Zehn Gebote # 2: Eine Frage des Gewissens

 Nach dem christlichen Glauben hat Moses die 10 Gebote am Berg Sinai direkt von Gott empfangen und auf Steintafeln geschrieben.

Folgt man Giroud , hat auch Mohamed 10 Gebote für den Islam hinterlassen und auf Kamelknochen geschrieben.

Giroud hat auf dieser Basis eine Comicserie mit jeweils unabhängigen und sich auf die einzelnen Gebote beziehenden Plots geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist bei comicplus erschienen.

Das zweite Gebot lautet: Höre in Deinem Herzen die Stimme Gottes!

Die zweite Ausgabe der viel beachteten Serie zeigt, was Comics heutzutage können. Sie befassen sich nicht nur mit Zeitgeschehen, sondern sind längst nicht mehr an Genres gebunden. Giroud beginnt den Plot mit einer Art Beziehungsdrama und einer Fahrt im Orientexpress. Dort geht der Plot in einen Krimi über, um dann schließlich die beiden Genres am Ende zu vereinen. Gerade die Fahrt im Orientexpress und das Gespräch zwischen Merwan Khadder, dem zwiespältigen Protagonisten der Story, und Halid Riza, der eindeutig an Salman Rushdie angelehnt ist, gehört zu den besten Dialogen, die ich je in Comics lesen durfte. Hierzu gehört dann auch das fast schon zynische Ende dieses Dialogs, der nur so enden kann. Gleichzeitig werden sog. Gotteskrieger als das entlarvt, was sie sind: Terroristen, die primär finanzielle Ziele haben. All das passt auch heute rund 14 Jahre später mehr denn je in unsere Zeit. Man betrachte nur den IS und das Fatwa gegen Rushdie, der bis heute die Öffentlichkeit weitgehend meidet.

Die Klammer um den Plot ist natürlich das zweite Gebot des Islam. Die Stimme Gottes hört Merwan erst, als es zu spät ist. Latifa hört diese Stimme natürlich nicht. Sie steht für ein typisches Opfer der terroristischen Gruppierung. Wie sie rekrutiert und so verbittert werden konnte, stellt Giroud unmissverständlich und nachvollziehbar dar. Es ist da weiter kein Wunder, dass sie Merwan verrät und zeugt wiederum von Naivität, dass er sich ihr anvertraut.

Inhaltlich beteht zwischen diesem Band und dem ersten Band keine Verbindung, aber es wird rasch klar, dass Giroud dem Leser ein Gesamtbild zeichnen will. De Vita liegt ein Artwork vor, das seine Stärken in der Mimik der Charaktere hat. Eindrucksvoll zaubert er die komplette Emotionspalette in die Gesichter der Charaktere.

Band # 2 knüpft nahtlos an das Niveau von Band # 1 an und steigert es stellenweise sogar noch.

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