Fantastic Four # 1 (von 3): Der lange Abschied

FANTASTIC FOUR 1: DER LANGE ABSCHIED TEIL 1 (VON 3) Mit diesem Band veröffentlicht Panini die US-Ausgaben Fantastic Four # 1-8. Der Titel ist schon fast wie ein Spoiler. Wir sollen oder besser müssen uns von den Fantastic Four verabschieden. So ganz will und kann ich das noch nicht glauben. Schließlich handelt es sich hier doch um Marvel’s First Family sowie um  meine (chronologisch) zweite Marvel Liebe (nach Spider-Man).

Autor James Robinson rüttelt die Fantastic Four gehörig durcheinander. Ein geheimnisvoller und bisher anonymer Drahtzieher mit wohl großen monetären Möglichkeiten bringt die Fantastic Four in Misskredit und schließlich vor Gericht.

Viel mehr möchte ich über den Plot, der vor Wendungen nur so strotzt, gar nicht spoilern, außer dass bei einer Attacke von Monstern auf New York ein Teammitglied seine Kräfte verliert.

Robinson geht mit den Fantastic Four schonungslos um – vielleicht sogar noch schonungsloser, als dies bei Spider-Man, Daredevil und den Rächern je geschah. Er greift sie nicht nur als Superhelden an, sondern attackiert sie auch auf der menschlichen Seite. Selbst ein Genie wie Reed Richards hatte offenbar nicht auf dem Schirm, dass dies je geschehen könnte. Eben weil dies Robinson tut, packt er die Leser auch emotional an. Dies betrifft vor allem die Gerichtsverhandlung der Fantastic Four, die mich ein wenig an den Trial of Reed Richards erinnert hat und doch völlig anders ist. Auch der Bruch zwischen Johnny und Ben, der sich wiederum auf eine Begebenheit bezieht, die durch Original Sin entlarvt wurde, ist als Retcon nachvollziehbar und stimmig erzählt. Damit steht gerade diese Episode konträr zu den vielen Retcons in der Comichistorie, die einfach nicht funktionieren und die letztlich dazu geführt haben, dass dieser Begriff fast schon negativ besetzt ist. Einzig die Tatsache, dass sich Ben eben in all der Zeit nicht damit abgefunden haben will, das Ding zu sein und nur gute Miene zum bösen Spiel gemacht haben soll, scheint mir ein wenig übers Ziel hinausgeschossen zu sein. Schließlich mag das aber mit der Emotionalität der Szene erklärbar sein. Es ist also keine Achterbahn der Gefühle, die Robinson hier bedient, sondern vielmehr eine sich mit unglaublicher Geschwindigkeit drehende Abwärtsspirale. Die Gerichtsverhandlung selbst ist eine Zeitreise durch über 50 Jahre Fantastic Four, in der wir an einige Episoden erinnert werden, die auch Comicgeschichte geschrieben haben, wie z.B. das erste Aufeinandertreffen mit dem Silver Surfer und vor allem mit Galactus. Wunderbar und treffend schildert Robinson hier, wie ein aalglatter Staatsanwalt völlig „vergisst“, dass die Fantastic Four unzählige Male New York oder sogar den ganzen Planeten gerettet haben. Dies ist realistisch dargestellt. Juristen sind so.

Völlig offen sind für mich noch die Nebenstränge wie das Schicksal der Future Foundation oder auch Valerias Aufenthalt bei Dr. Doom.

Zeichnerisch finden wir die komplette Bandbreite vor. Dabei fordert Kirk den Leser nicht nur mit wechselnden Panelanordnungen heraus, sondern konzentriert sich gerade in emotionalen Momenten nahezu ausschließlich auf die Charaktere. Hier möchte ich gleich als Beispiel den Beginn anführen, als Sue Valeria einen Brief in völliger Dunkelheit schreibt. Dies korrespondiert mit dem Inhalt des Briefes. Des Weiteren ist auch der Bruch zwischen Johnny und Ben ein solcher Moment, in dem Kirk auf Hintergründe verzichtet, ohne dass wir sie in diesen Panels wirklich vermissen würden.

Die Rückblenden, insbesondere bei der Gerichtsverhandlung, sind von Gastzeichnern gestaltet, die sich dabei stilistisch den Originalen angepasst haben. Auch dies trägt dazu bei, dass wir hier einen Band der besonderen Art in den Händen halten.

Die Fantastic Four haben, wie jede andere Ongoing Serie auch, Höhepunkte erlebt und Täler durchschreiten müssen. Dieser Plot zählt zweifellos zu den Höhepunkten, über den wir auch noch in einigen Jahren reden werden.

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2 Gedanken zu “Fantastic Four # 1 (von 3): Der lange Abschied

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