Silver Surfer # 1

SILVER SURFER 1 Silver Surfer ist eine Figur voller Schwere und Trauer, die von seinen eigenen Selbstzweifeln  wie Schuldgefühlen zugleich geprägt und gequält wird. Stan Lee hat diese Figur bewusst so geschaffen und angelegt. Und wohl auch deswegen hat der Surfer polarisiert und die Fangemeinde gespalten. Immer wieder hat es Versuche gegeben unter verschiedenen Kreativ-Teams eine Serie für den Silver Surfer zu etablieren. Letztenends sind diese Versuche aber grandios gescheitert.

Nunmehr hat Marvel Dan Slott, der She-Hulk zu neuen Höhen führte und aktuell Spider-Man schreibt, mit dieser „Mission Impossible“ beauftragt. Und was Dan Slott macht, erscheint fast wie ein Sakrileg oder mindestens wie das Ablehnen eines Erbes. Er nimmt dem Silver Surfer nahezu gänzlich die Schwere und das Philosophische. Dies funktioniert eindrucksvoll. Völlig kommt Slott natürlich nicht mit diesem Aspekt des Surfers aus, aber er verlegt sie geschickt in Nebenfiguren wie der Never Queen oder Eternity. Seine Tätigkeit als Herold für Galactus beschwert ihn weniger persönlich als vielmehr Bewohner fremder Welten, die ihn nach wie vor für einen Unheilsbringer halten. Mit der Erde verbindet er aus nachvollziehbaren Gründen wenig angenehme Erinnerungen und er scheint sich (augenzwinkernd) selbst zu wundern, warum es ihm im riesigen Universum immer wieder zu unserer kleinen, blauen Murmel zurückführt.

Ein weiterer Aspekt, wofür der Surfer immer wieder kritisiert wurde, war seine nahezu unermessliche Allmacht. Im ersten Dreiteiler kann er seinen Widersacher nur überführen, indem er seine kosmische Kräfte vor ihm verbirgt. Slott bricht also somit das nächste Tabu, denn über die kosmische Kraft wurde der Surfer immer wieder definiert, selbst zu den Zeiten, in denen er auf der Erde verbannt war und nur über einen Bruchteil seiner Kräfte verfügte. Immer wieder gab es zaghafte Versuche, dem Leser aufzuzeigen, dass das Brett des Surfers über so etwas wie ein eigenes Bewusstsein verfügt. Slott geht auch hier einen Schritt weiter. So stubst ihn das Brett bei Gefahr schon mal an oder zeigt ihm wie ein Spiegel auf, um wen er sich zu kümmern hat. Es wird also zu seinem reflektierenden Gewissen.

Dawn Greenwood, die Frau, die er begegnet, und die ihm hilft, Abenteuer zu überstehen, ist einerseits eine gewöhnliche Frau von der Erde, andererseits ergänzt sie den Surfer hinsichtlich menschlicher Gefühle, die ihm nach wie vor fremd sind. Es macht großen Spaß zu lesen, wie der Surfer versucht, mit Menschen zu kommunizieren, und dabei trotz seiner kosmischen Kräfte an seine Grenzen stößt, auch wenn er nach eigenem bekunden sämtliche popkulturellen Anspielungen versteht. Eine Anspielung haben wir schon mit dem Titel, der an den Doris Day / Rock Hudson Klassiker „Ein Pyjama für Zwei“ angelehnt ist.

Was mich beim Leser immer wieder fasziniert und amüsiert zugleich hat, waren die Schnitte zwischen einzelnen Handlungssträngen, die über Dialoge gesteuert wurden und einen fließenden Übergang eingeleitet haben.

Diese „Pop Variante“ des Surfers ist so frisch wie schon lange nicht mehr und scheint fast wie ein verfrühter Frühlingsbote. Für diesen „Popstil“ steht auch das Artwork von Michael Allred.

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s