isoundwords # 12: Die eine über Buch- oder Comichandel

Während ich diese Kolumne schreibe, bereitet sich die Nationalmannschaft auf die WM vor und geht dabei am Stock. Neuer, Lahm, Basti – alle sind angeschlagen und nicht fit. Von denen, die wegen diverser Verletzungen erst gar nicht teilnehmen können, wollen wir erst gar nicht reden.

Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe für diese WM kein wirklich gutes Gefühl. Hoffentlich trügt mich mein Gefühl.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Soll man nun zum Buch- oder Comichandel gehen, um seine heißbegehrte Ware zu beziehen? Rein emotional dürfte die Frage leicht zu beantworten sein, gerade weil in Kürze der Comic Salon Erlangen stattfinden wird. Alle 2 Jahre feiert sich dort völlig zu Recht die Comic Gemeinde. Ergänzen möchte ich dieses Thema um eine Anekdote, die sich so Anfang des Jahres ereignet hat: Natürlich liest meine Freundin keine Comics. Dennoch bat sie mich, die Schlümpfe Band # 3 zu besorgen, um sich die Zeit im Flieger zu vertreiben. Da sie diese Idee spontan hatte, war Eile angesagt. Ein Anruf im Wiesbadener Comicshop ergab, dass sie die Schlümpfe überhaupt nicht führen und dies eher ein Titel für den Buchhandel sei. Leicht verwundert rief ich also beim Hugendubel in Wiesbaden an. Schließlich nimmt er ja auch regelmäßig am Gratis Comic Tag teil. Doch dort landete ich erst gar nicht, sondern in einem Call Center. Leider ignorierte ich sämtliches Klingeln meines Spinnensinns. ich bestellte also „Die Schlümpfe # 3“ vom Toonfish Verlag.  Die freundliche Dame aus dem Call Center bestätigte mir den Titel vom Carlsen Verlag. Als ich aber auf dem Toonfish Verlag bestand, erhielt ich die Antwort, dass es diesen Verlag nicht gibt und auch gar nicht geben kann, weil er nicht in ihrer Datenbank hinterlegt ist. Ihr merkt, der Ton wurde etwas zickiger. Ich bat sie unter „Splitter Verlag“ nachzuschauen. Plötzlich fand sie einen Eintrag und war erstaunt, dass die Schlümpfe bei einem zweiten Verlag erhältlich sind. Sie versicherte mir, dass der Titel am nächsten Tag in der Filiale in Hugendubel ab 10 Uhr  zur Abholung bereit liegt. Leicht geschwitzt, aber doch zufrieden, freute ich mich auf den Band. Am nächsten Tag suchte ich dann den Hugendubel auf. Der freundliche Verkäufer zeigte mir „Die Schlumpfereien # 3“ und damit die Ergänzungsserie. Ich weiß, dass es keine Ruhmestat von mir war, aber nach meinen Erfahrungen während des Telefonats vom Vortag, gratulierte ich, dass wenigstens die Nummer des Bandes gestimmt hatte.  Vom Verkäufer erntete ich nur ein partielles Verständnis für meinen Unmut. Den Band ließ ich dort.

Was ich mit dieser Anekdote sagen will, dass Comic Kompetenz völlig anders ist und nicht wirklich, im Buchhandel zu suchen und zu erwarten ist. Oder auch: Setzen, 6!

Wesentlich anders verlief ein paar Wochen später eine Bestellung im Thalia im Nordwestzentrum. Die Verkäuferin outete sich als Comic Laie und bedankte sich, dass ich Sie beim Raussuchen des Titles unterstützte. Der Titel (es war ebenfalls ein Schlumpf Album) war am nächsten Tag abholbereit und es war sogar der richtige Titel. Geht doch!

Zweifelsohne würde dies so in einem gut sortierten Comicshop nicht passieren. Und genau da sind wir beim Kern des Problems. Der Fachhändler muss gut sortiert sein. Ich bin kein Phantast und weiß, dass kein auch noch so gut sortierter Fachhändler stets alle Titel im Laden haben kann. Regelmäßig sind das Platzangebot sowie der finanzielle Rahmen für Neu- und Nachbestellungen natürliche Grenzen. Soll ein Titel nachbestellt werden, ist er ungefähr binnen einer Woche erhältlich.

Fazit: Braucht man einen Titel ganz gezielt, ist man im Comichandel besser aufgehoben. Benötigt man einen Titel mal ganz spontan, beispielsweise als Geschenk und dies von jetzt auf gleich, ist man im Buchhandel nicht zwangsläufig an der falschen Adresse. Man sollte nur darauf vorbereitet sein, mithelfen zu müssen.

Doch ich habe noch eine weitere Anekdote, diesmal aus dem Comichandel. Zum Jahrestag wollte mir meine Freundin einen Comic schenken. In einem Brainstorming stellte ich eine Liste von 9 Comics zusammen. Im Wiesbadener Comicshop war hiervon nicht ein Titel vorhanden. Ich entschied mich dann für „Der Boxer“ von Reinhard Kleist. Das war keine Notlösung im eigentlichen Sinne. Der Titel stürmte halt vorher nicht durch mein Hirn. Ich will damit nur sagen, dass auch ein Comicshop funktionieren muss und nur die Titel adhoc verkaufen kann, die er im Laden vorrätig hat. Kompetenz ist im Wiesbadener Comicshop bestimmt vorhanden, wenn sie auch erfolgreich getarnt wird.

Dann gibt es ja noch das Bahnhofskiosk, das zumindest in Wiesbaden bei aktuellen Heften bestens ausgestattet ist. Eine Backlist gibt es nicht und das Angebot bei Trades ist rückläufig, nachdem der erste Elan des Reboots des DC-Neustarts zumindest am Kiosk überwunden ist.

Natürlich ist auch neben der kompetenteren Beratung der Service im Comicfachhandel besser. Ein Laden, der  was auf sich hält, wartet immer wieder mit Sonderaktionen wie Signierstunden auf. Der Abschluss eines Abos sollte auch selbstverständlich sein. Darüber hinaus stärkt man die Comicindustrie unmittelbar, wenn man im Fachhandel einkauft. Comicshops sind im Gegensatz zu den großen Buchhandelsketten oft kleine Läden, die auf jeden Cent Umsatz angewiesen sind. Fast jeder Comichändler ist auch Comicnarr im besten Sinne, so dass auch Fachgespräche von mehr oder weniger ernster Natur möglich sind. Und was gibt es Schöneres, als sich mit Gleichgesinnten über eines der geilsten Hobbies auf Mutter Erde auszutauschen? Oft ist es so, dass solch ein Händler sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Wahrscheinlich musste er sich dann ein neues Hobby suchen. Doch dies ist ein ganz anderes Thema.

Nach den letzten Erfahrungen bin ich sogar der Meinung, dass sich Buch- und Comichandel gegenseitig befruchten können. Ein oberflächliches Interesse an Comics kann durch den Buchhandel geweckt und im Comichandel vertieft werden. Die Bandbreite an Comics und Händlern IST groß genug. In Frankfurt gibt es beispielsweise gleich 3 Shops, die nebeneinander gut funktionieren, weil sie unterschiedlich ausgerichtet sind. Ich wünsche Euch viel Spaß und noch mehr Erfolg bei der Suche und dem Stöbern nach bunten und schwarz-weißen Bilderheftchen.

Als Lesetipp empfehle ich diesmal Animal Man # 4. Ein Band, der mich restlos überzeugt und begeistert hat. Als Musikgruß braucht es mal wieder was Nostalgisches.

Die nächste isoundwords erscheint am 27. Juni und trägt den Titel „Die eine über den Vergleich der Systeme New 52 oder Marvel NOW!“

Bis dahin: Lest mehr Comics!

Das war für heute isoundwords.

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