Local

 Mit dem vorliegenden Band haben Brian „DMZ, Northlanders“ Wood und Ryan „Lucifer“ Kelly ein beachtliches Werk geschaffen, das aus 12 Stories besteht, die wiederum in 12 verschiedenen Städten der USA spielen und wobei jede Story für sich und jeweils ein Jahr im Leben der Protagonistin steht. Dennoch liefern die 12 Episoden natürlich ein Gesamtbild ab.

Megan, so der Name der Protagonistin, ist auf der Suche nach einer Heimat und zwar in jeder Hinsicht, also physisch wie spirituell. Diese Reise und damit auch der Plot lesen sich wie ein Road Movie. Megan agiert mal allein, mal interagiert sie mit anderen Charakteren, die ihr mehr oder weniger zufällig begegnen und mal agiert sie aus dem Off als Nebencharakter. Wood schöpft die Möglichkeiten, die ihm das Konzept des 12-Teilers bietet voll aus. Ebenso facettenreich ist die Emotionsplatte, die Wood und Kelly darlegen. Die Stories sind mal traurig, mal witzig, mal spannend und auch mal verwirrend, aber in jedem Fall immer zielgerichtet. Der Leser wird Zeuge, wie Freundschaften entstehen und auch wieder verfallen. Je nach Erfordernis schildert Wood eine Beziehung mal tiefgründig, mal oberflächlich. So nehmen Wood und Kelly den Leser mit auf Megans Reise, die eine emotionale Achterbahn ist. Natürlich braucht solch ein Plot einen versöhnlichen Abschluss, den Wood auch findet. Megan macht schließlich ihren Frieden und findet ihren Platz, was sich auch zunehmend in ihrer sich stetig verändernden Körpersprache äußert. Ihre Selbstfindung geschieht nicht wirklich überraschend. Überraschend ist eher, wie und wo dies geschieht.

Die Orte, an denen die jeweilige Handlung spielt, sind nicht zufällig gewählt und gehen mit dem Plot eine Symbiose ein.

Ohne das großartige schwarz-weiß Artwork Kellys, der diese weite Emotionspalette zum Leser transportiert, würde Local nicht funktionieren. Dies betrifft aber nicht nur den dynamischen Strich, sondern auch die großartige Panel Architektur Kellys. Es ist erstaunlich, wie viel Wert Kelly auf die Hintergründe in den Panels legt. So gestaltet er jeden Handlungsort individuell und macht ihn so zu einem „lokalen Ereignis“. Ohne diesen Ansatz würde der Band auch nicht wirklich funktionieren.

Local ist ein Band, der jeden Leser auch über das Lesen hinaus beschäftigt. Jeder, der einmal selbst in irgendeiner Hinsicht seine Heimat gesucht hat, wird sich auf die eine oder andere Art und Weise in mindestens einer der 12 Stories wiederfinden.

Auf Deutsch ist dieser Band übrigens beim Leipziger Verlag Eidalon erschienen.

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