isoundwords # 19: Die eine über den Einfluss von Comicverfilmungen auf die Comics

Als ich diese Kolumne schreibe, wirken die schrecklichen Ereignisse aus Paris immer noch nach. Zu sehr vertiefen kann und möchte ich das Thema an dieser Stelle nicht, weil es einfach zu vielschichtig und tiefgreifend ist. Betonen möchte ich aber, dass Meinungsfreiheit eine Säule jeder gesunden Gesellschaft ist und dabei soll es auch bleiben.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Die Älteren unter uns werden sich sicher noch daran erinnern, als Comicverfilmungen praktisch keine Rolle gespielt haben und schon gar keinen Einfluss auf die Comics selbst gehabt haben. Betrachtet man sich heute Marvel, kann man diese Behauptung so längst nicht mehr stehen lassen. Die Filme üben unmittelbaren Einfluss auf die Comics aus, was bei dem kommerziellen Erfolg nicht völlig überraschend ist und sie werden es auch weiterhin tun.

Schauen wir uns doch mal die erste erfolgreiche Marvel Verfilmung an? War das Spider-Man? Oder vielleicht doch Iron Man? Beide Antworten sind falsch. Es war Blade.

Blade.jpg Bereits 1998 verkörperte Wesley Snipes den Daywalker. Äh, Daywalker? Richtig, der Blade, den wir noch aus den Comics kennen, scheute durchaus das Tageslicht. Über Superkräfte verfügte er auch nicht. Lediglich Vampirhypnose und -bisse machten ihm nichts aus. Da Blade zurzeit des Films nicht über eine Comicserie verfügte, war es relativ leicht, ihm dieses Upgrade zu verpassen. Es geschah schließlich rund 1 Jahr später durch einen Biss von Morbius in der Serie Peter Parker: Spider-Man auch in den Comics. Blade lief insgesamt recht erfolgreich über die Leinwände, so dass eine Trilogie zustande kam.

Spider-Man Tobey schwarz Wenn ich denn schon Spider-Man erwähne, komme ich auch nicht an dem unappetitlichen Thema „Organische Netzdüsen“ vorbei. Sam Raimis Spider-Man Verfilmung fand in 2002 recht großen Anklang. Umstritten war nur der Aspekt der organischen Netzdüsen, die Spider-Man auch ca. 2 Jahre später in Spectacular Spider-Man # 20 verpasst bekam. Zum Glück wurde diese Entwicklung wieder zurückgedreht. Heute greift Peter Parker wieder auf seine mechanischen Netzdüsen, die er in der High School entwickelt hat, zurück. Und das ist auch gut so.

 Wenden wir uns nun mal den Fantastic Four zu. Die Filmrechte liegen nicht bei Disney und die Filme waren auch nicht wirklich erfolgreich. Das Resultat ist, dass die Fantastic Four  in der Hackordnung bei Marvel ins Hintertreffen geraten sind. Bei den letzten Ausgaben, die ich gelesen habe, hatte ich das Gefühl, dass selbst ein profilierter Autor wie Matt Fraction bei den Fantastic Four mit angezogener Handbremse und gedämpftem Schaum fuhr. Hierzu passt vielleicht auch, dass sich Sue Storm mittlerweile den Rächern angeschlossen hat und hilft, Reed Richards zu jagen.

tony-hand-updated-robert-downey-jr-drops-major-marvel-hint-iron-man-4-or-age-of-ultron-trailerTiefe Einschnitte gab es auch bei Iron Man. Ich gebe es gern zu, dass ich selbst skeptisch war, als ich erfuhr, dass Marvel Iron Man mit Robert Downey, jr. als Tony Stark verfilmen wollte. Die Filme waren herausragend und erfolgreich. Doch wenn man sich die Filme mal genauer betrachtet, war es nicht zuletzt Robert Downey, jr, der Tony Stark diesen Touch eines extravaganten Wissenschaftlers oder auch eines liebenswerten Arschlochs verlieh. Dies wurde in die Comics übernommen und war neben den Filmerfolgen ein Grund, warum es gelang, Iron Man auch als Comic wieder stabiler zu etablieren.

Für Iron Man 2 bekam auch Whiplash als Mischung aus Crimson Dynamo und dem bisherigen Whisplash ein Makeover, das dann Mickey Rourke auf die Leinwand brachte. File:Whiplash.jpg

Iron man pepper potts Pepper Potts gehörte zu den vielen Affären, die Tony Stark hatte. Gwyneth Paltrow machte Pepper Potts als Charakter wieder populärer und so fand sie auch plötzlich wieder in den Comics statt und erhielt sogar ihre eigene Rüstung und einen One Shot.

 Wenden wir uns nun einem Charakter zu, den wir alle kennen und wohl auch schätzen – Nick Fury. Jahrelang kannten wir den Nick Fury, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Jim Steranko hatte. Dies sollte sich jedoch im Laufe der Zeit ändern und es begann damit, dass Mark Millar und Bryan Hitch die Erlaubnis erhielten, den Fury des ultimativen Universums wie Samuel L. Jackson aussehen zu lassen.

Nick-Fury-(Earth-1610)

Mittlerweile hat dieser Fury den Weg ins 616 Universum gefunden und seinen Vater, der sich nur noch im Hintergrund hält, ersetzt. Die Story, in der dieser Fury den uns bisher bekannten Fury ersetzte, war schon ziemlich abgefahren und wirkte doch sehr konstruiert.

Es ist noch nicht so lange her, da war es undenkbar, dass der Hulk wieder Mitglied bei den Avengers wird. Dafür galt er stets als zu unkontrollierbar. Nun, es bedurfte nur eines Blockbusters im Kino und schon feierte Hulk sein Comeback bei den Avengers auch in den Comics. Überhaupt, schaut man sich den Cast der Avengers im Marvel NOW! Universum an haben wir auf den ersten Blick eine willkürliche Zusammensetzung von Helden. Schaut man etwas weiter und tiefer eröffnet gerade diese scheinbar willkürliche Zusammensetzung Marvel bzw. Disney Tür und Tor für weitere Projekte.

Phil Coulson Und was wären die Iron Man Filme ohne einen gewissen Phil Coulson? Zunächst wurde er nur für die typische „witzige Nebenrolle“ eingeführt. Doch dann wurde er mehr und mehr zu einer Schlüsselfigur, die nun auch längst in den Comics Einzug gehalten hat. Von der TV-Serie Agents of SHIELD wollen wir erst gar nicht reden.

 In den Nachwehen von Ragnarök entwickelten J. Michael Straczynski und Olivier Coipel Loki als Frau. Mit dem bahnbrechenden Erfolg von Tom Hiddleston als Loki wurde dies natürlich wieder zurückgedreht. Mittlerweile hat man einen Kompromiss gefunden. Loki kann jede Form annehmen, die er will. Jason Aaron hat einen weiblichen Thor eingeführt (noch nicht in Deutschland erschienen) und ich bin gespannt, wie man damit in den Filmen umgehen wird.

Dan Abnett und Andy Lanning haben die Guardians of the Galaxy populär gemacht. Waren sie einst eine Serie, der man 12 bis höchstens 18 Ausgaben geben konnte, erfreut sich diese Serie nun unter Brian Michael Bendis und Steve McNiven einer gewissen Konstanz. Gleichzeitig hat Bendis diese Serie weiterentwickelt. Ganz nebenbei lief der Film, dem viele Kritiker ein grandioses Scheitern prophezeiten, sehr erfolgreich in den Kinos.

The five Guardians, sporting various weapons, arrayed in front of a backdrop of a planet in space.

Ketzerisch kann man die Zeit sogar noch etwas weiter zurückdrehen. In den Jahren 1981-1983 lief die Zeichentrickserie Spider-Man and his amazing Friends. Zu seinen „amazing Friends“ zählten Iceman und Firestar, eine Figur, die es in den Comics gar nicht gab. Wegen des Erfolgs der Serie wurde sie in den Comics eingeführt, um im Zuge des Civil Wars in den Ruhestand zu treten. Mittlerweile ist sie gelegentlich wieder aktiv.

Was mir eigentlich bei vielen Verfilmungen aufgefallen ist, ist, dass sich die Drehbuchschreiber sowohl im klassischen, als auch im ultimativen Universum bedient haben und so ihre Charaktere und Handlungen für die Leinwand gestrickt haben. Ist so vielleicht auch das anstehende Kollidieren dieser beiden Comic Universen zu erklären, dessen Resultat dann Marvel Battleworld sein will? Leider gibt es hierfür noch zu wenig Informationen, aber völlig an den Haaren herbeigezogen erscheint es mir nicht, dass dies auch neben DC’s New 52 den Ausschlag gab, auch ein neues Comic Universum zu erschaffen.

Musik habe ich heute auch für Euch rausgesucht. Höre ich in letzter Zeit sehr oft.

Als Lesetipp gibt es Spider-Man # 19, weil es ein guter Einstiegspunkt für Neuleser ist.

Die nächste isoundwords erscheint am 27.02.2015 und wird den Titel tragen: „Die eine über kollidierende Universen (Marvel Battleworld)“. Ursprünglich war eine Kolumne über Verfilmungen als Fortsetzung dieser Kolumne geplant, aber die aktuellen Ereignisse haben mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Das war für heute isoundwords.

 

 

 

 

 

 

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