Der Dunkle Turm # 5: Die Schlacht am Jericho Hill

Splitter Verlag - Der Dunkle Turm Luxus Sammlerausgabe

Ohne Frage stellt der vorliegende Band einen Wendepunkt im Epos „Der Dunkle Turm“ dar. Gilead ist gefallen, Roland und seine Gefährten sind im Laufe der Erzählung gealtert, mit Aileen Ritter ist gegen alle Widerstände eine Frau in die Gilde der Revolvermänner aufgestiegen, obwohl dies für lange Zeit ein Tabu in Mittwelt war, und Roland selbst ist eine Führungspersönlichkeit geworden. Immer wieder versteht er es, die Stärken seiner Gefährten in den Vordergrund zu stellen und sie so zu fordern, aber auch zu fördern, wobei die offensichtliche Revolution in dieser Beziehung eindeutig die Veränderung seiner Einstellung gegenüber Aileen ist und bleibt.

Insgesamt wirkt die Handlung düsterer als in den Vorgängerbänden und wird auch blutiger. hierfür spricht allein schon das Cover. Doch auch Charakterisierungen machen die Umwelt in Mittwelt aus. Mittwelt wird aristokratisch von einer Art Königsfamilie regiert und die Revolvermänner sorgen als eine Art Ritterschaft für die Durchsetzung von Recht und Ordnung. Man kann sie also getrost als „Ritter der Tafelrunde“ bezeichnen. Die Gesellschaftsform selbst ist wohl als vorindustriell einzuordnen. Fabriken oder gar Fließbänder sind nicht vorzufinden, vielmehr steht die Magie im Vordergrund. Dennoch sieht man immer wieder verwaiste Panzer oder anderes Kriegsgerät in der Wüste oder gar am Wegesrand stehen. Dahinter stehen die Großen Alten, die über die notwendigen Kenntnisse verfügten, aber die sich mit diesem Wissen selbst vernichtet und ausgerottet haben.

Natürlich kann man dies als Kings Warnung an unsere Gesellschaft interpretieren, denn als King seinen Roman schrieb, herrschte noch Kalter Krieg, denn, wie man in Mittwelt sagt, sind die Wege des Alten Volkes die Wege des Todes.

Die Schlacht am Jericho Hill beendet den ersten großen Zyklus des Epos. In den USA umfasst dieser Zyklus bereits 30 Ausgaben. Ein zeichnerischer Höhepunkt dieses Zyklus und zugleich des vorliegenden Bandes ist ohne Frage die Doppelseite, die die Schlacht gegen den Amoco-Kult zeigt. Hinzu kommt ein mitreißender Text, der Aileen eine besondere Rolle zukommen lässt. Gerade mit dieser Doppelseite hat sich Jae Lee selbst im Dunklen Turm ein kleines Denkmal gesetzt. Für Jae Lee findet die Reise leider ein Ende, denn ab US-Ausgabe # 31 übernimmt Sean Phillips den Bleistift von ihm und tritt somit ein großes Erbe an. 

Der Dunkle Turm ist und bleibt eine enorm ambitionierte Comic Adaption, die künstlerisch wie erzählerisch keine Wünsche offen lässt.

Natürlich gibt es auch diesmal wieder umfangreiches und informatives Zusatzmaterial, das uns tiefer nach Mittwelt eintauchen lässt.

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