Tag X # 1: Wer ermordete den Präsidenten?

DER TAG X BAND 1 Tag X ist eine Serie, die ein historisches Ereignis in den Mittelpunkt stellt und die berühmte „Was wäre, wenn?“ Frage stellt.

Wir schreiben den 22.11.1963 und befinden uns in Dallas, Texas. Gegen 12:30 Uhr fallen 3 Schüsse aus einem Schulbuchlager. Einer davon trifft den Präsidenten der USA, John F. Kennedy, tödlich. Dies sind die Fakten ohne die komplexen Verschwörungstheorien, die sich um das Attentat ranken.

Doch was wäre, wenn das Attentat nie auf JFK, sondern 10 Jahre später auf Richard Nixon verübt worden wäre? Diese Frage stellen sich die Autoren Fred Duval und Jean Pierre Pécau.

Duval und Pécau stützen ihren Plot vornehmlich auf den Vietnam-Krieg, der auch in den Verschwörungstheorien eine nicht unbedeutende Rolle spielt. Dabei spielen sie auch mit den Zeitebenen, wobei die Flashbacks dazu dienen, die Motivation des Attentäters dem Leser nachvollziehbar nahezubringen. Dies gelingt zweifellos und unterstützt mit einem zynischen Seitenhieb, dass die Regierung bzw. das Militär einmal mehr Elemente ausbildet, die sich dann irgendwann gegen sie selbst wenden. Auch auf politische Bündnisse im Hintergrund wird angespielt. Und wenn man auf Ereignisse aus den 70er Jahren anspielt, darf und kann der „ewige“ Kissinger nicht weit sein. Bei seinem lässigen Gespräch am Pool gemeinsam mit Batista, der in dieser alternativen Geschichtsbetrachtung augenscheinlich die Macht in und über Kuba bewahren konnte, offenbaren sich die wahren Interessen der Drahtzieher des Attentats.

Ähnlich, wie in seinem Klassiker Die Macht der Archonten, erklärt uns auch in dieser Serie Pécau die Geschichte, allerdings unter einer alternativen Betrachtung. Wenn auch Schwerpunkt und Ausgangslage der Serien völlig unterschiedlich sind, ist auch Tag X spannend erzählt. Es ist großartig, wenn Pécau und Duval Fakten aus 1963 aufgreifen und sie in einen vollkommen neuen und fiktiven  Kontext stellen. So galt beispielsweise auch der Attentäter, Lee Harvey Oswald, als verwirrter Einzeltäter und verlorener Soldat. Nach diesem Muster wird auch French ausgewählt. Doch dies ist nur eine Querverbindung, die das Autoren-Duo aufgreift und die sie für ihren Plot neu aufsetzen. Dies so umzusetzen, bedarf einer ausgeklügelten Planung der Story, wobei es den Autoren gelingt, zunächst die Fakten aufzugreifen, um sich dann in ihrer Story kreativ auszutoben. Doch das eigentliche Kunststück ist, dass es den Autoren gelingt, sowohl den Geschichtskundigen wie -unkundigen eine gute, stellenweise mitreißende Story zu präsentieren. Für ein tieferes Verständnis ist es allerdings schon vorteilhaft, wenn man sich mal in der Vergangenheit mit dem Kennedy Attentat beschäftigt hat. Dafür sind einfach die mal mehr, mal weniger feinen Verwebungen mit ihren zynisch-ironischen Anspielungen zu wertvoll. So wird beispielsweise Nixon in seiner typischen „Viktory-Pose“ erschossen.

Colin Wilson ist ein Künstler mit einem erstaunlichen Portfolio, der auch hier ein meisterhaftes Artwork abliefert. Seine Charaktere sind meistens kantig, was sie allein schon aus der Masse hervorhebt und sie interessant erscheinen lässt. Dies ist auch hier der Fall egal, ob es sich um French handelt oder seinen mysteriösen Auftraggeber handelt. Dabei hat er ein feines Gespür dafür, wann er mit seiner Panelarchitektur den Plot eher be- oder entschleunigen muss.

Tag X ist also ein großartiges Debut der Paninis auf dem franko-belgischen Albensektor und zeigt, dass dort die Titel mit viel Augenmaß ausgewählt werden.

3 Gedanken zu “Tag X # 1: Wer ermordete den Präsidenten?

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