Die Stern-Bande

Bild in Originalgröße anzeigen Gleich zu Beginn oute ich mich gern. Dieser Teil der Geschichte war definitiv ein weißer Fleck, obwohl ich grundsätzlich schon geschichtlich interessiert bin.

Der Begriff „Stern-Bande“ war mir noch nicht einmal unbekannt, aber ich hätte ihn nicht einordnen können.

Dieses Loch wird durch die vorliegende und gleichnamige Graphic Novel von Luca Enoch und Claudio Stassi gefüllt.

Das Kreativ-Duo beweist, dass Bildung nicht zwingend langweilig ist. Sie zeigen eindrucksvoll und Abschnitts weise, wie sich die Lechi (Stern-Bande) Anfang der 40er Jahre gründet, welche Ideologien sie verfolgt und wie sie schließlich ihren „großen“ Coup mit der Ermordung von Graf Bernadotte landeten.

Dabei beschränkt sich Enoch aber nicht auf die Terrorakte der Stern-Bande, sondern zeigt auch sehr plastisch, wie Terrorismus entsteht und funktioniert. Wir werden Zeuge von dogmatischen Diskussionen, die schließlich zum Pragmatischen führen. Dabei spricht Enoch die volle Bandbreite an. Zunächst nimmt die Stern-Bande noch Rücksicht auf die Zivilbevölkerung. Doch dieses Ziel verliert sie mehr und mehr aus den Augen, was ihr auch die Sympathien des Volkes kostet. Dennoch sind sie in ihren dogmatischen Ansätzen gefangen und werden fast schon Getriebene ihrer eigenen Idee. Auch hier erleben wir die volle Bandbreite. Dies reicht von Banküberfällen, die der Geldbeschaffung dienen, über Selbstreinigungsprozesse für vermeintliche Verräter oder Aussteiger. Über allem steht die Idee, einen Staat Israel mit den Grenzen zu gründen, wie sie das Alte Testament vorgibt.

Dieses Dogma entwickelt sich zum roten Faden der Story, wobei es erschreckend, aber auch in gewisser Hinsicht faszinierend ist, zu lesen, wie diese Idee auch später in die Tat umgesetzt wurde. Vielleicht ist es dann auch in diesem Zusammenhang zu verstehen, dass die Terroristen von einst, israelische Ministerpräsidenten oder auch die Mörder von Graf Bernadotte auf dem Herzlberg in Jerusalem beerdigt wurden.

Vergleicht man dies beispielsweise mit der Terrorbewegung der RAF finden wir leicht Übereinstimmungen und doch auch wieder große Unterschiede. Ich denke, dass es unmöglich wäre, dass ehemalige RAF-Terroristen hohe politische Ämter bekleiden oder gar quasi als Helden verehrt würden und auch noch die entsprechende öffentliche Anerkennung finden.

Enoch schildert den kompletten Werdegang der Stern-Bande bis zu ihrer Auflösung.

Unterstützt wird er von Claudio Stassi, der mit seinem Schwarz-Weiß Artwork viel Wert darauf legt, die Charaktere realistisch darzustellen. Erst in Actionsequenzen oder bei Explosionen wird sein Stil flüchtiger, sein Strich grober bis zur Schraffierung der Charaktere. Auffallend ist auch seine Panelarchitektur, die er inhaltlich anpasst. In den ruhigeren Passagen, in denen beispielsweise die politische Ausrichtung diskutiert wird, greift er gern auf kleine Panels zurück. Dies wechselt in den Actionsequenzen, in denen er sich größerer Panels bedient.

Obwohl es sich um die Aufarbeitung historischer und feststehender Tatsachen handelt, versprüht der vorliegende Band auch eine gewisse Spannung. Dies mag daran liegen, dass es sich um ein doch eher unbekanntes Kapitel der Geschichte des letzten Jahrtausends handelt.

Panini hat die Stern-Bande in einem Hardcover im Buchformat veröffentlicht, was das Lesen auch zu einem haptischen Erlebnis werden lässt.

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