Wave and Smile

 „Wave and Smile“ war die anfängliche und etwas naive Taktik der ISAF-Truppen in Afghanistan, wenn sie zu einer weiteren Patrouille aufgebrochen sind. Mit der wachsenden Zahl an Attentaten und damit verbundenen Verlusten weichten die offenen Wagen Truppentransportpanzern.Das ist zunächst die Basis, auf die der Titel der gleichnamigen Graphic Novel von Arne Jysch beruht.

Jysch betont, dass seine fiktive Story von Interviews mit in Afghanistan eingesetzten Bundeswehrsoldaten basiert.

Hauptmann Chris Menning ist dort eingesetzt. Seine Ehe steht auf der Kippe. Es gelingt ihm zwar, seine privaten Probleme bei seinen Einsätzen von sich fern zu halten, aber lösen kann er sie dadurch auch nicht. In Afghanistan sorgt er sich nicht nur um seine Soldaten, die täglich ihr Leben aufs Spiel setzen, sondern plagt sich auch mit Bürokraten herum. Dies ist schon relativ interessant und gibt Einblicke in den Alltag der in Afghanistan eingesetzten Soldaten. Die privaten Probleme Mengers können wir auch gern als Stück Realität abnehmen, denn die Scheidungsquote von im Ausland in Krisengebieten eingesetzten Soldaten ist relativ hoch.

Schwierigkeiten habe ich dann schon eher mit der privat organisierten Rettungsmission von Menger für seinen vermissten Hauptfeldwebel. Das ist mir etwas zu viel, aber ich kann auch nicht umhin, zuzugestehen, dass dieser Teil gut und spannend erzählt ist. Diese zugestandene widersprüchlich erscheinende Einschätzung begründe ich gern. Menger handelt glaubhaft, denn Jysch hat den Charakter entsprechend angelegt. Es handelt sich auch nicht um eine „Rambo-Mission“, sondern vielmehr um sorgsame Recherche. Besonders gut dargestellt ist dann die Auflösung der Mission, die zeigt, dass wir nicht alles glauben dürfen, was uns von offizieller Seite mitgeteilt wird. Auch dies mag keine spektakuläre Erkenntnis sein, aber Jysch verwendet dies für seinen Plot dennoch passend und erzählerisch mit entwaffnender Nüchternheit.

Was mich jedoch mehr interessiert, ist die Story hinter der Story. Jysch zeigt uns, warum die Afghanen Argwohn gegenüber den Fremden hegen. Und er tut es so, dass wir es nachvollziehen können. Sogar der Hass und die Gründe für den Krieg werden so dargestellt, dass wir sie uns erklären können, was nicht heißt, dass wir diese Gründe akzeptieren. Dies ist allein schon Grund genug, Wave and Smile zu lesen. Selbst die „deutsche Einstellung“, nämlich in einen Krieg zu ziehen und niemanden töten zu wollen, wird problematisiert und zwar von amerikanischer wie afghanischer Seite.

All dies macht Wave and Smile in jeder Hinsicht lesenswert.

Mit der Graphic Novel Paperback beschreitet Carlsen hier neue Wege. Satte 200 Seiten gibt es für 12,90 €, was definitiv ein gutes Preis-Leistungsverhältnis ist.

Bemerkung am Rande: Wave and Smile wird wunderbar von den Pinguinen im Animationsfilm Madagaskar parodiert.

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