Zehn Gebote # 4: Bei Gott dem Allmächtigen

 Nach dem christlichen Glauben hat Moses die 10 Gebote am Berg Sinai direkt von Gott empfangen und auf Steintafeln geschrieben.

Folgt man Giroud, hat auch Mohamed 10 Gebote für den Islam hinterlassen und auf Kamelknochen geschrieben.

Giroud hat auf dieser Basis eine Comicserie mit jeweils unabhängigen und sich auf die einzelnen Gebote beziehenden Plots geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist bei comicplus erschienen.

Das vierte Gebot lautet: Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!

Die Story beginnt mit einer Rückblende ins Jahr 1937. Diese Rückblende dient als Prolog. Davor Stimac ist in Milena unglücklich verliebt. Als er ihr seine Liebe gestehen will, sieht er, dass sie sich für einen anderen entschieden hat. Davor wird daraufhin Priester in der Hoffnung, so sein Seelenheil zu finden.

Der Plot wird sodann im Februar 1946 fortgesetzt. Der 2. Weltkrieg ist vorüber. Einerseits werden nunmehr die Scherben zusammengekehrt, andererseits ist Vergangenheitsbewältigung angesagt. Dies macht Giroud an seinem Hauptcharakter, Davor, fest. Er befreit seinen Schwager aus einem Internierungslager für Kollaborateure und verleiht ihm eine neue, gefälschte Identität.

Gleichzeitig ist Milena, die sich den Partisanen angeschlossen hat, auf Rache aus, denn die Liebe ihres Lebens wurde von Nazi Kollaborateuren hingerichtet.

Dies stellt den Beginn eines Strickwerks von Lügen dar, die immer komplexer werden, so dass Milena nicht mehr durchschauen kann, wer die Wahrheit sagt und wer sie anlügt. Ab einem bestimmten Zeitpunkt reagiert sie nur noch instinktiv und schlägt erbarmungslos zu. Dabei richtet sie auch Unschuldige, die sich aber wiederum in Sinne des vierten Gebots schuldig gemacht haben, auch wenn sie keine Kriegsverbrechen begangen haben.

Giroud verlässt folglich das Krimi Genre, das insbesondere Band 1 und 3 beherrscht hat. Mit Band # 4 legt er eine Tragödie vor. Davor rutscht immer tiefer und schneller in einen Konflikt, den er nicht lösen kann. Er kann nicht Milena gerecht werden, die er nach Jahren wiedersieht und von der er sich trotz des Priestergewands nie lösen konnte. Die Katastrophe ist unabwendbar.

Giroud lässt die Handlung bis auf ganz wenige Panel durchgehend im Freien spielen und folgt auch so den Vorgaben der klassischen Tragödie. Davor versteckt sich hinter einer Maske, für die hier sein Priestergewand steht. Als er seine Maske fallen lässt, ist es längst zu spät.

Der Band fesselt ungemein und im Grunde ab der ersten Seite. Die Charaktere sind so, wie wir es auch von den Vorgängerbänden kennen, ungemein profiliert herausgearbeitet.

TBC steht für Tomaz Lavrič, der hier einen Mörderjob ablegt. Dies betrifft nicht nur die ungemein detailreichen Hintergründe, sondern vor allem die zahlreichen Charaktere, denen er allen ein Gesicht gibt. Vor allem der Unterschied zwischen den doch eher jugendlichen Charakteren im Prolog und ihrer Erscheinung nach dem 2. Weltkreig zeigt, dass sie den Krieg alle nicht unbeschadet überstanden haben. Die Mimik der Charaktere wirkt maskenhaft, wie es nun einmal in der klassischen Tragödie Usus war.

Mit seiner Verbindung zur Tragödie verblüfft Giroud seine Leser nicht nur, sondern stellt auch so den Höhepunkt der Serie bisher dar.

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