Eigentlich ist das Leben schön

Beim Stöbern in und durch alte Magazine stößt Seth zufällig auf einen Cartoon von Kalo, der ihn sofort fasziniert. Er sucht nach weiteren Zeichnungen von ihm und findet nicht viel. Auch über Kalos Leben findet er zumindest zunächst nicht viel heraus.

Seth heißt mit bürgerlichem Namen Gregory Gallant. Der vorliegende Band veröffentlicht die Gesamtausgabe seiner beliebten Serie sechsteiligen Serie Palookaville.

Seth schildert seine über Jahre andauernde Recherche nach Leben und Wirken von Kalo. Diese Recherche wird begleitet von den üblichen Ups and Downs, die man nun einmal im Leben durchmacht. Selbstreflektierend und schonungslos sich selbst gegenüber stellt sich Seth als eigenartige, fast schon verkorkste, Persönlichkeit dar, der bisweilen von sich selbst genervt ist. Beispielhaft sei hier das Entstehen und Scheitern seiner Beziehung angeführt. Dies geschieht aber mit einer ordentlichen Portion Selbstironie und Distanz, so dass klar wird, dass Seth hier nicht nach Mitleid sucht.

Als Seth dann herausfindet, dass es sich bei Kalo um Jack Kalloway, einen Kanadier und damit Landsmann, handelt, transformiert die Recherche teilwiese auch zu einer Reise durchs Seths eigene Vergangenheit. Auch hierdurch kommt seine Recherche erst so richtig ins Rollen.

Die stets ruhige Erzählung lebt von der Intensität der Bilder und des Erzählflusses und nicht von einzelnen Höhepunkten. Seth offenbart mit seinem wechselnden Erzählstil zwischen Dialogen, Kommentaren aus dem Off sowie unkommentierten Landschaften ein ganz eigenes Gespür, eine Story zu erzählen, ohne dabei auch nur einmal beliebig zu wirken. Jedes Panel hat seine eigene Aussagekraft. So nimmt er seine Leser mit.

Die Story nimmt ein versöhnliches Ende, versöhnlicher als Kalos Karriere je verlaufen ist. Der vorliegende Band wird durch den Abdruck einiger (weniger) Kalo Cartoons abgerundet. Darüber hinaus verfügt der Band noch über ein Glossar mit Comicfiguren und Künstlern, bei denen ich Will Eisner mit seinem The Spirit vermisse. Insgesamt handelt es sich aber um eine Hommage an die großen Comic Pioniere, die Seth immer wieder gekonnt zitiert.

Ein wenig Wasser muss ich dann doch in den Wein gießen, denn der deutsche Titel Eigentlich ist das Leben schön stinkt gegen den kaum übersetzbaren Original Titel It’s a good life, if you don’t weaken erheblich ab. Ich hätte es mit Das Leben ist schön, wenn Du nicht schwächelst versucht. Vielleicht liegt das aber auch nur daran, dass ich das Wort Eigentlich als Weichspüler so gar nicht mag.

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