Zehn Gebote # 6: Ein Kind reicher Leute

 Nach dem christlichen Glauben hat Moses die 10 Gebote am Berg Sinai direkt von Gott empfangen und auf Steintafeln geschrieben.

Folgt man Giroud, hat auch Mohamed 10 Gebote für den Islam hinterlassen und auf Kamelknochen geschrieben.

Giroud hat auf dieser Basis eine Comicserie mit jeweils unabhängigen und sich auf die einzelnen Gebote beziehenden Plots geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist bei comicplus erschienen.

Das sechste Gebot lautet: Du sollst Deinen Vater und Deine Mutter ehren!

Auch mit der sechsten Ausgabe hält Giroud das hohe Niveau dieser beispiellosen Konzeptserie.

Wir befinden uns mittlerweile im Jahr 1902 und begeben uns also weiterhin in der Zeit zurück. Auf einer Überquerung des Ozeans in die USA lernen sich ein reiches und ein armes Ehepaar kennen. Beide Mütter sind schwanger und gebären ihre Töchter auf der Überfahrt. Als das Schiff in Seenot gerät und kentert, kommt eines der Mädchen ums Leben, während das andere überlebt. Ca. 20 Jahre später kommen die lang verheimlichten Ereignisse ans Licht.

Was sich zunächst wie ein Titanic Ableger für Arme und in der Folge wie eine Soap Opera anlesen mag, ist tatsächlich eine fein strukturierte und sorgsam konzipierte Story mit zahlreichen Wendungen, die mal vorhersehbar, mal überraschend sind. besonders die Charaktere hat Giroud sehr präzise durchstrukturiert. Und was den Plot dann eben doch nicht zu einer billigen Soap oder zu einem noch billigeren Titanic Abklatsch macht, ist der Kniff, dass aus dieser Story weder jemand unbeschadet hervorgeht noch eine scharfe schwarz/weiß Zeichnung der Charaktere vorgenommen wurde. Alle Charaktere befinden sich in der Grauzone und loten diese mal in die eine, mal in die andere Richtung aus. Selbst die „armen Leute“, die in solchen Stories ja meist die guten sind, haben ein düsteres Geheimnis und schrecken vor nahezu nichts zurück.

So ist es allein schon aus diesen Gründen für Alice, die Protagonistin der Story, eigentlich unmöglich, ihre Eltern zu ehren, denn sie fördert nach und nach die Wahrheit ans Licht. Dennoch ehrt sie am Ende ihre Mutter und auch das ist eher ein bitteres Happy End mit allen Begleiterscheinungen.

Giroud belässt es natürlich und nur folgerichtig bei „Nahik“, dem sagenumwobenen Buch, als verbindendem Element zwischen den Einzelepisoden und rotem Faden dieser Serie. Hierzu gehört es auch, dass es natürlich mehrere male den Besitzer wechselt. dabei bleibt es nach wie vor offen, ob Nahik ein verwunschenes Buch ist, das seinem jeweiligem Eigentümer nur Unglück bringt, oder ob sich die Ereignisse eher zufällig um den Eigentümer von Nahik zutragen, bleibt dahingestellt. Gerade dies halte ich für einen gelungenen Ansatz, weil es nun an uns als Leser ist,. sich hierüber Gedanken zu machen. dazu zählt auch das Schlusspanel, das dann doch indirekt eine Verbindung zum Titanic Unglück sucht.

Mit Mounier hat sich Giroud einen Zeichner ausgesucht, der bestens in das Konzept der Serie passt. Seine Zeichnungen stellen immer wieder die Charaktere samt ihrer Emotionen in den Vordergrund.

Alles in allem bietet auch Band # 6 eine spannende Story auf höchstem Niveau.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s