isoundwords Sonderausgabe: Die eine über das Urteil über James Holmes

Es war der 20.07.2012. Bei der Premiere des Batman Films The Dark Knight rises drang James Eagan Holmes in einen Kinosaal in Aurora, Colorado ein, erschoss 12 Personen und verletzte 70 Personen. Im Boulevard wurde Holmes auch als Batman Mörder bekannt, eine der dämlichsten Bezeichnungen, die man sich je in der Klatschpresse ausgedacht hat. Mittlerweile wurde dieser Begriff durch den nur wenig mehr intelligenten Titel Kino-Mörder ersetzt. Nach nunmehr gut 3 Jahren wurde das Urteil gefällt – lebenslänglich ohne jede Chance auf vorherige Begnadigung. Ursache hierfür war wohl, dass sich die Geschworenen trotz intensiver Beratung nicht auf ein Urteil einigen konnten, denn der Staat Colorado verlangt für die Todesstrafe eine einstimmige Entscheidung der Geschworenen. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Gab es doch noch Restzweifel an seiner an sich gutachterlich erwiesenen Schuldfähigkeit? Oder gab es einen oder mehrere Gegner der Todesstrafe unter den Geschworenen, die durchaus im Raum stand? War vielleicht der Druck der Öffentlichkeit zu groß, die Todesstrafe als ultimatives Urteil zu verhängen? Oder haben auch die in der jüngeren Vergangenheit missglückten Exekutionen eine Rolle gespielt?

Sollte jemand aus humanitären Gründen gegen die Todesstrafe sein, ist dies eine in jedem Fall zu respektierende, wenn nicht zu akzeptierende, Einstellung. Klar, emotional würde man vielleicht gerade in diesem Fall gern die Todesstrafe verhängen. Schließlich geht es ja nicht „nur“ um die 12 Menschen, die er getötet, und die weiteren 70 Menschen, die er verletzt hat, sondern auch um die Leben, die er mittelbar zerstört hat. Denn hinter jedem dieser nackten Zahlen verbergen sich Einzelschicksale von Menschen, die aus dem Leben gerissen wurden. Auch die Tat selbst und deren Umstände mag man sich vor Augen führen. Man freut sich auf eine Kinopremiere, hat sich die Karten hierfür vielleicht im Vorverkauf gesichert und ist glücklich darüber, um dann von dieser Veranstaltung nicht mehr oder für den Rest des Lebens traumatisiert zurückzukehren. Es ist daher auch nachvollziehbar, dass sich Hinterbliebene der Opfer wiederum enttäuscht vom Urteil zeigten, denn natürlich hätte das Todesurteil den Hinterbliebenen zumindest kurzfristig ein Gefühl der Genugtuung gegeben . Gleichzeitig gilt auch hier die Binsenwahrheit, dass auch die Todesstrafe das Geschehene mit all seinen Folgen nicht rückgängig machen kann. Daneben hätte man sich auf eine lange Zeit mit Revisionen und Petitionen einstellen müssen, die auch die Hinterbliebenen nicht zur Ruhe hätte kommen lassen. Doch dürfen sich Geschworene von solchen Emotionen leiten lassen? So schwer, bitter und unmöglich das auch sein mag, die Ratio muss hier den Vorrang haben. Darüber hinaus wurde die Todesstrafe im Bundesstaat Colorado seit 1976 einmal vollzogen, 3 weitere Kandidaten sitzen in der Todeszelle – eine Anzahl, die im Vergleich zu anderen Bundesstaaten eher gering ist.

Gänzlich unbeleuchtet darf man auch nicht die zu laschen Waffengesetze in den USA lassen. Es kann nicht angehen, dass sich ein Mensch wie eine Kleinarmee bewaffnen kann. Doch auch dies kann, darf und soll hier auch nicht als Ausweg oder Rückzugsgebiet für den Attentäter gelten. James Eagan Holmes selbst soll das Urteil teilnahmslos zur Kenntnis genommen haben. Die Bilder, die man von ihm sehen konnte, erweckten schon den Eindruck, dass zu ihm nichts mehr durchdringen konnte. Der starre Blick ohne Emotionen erinnert fast schon an einen real gewordenen Michael Myers, so dass ich an dieser Stelle sogar die Frage verneinen würde, ob es nicht sogar die härtere Strafe sei, dass sich jemand zeitlebens mit seiner Untat auseinandersetzen muss, statt hingerichtet zu werden.

Nachdem nunmehr das Urteil nach einem mehr als dreijährigem Gerichtsmarathon gefällt wurde, hoffe ich, dass die Hinterbliebenen irgendwie zur Ruhe kommen können und natürlich auch, dass sich so etwas niemals wiederholt. Für beides sind meine Hoffnungen leider nur sehr wage, aber bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt.

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