (pseudo-) journalistische Bandbreite ab, die man gerade in der jüngeren Vergangenheit immer wieder beobachten durfte. Viel zu weit ging und deutlich unter der Gürtellinie angesetzt war der Vergleich zwischen den am Projekt beteiligten Künstlern mit Nazi-Kollaborateuren.

Dem Vernehmen nach hat DC immer wieder mit Alan Moore wegen einer Fortsetzung, egal in welcher Form, verhandelt. Der Erfolg blieb natürlich aus. Da die Watchmen immer wieder neu aufgelegt wurden und so verfügbar gehalten wurden, fielen die Rechte auch nicht an Moore und Gibbons zurück, sondern verblieben bei DC. Das ist nun aber auch das einzig bekannt gewordene Vertragsdetail. Ich will damit sagen, dass ich mir nie und nimmer ein Urteil über solche Dinge erlauben werde, wenn ich die Fakten nicht umfänglich kenne. Ich bin mir aber sicher, dass sich DC vertragskonform verhalten hat oder bestenfalls Vertragslücken gefüllt hat, sonst wären Mr. Moore bestimmt auch die Batterie von Anwälten egal gewesen. Ein Kind von Traurigkeit ist er bestimmt auch nicht.

Schauen wir uns das nun mal aus Sicht des Verlags an. Da hat man seit rund 25 Jahren einen Titel im Köcher, der so selbstverständlich Geld abliefert wie Michael Jordan Punkte in seiner Glanzzeit für die Chicago Bulls. Also muss es aus Sicht der Verlagsverantwortlichen ein Leichtes sein, wenn man dann noch mit dem Pfund profilierter Künstler wuchern kann, noch mehr Geld zu verdienen. Die ersten Vorbestellungen für Darwyn Cookes Minutemen waren auch zufriedenstellend. Doch selbst bei diesem Titel, der bestimmt als Flaggschiff und Zugpferd gedacht war, gingen die Verkaufszahlen im Laufe der Serie um 60% zurück. Offenbar mag es der amerikanische Lesermarkt nicht, wenn man seine Künstler nicht ordentlich behandelt. Hinzu kamen die angesprochenen Flops, die bestimmt auch ihren Abstrahlungseffekt auf die Minutemen hatten.

Konzeptionell hätte ich mir auch eine noch engere Verzahnung zwischen den Werken gewünscht, um noch klarer eine „Road to Watchmen“ zu entdecken. Die doch eher lockere Verzahnung zwischen den Werken hat den Autoren zwar kreativen Freiraum geschaffen, aber das Opfer hierfür war doch etwas zu groß. Sprechen einige Kommentare, die ich gelesen habe davon, dass das Werk eines Meisters oder auch Comic-Genies geschändet wurde. Auch hier würde ich nicht so weit gehen. Dafür waren einige Arbeiten aus dem Projekt zu belanglos. Denn eins ist klar, keiner der Bände aus der „Before Watchmen“ Reihe kann dem Original das Wasser reichen.

Zum Abschluss möchte ich noch eindringlich auf den Gratis Comic Tag hinweisen, der am 10. Mai stattfindet.

Als Lesetipp bleibe ich beim Thema und empfehle hier noch einmal die Minutemen.

Zum Schluss oute ich mich als Fan der Casting Show Voice Kids, auf die ich zufällig gestoßen bin, weil ich zum Lesen zu müde war. Diese Version von „Fields of Gold“ hat mich von der Couch gehoben.

Die nächste isoundwords erscheint am 30. Mai und trägt den Titel „Die Eine über Qual der Wahl: Buchhandel oder Comichandel?“

Bis dahin:“ Lest mehr Comics!“

Das war für heute isoundwords.

2 Gedanken zu “isoundwords # 11: Die Eine über die Rückkehr der Uhrenmännchen (Before Watchmen)

  1. Das stimmt nicht ganz. Crimson Corsair ist ein anderer Piraten Comic, als der im originalen Watchmen veröffentlichte. Der Titel des Comics aus der Original-Reihe war „Tales of the Black Freighter“. Dieser ist sogar als Zeichentrickfilm erschienen.

  2. Jep, das stimmt natürlich. Vielen Dank für den Hinweis🙂. Den Zeichentrickfilm sollte ich sogar zuhause haben. Müsste ihn dann doch mal schauen

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