Die Besten Zeiten

Mit „Die Besten Zeiten“ legt der in 1962 in Lüneburg geborene Andreas Dierßen eine beachtenswerte Graphic Novel veröffentlicht vom Carlsen Verlag vor.

Der Titel selbst ist Teil eines Zitats einer der illustren Figuren der Graphic Novel. Dort sagt er:“ Die besten Zeiten haben wir gehabt.“ Hierum baut nicht nur der Plot auf, vielmehr ist die komplette Handlung wie ein Episodenfilm gestrickt. Die einzelnen Episoden und damit die Schicksale der Charaktere hängen mal mehr oder weniger lose zusammen, aber in jedem Fall sind die Fäden ihrer Schicksale enger miteinander verknüpft als den Charakteren bewusst ist bzw. werden kann.

Zwei Freunde streifen durch eine Stadt und begegnen dabei verschiedenen Menschen. Auch diese Begegnungen sind mal mehr, mal weniger intensiv.

Darüber hinaus spielen Rentner, die sich auf Taschendiebstahl spezialisiert haben sowie eine männliche gute Fee, der erst missverstanden und dann auch noch von einem Mädchen verleumdet wird, wesentliche Rollen.

So schildert Dierßen einen Querschnitt durch das Leben einer Stadt, die mit ihrer nüchternen Atmosphäre mehr als Schmelztiegel als Kulisse dient. Zu dieser speziellen Atmosphäre trägt natürlich wesentlich das ausschließlich in schwarz-weiß gehaltene Artwork, das viel Liebe zum Detail offenbart, bei.

Alle Charaktere erscheinen in mindestens einer Hinsicht beschädigt und genau diese „Beschädigungen“ stellen den Motor des Plots dar. Die Dialoge sind knapp, beinahe lakonisch gehalten, aber durchweg gut getimt und werden durch die Mimik, Handlung oder Körpersprache der Charaktere unterstützt. Und genau dies verrät das große Talent Dierßens.

Die Gesellschaft, die die Charaktere zwangsläufig bilden, ist nur scheinbar vorhanden. Im Grunde ist jeder auf seinen eigenen Vorteil bedacht und richtet seine Handlungen entsprechend aus. Doch ähnlich, wie die Verknüpfungen der einzelnen Episoden oft eine überraschende Wendung darstellen, gelingt es Dierßen meisterhaft, seine Graphic Novel mit nur zwei Panels einem versöhnlichen Ende zuzuführen.Wer sich also von Robert Altmans Episodenfilm „Short Cuts“ gut unterhalten fühlt, wird auch Die Besten Zeiten mögen.

Nicht unerwähnt möchte ich die „B-seiten“ lassen, die noch einmal lockere Unterhaltung bieten und den zwielichtigen „Onkel Rainer“ in den Vordergrund stellen.

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