isoundwords # 14: Die Eine über die Einstellung des Zuckerfisch in der Stuttgarter Zeitung

Als ich diese Kolumne schreibe, hat der Bundes Jogi nun doch erklärt, dass er auch weiterhin Bundestrainer bleiben will. Ob ich nun eine Bewerbung als sein neuer Co-Trainer abgeben werde, habe ich noch nicht abschließend entschieden.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Eigentlich hatte ich ja für heute angekündigt, mich ein wenig über die Notwendigkeit von Reboots auszulassen. Doch dann grätschte diese Nachricht auf Facebook dazwischen. Was ich erst für einen kleinen Scherz hielt, ist traurige Gewissheit. Die Stuttgarter Zeitung wird meinen Lieblings Comicstrip, Zuckerfisch, am 31.07.2014 einstellen. Das heißt, uns bleibt nur noch ein Strip, bis der Zuckerfisch zumindest in der Stuttgarter Zeitung seine Pforten schließen wird.

In letzter Zeit wurde viel darüber berichtet und diskutiert, dass der Comic an sich mittlerweile einen viel höheren Stellenwert in der deutschen Kulturlandschaft hat als noch vor ein paar Jahren. Ulkigerweise hat so die Frankfurter Buchmesse u.a. begründet, dass es eines Comiczentrums nicht mehr bedarf. So oder zumindest so ähnlich muss auch die Stuttgarter Zeitung gedacht bzw. empfunden haben. Das Entsetzen auf dem Zuckerfisch Blog war natürlich groß, denn Naomi Fearn erfreut sich als Künstlerin des Zuckerfischs völlig zu recht einer großen Fangemeinde und damit eingehender Beliebtheit.

Seit nunmehr rund 13 Jahren erscheint der Zuckerfisch donnerstags in der Stuttgarter Zeitung. Ca. 1 Woche später stellt dann Naomi den Zeitungsstrip auf ihrem Blog ein. Für mich ist es also längst zu einer liebgewonnen Routine geworden, den Zuckerfisch donnerstags zu lesen. Da ich es nicht mag, wenn jemand derart abrupt in eine Routine eingreift (irgendwelche Vergleiche mit Dr. Sheldon Cooper lasse ich hier ausdrücklich zu), habe ich mich per Email an die Stuttgarter Zeitung gewandt. Doch leider erhielt ich eine doch eher pauschal formulierte Abfuhr, was auch im Grunde leider nicht anders zu erwarten war. Doch untätig zu bleiben, habe ich für die nur zweitbeste Alternative gehalten. Die Stuttgarter Zeitung möchte nach rund 13 Jahren diesen Teil umstrukturieren und Nachwuchskünstlern eine Chance geben. Natürlich regiert im Hintergrund der Rotstift. Es wird nur schöner und netter eingepackt und umschrieben. Ich bin mir auch sicher, dass sich die Stuttgarter Zeitung auf Dauer keinen Gefallen mit dieser Entscheidung getan hat. Sollte ein Leser dieser Kolumne auch eine Email an die Stuttgarter Zeitung geschrieben haben, wäre ich für einen entsprechenden Kommentar überaus dankbar!

Leider brachte auch eine Anfrage bei der FAZ nicht den gewünschten oder zumindest erhofften Erfolg, denn auch dort kreist wohl der Rotstift, auch wenn er auch (noch) nicht so zielsicher zur Punktlandung angesetzt hat bzw. wurde.

Ich weiß, dass es die Printmedien in Zeiten von social media nicht gerade leicht haben und zusehen müssen, wie sie ihre Kosten kontrollieren. Ich kann mir auch sehr gut vorstellen, dass in 13 Jahren der Zuckerfisch bestimmt das eine oder andere Male Gegenstand von Konsolidierungsmaßnahmen war, aber zum Glück bis jetzt verschont wurde. Dennoch entzieht es sich meinem Verständnis, dass die Einschläge in der Comic Szene gerade zurzeit enorm sind. Man könnte sich fast schon fragen, was die Comic Schaffenden in diesem Lande falsch gemacht haben. Bestimmt gibt es (und wo gibt es das nicht?) Ansatzpunkte, was in Nuancen verbessert werden kann, aber im Großen und Ganzen hat man auch durch den Gratis Comic Tag gute Ansätze gefunden und befindet sich auf einem guten Weg:

Doch wenden wir uns noch einmal dem Zuckerfisch zu. Es liegt mir fern, mich vom Zuckerfisch zu verabschieden. Ich weiß, dass Naomi Fearn überlegt und prüft, wie und in welcher Form sie den Zuckerfisch fortführen kann. Es wäre eine dolle Sache, wenn sich beispielsweise die Berliner Zeitung überzeugen ließe, den Zuckerfisch fortzuführen.

Selbst habe ich den Zuckerfisch anlässlich eines Signiertermins im T3 in Frankfurt am Main entdeckt. Die Zwerchfells hatten einen Signiertermin anlässlich eines Free Comic Book Days im Mai 2006 (meine Güte, ist das lange her), dem US-Vorbild des Gratis Comic Tags, durchgeführt. Da wurde ich als Besucher des Free Comic Book Days auf den Signiertermin aufmerksam. Natürlich wollte ich Ekki vom T3 ein wenig am Ohr ziehen, als ich ihn nach den „Nachwuchskünstlern“ fragte. Mit einem „von wegen Nachwuchskünstler“ drückte mir Ekki den Zuckerfisch # 1 in die Hand und ich ließ ihn mir sogleich signieren. Als ich am darauf folgenden Sonntag die Augen aufschlug, regnete es. Also beschloss ich den Zuckerfisch zu lesen. Als ich damit durch war, hatte ich tatsächlich etwas zu bemängeln. Ich hatte Band # 2 nicht zur Hand! Wenn ich denn schon mal beim Lesen laut lachen muss, hat das was zu sagen. Dabei hat natürlich Naomi Fearn in all der Zeit ihren Erzähl- wie auch Zeichenstil weiterentwickelt. Was mich immer wieder begeistert und fasziniert zugleich ist, wie sie Zeitgeschehen süffisant mit leichter Ironie auflöst und das in nur 4 Panels mit unglaublicher atmosphärischer Dichte. Andere machen daraus 200 Seiten und schreiben vorne „Graphic Novel“ drauf. Nein, nichts gegen Graphic Novels, aber hier geht es gerade um Timing. Dabei wirkt Naomi nie belehrend oder packt gar den erhobenen Zeigefinger aus. Und wenn, dann richtet sie ihn gegen sich selbst. Es liegt ihr auch fern, andere zu erniedrigen, um sich so zu erhöhen.

Ich erahne wahrscheinlich nicht einmal ansatzweise, was es für ein Knochenjob ist, einen Zeitungsstrip über so eine lange Zeit am Leben zu erhalten. Doch Naomi hat hier eine simple, wie geniale, Lösung gefunden. Ihre Geschichten erzählt das Leben. Das kann das eigene Leben sein, Zeitgeschehen oder auch beiläufig erscheinende Ereignisse, die sie in ihrem Strip veredelt. Dabei hat sie in ihrem semi-autobiografischen Strip ein facettenreiches, sich ständig weiter entwickelndes Universum erschaffen. Und hierin liegt wohl der zweite Erfolgsgarant, nämlich Entwicklung. Diese beiden Faktoren haben dem Zuckerfisch ein Frischhaltesiegel verliehen, wie man es wenig kennt und sich so manch anderer Comicserie wünschen würde. Gerade aus diesen Gründen könnt Ihr hoffentlich nachvollziehen, dass ich hoffe und gleich noch eine Kerze anzünden werde, dass es mit dem Zuckerfisch weitergeht.

Für die Verbindung zwischen Realität und Fiktion stehen Hase und Steffen – 2 Hasen, die eine schwule Beziehung führen, wobei nur Hase reden kann und Naomis Ansichten oft hinterfragt, manchmal ad absurdum führt und so wie ein kleiner advocatus diaboli rüberkommt. Vielleicht kann nun der geneigte Leser dieser Kolumne verstehen, dass der Zuckerfisch ein riesiges Suchtpotential hat.

Es kann und darf nicht angehen, dass der Zuckerfisch aus der Comic Szene verschwindet. Es wäre ein herber Verlust. Sollten alle Stricke reißen, besteht ja noch Hoffnung, dass der Zwerchfell Verlag weitere Zuckerfisch Bände veröffentlicht.

Bisher sind erschienen:

Zuckerfisch (Ehapa Comic Collection)

 Zuckerfisch # 2 – mit Sahnemeerrettich (Zwerchfell Verlag)

 

Zuckerfisch - in Marinade - Naomi Fearn Zuckerfisch # 3 – in Marinade (Zwerchfell Verlag)

Zuckerfisch 4

Zuckerfisch # 4 – im eigenen Saft (Zwerchfell Verlag)

Zuckerfisch # 5 – Auf die Hand (Zwerchfell Verlag)

Zuckerfisch 5 Zuckerfisch 6 Zuckerfisch # 6 – Mit Liebe gemacht

 Zuckerfisch #7 – On the rocks

 

 

 

Als Lesetipp empfehle ich dann auch heute den Zuckerfisch. Rezensionen werde ich hierzu noch auf diesem Blog nachliefern.

Als Musik lassen wir Naomi heute doch selbst zu Wort kommen. Ja, sie ist eine Allroundkünstlerin.

 

isoundwords # 15 trägt dann nun den Titel „Die Eine die Notwendigkeit von Reboots und erscheint am 29.08.2014.

 

Das war für heute isoundwords. Lest mehr Comics!

Ein Gedanke zu “isoundwords # 14: Die Eine über die Einstellung des Zuckerfisch in der Stuttgarter Zeitung

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s