Zehn Gebote # 1: Der Killer von Glasgow

Zehn Gebote (2001) - komplett Nach dem christlichen Glauben hat Moses die 10 Gebote am Berg Sinai direkt von Gott empfangen und auf Steintafeln geschrieben.

Folgt man Giroud , hat auch Mohamed 10 Gebote für den Islam hinterlassen und auf Kamelknochen geschrieben.

Giroud hat auf dieser Basis eine Comicserie mit jeweils unabhängigen und sich auf die einzelnen Gebote beziehenden Plots geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist bei comicplus erschienen.

Das erste Gebot lautet: Du sollst nicht töten!

Der Plot besteht aus 2 parallelen Handlungssträngen, die zunächst unabhängig voneinander bestehen und die sich nur lose überschneiden. Dennoch beeinflusst ein Strang wesentlich den anderen.

Simon Broemecke ist ein desillusionierter Lektor in einem Glasgower Verlagshaus. Als Autor gilt er als ewiges Talent, das sich nie am Markt etablieren konnte. Statt sich um die eigene Karriere zu kümmern, verfolgt er lieber die Morde eines Serienkillers, der bei seinen ermordeten Frauen stets eine Puppe am Tatort zurücklässt.

Für ihn ändert sich alles, als ihm eine nette ältere Dame ein altes Skript zur Begutachtung überlässt.

Dass dieser Plot so hervorsticht, liegt auch daran, dass er von feiner Ironie geleitet wird. Simon beginnt das Buch erst zu lesen, als die Dame, die es ihm übergeben hat, tödlich verunglückt und er ein wenig von Schuldgefühlen getrieben wird. Mit Hilfe dieses Romans, den er als seinen eigenen ausgibt, wird er dann nicht nur berühmt, sondern auch erpresst. Als er sich dessen erwehren will, ahmt er die Morde des Serienkillers nach, der jedoch kurz zuvor verhaftet wurde.

Da wird Simon von seiner eigenen Gewalttat zu einem Roman inspiriert, der ihn endgültig in den Olymp der Autoren katapultieren würde. Er schreibt diesen Roman in aller Abgeschiedenheit, so dass er die dramatischen Entwicklungen um den Serienkiller in Glasgow versäumt.

Simon zahlt für seinen Mord den höchsten Preis, den er zahlen kann. Gleichzeitig wird seine Tat wohl nie aufgedeckt werden. Diese Wendungen sind schlichtweg genial gesetzt und perfekt getimt. Gleichzeitig sind sie für den Leser nie wirklich vorhersehbar und ich habe auch nur die Wendungen hier verraten, die es benötigt hat, um diese Rezension zu schreiben. Diese überraschenden Wendungen kombiniert mit der feinen Ironie macht das Lesen des Comics zu einem ungemein intensiven Erlebnis. Die Dialoge sind klug formuliert, so dass sich der vorliegende Comic auch sehr flüssig liest.

Doch was wäre ein noch so guter Plot ohne ein entsprechendes Artwork? Béhés Artwork mutet ein wenig aquarell an. Auch dies ist bestimmt kein Zufall, denn auf Aquarelle nimmt auch der Plot immer wieder Bezug.

Ein weiterer genialer Moment ist das einzige Panel, in dem sich Plot und Subplot buchstäblich berühren, ohne dass dies wirklich aufgelöst wird.

Für mich ist der vorliegende Comic ein Stück Geschichte. Werke wie dieses erinnern mich immer wieder, warum ich dieses Hobby nach wie vor verfolge und liebe.

Ich räume an dieser Stelle gerne ein, dass ich allein wohl nie auf diese Serie gestoßen wäre. Empfohlen wurde sie mir von Ekki Helbig vom T3 in Frankfurt. Hieran zeigt sich ganz nebenbei auch, was ein guter Comicdealer an. Er stimmt seine Beratung auf den individuellen Geschmack seiner Kunden ab und berät nie schablonenhaft.

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