America’s got Powers # 1

America's Got Powers - Tribe Online Magazin Nach unserem klassischen Verständnis tragen Superhelden meist viel zu enge Kostüme und riskieren selbstlos ihr Leben, um Menschen, eine Stadt oder auch einen ganzen Planeten zu retten. Alan Moore hat uns vor dem Hintergrund des Kalten Krieges der 80er Jahre mit seinen Watchmen ein völlig anderes Verständnis von Superhelden gegeben.

Nun greift Jonathan Ross den Superheldenmythos auf und entmystifiziert ihn auf seine Art, indem er ihn in unsere Zeit übersetzt. Gemeint ist damit eine ausgeweitete Medienlandschaft und ein TV Sender, der durch eine Show mit viel Effekthascherei versucht, seine Einschaltquoten zu optimieren. Dies ist mit einem nahezu zynischen Umgang mit Menschenleben verbunden. Hat beispielsweise bei Marvel die Menschheit Angst von den Mutanten vertrieben zu werden, schildert uns Ross, wie Teenager, die ihre Superkräfte einem merkwürdigen Kristall zu verdanken haben, gnadenlos ausgenutzt werden. Gerade die Passagen in den Labors erinnern ein wenig an Brave Little World.

Doch ähnlich wie bei Moores Watchmen ist hier die Besetzung der Rollen von Protagonisten und Antagonisten nicht das, was vordergründig erzählt wird. Vielmehr handelt America’s got Powers von einer Gesellschaft, die längst jede Moral vergessen und sich dabei jeglicher Schmerzgrenzen entledigt hat. Einzig Professor Syell  versucht sich immer wieder für die Teenager mit Superkräften einzusetzen, bevor sie bei einer blutigen TV Show fast schon zur Schlachtbank geführt werden.

Dass dies dann noch spannend und richtig gut erzählt wird, liegt natürlich einerseits am Talent von Jonathan Ross und seinem konsequenten Spannungsaufbau und andererseits an den Charakterisierungen. Hauptfigur ist Tommy Watts, der eigentlich als die „Zero“ gilt, also als jemand, der über keine Kräfte verfügt. Dennoch bilden sich bei ihm abnorme Kräfte aus, als er in Bedrängnis gerät. Dies weckt natürlich Begehrlichkeiten bei den Wissenschaftlern.

Unterstützt wird er von einem glänzend aufgelegten Bryan Hitch, dessen Arbeit mich sehr an seine beste Phase bei den Ultimativen erinnert.

Wer sich also für einen innovativen Ansatz in der Darstellung von Superkräften interessiert, ist bei America’s got Powers bestens aufgehoben.

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