Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (Movie)

 Als man wohl dachte, Comicverfilmungen seien ein sehr kurzzeitiges Phänomen aus dem in der gebotenen Zeit, möglichst schnell, möglichst viel Kohle rauszuziehen, entstand wohl dieser Film, der der Comicvorlage Alan Moores den eigentlichen Inhalt und Sinn mit einer Nachhaltigkeit entzieht, wie sonst ein Zombie Hirne verspeist.

Doch auch hier hübsch der Reihe nach: Alan Quatermain (Sean Connery) führt eine Gruppe gegen einen zunächst Unbekannten, der die Welt ins Chaos stürzen will. Diese Figuren sind Charaktere der Weltliteratur wie bspw. Captain Nemo, Dr. Jekyll/Mr. Hyde, Dorian Gray, dem Unsichtbaren und Mina Harker (aus Bram Stokers Dracula).

Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen

Die Handlung kommt in diesem Effektspektakel viel zu kurz. So kurz, dass ich eigentlich keine Lust habe, mir darüber Gedanken zu machen, ob dieser Film nur einfach schlecht vom Regisseur inszeniert wurde oder ob das Drehbuch einfach nicht mehr hergegeben hat. Der an für sich glänzend besetzte Cast wirkt auch entsprechend unterfordert.

Die Aspekte, dass zunehmende Technisierung die Welt und auch die Menschen zum Ende des vorletzten Jahrhunderts nachhaltig verändern wird und zwar so konsequent nachhaltig, dass sie wenige Jahre später in den 1. Weltkrieg schlittern wird, wird bestenfalls angerissen.  Oder anders: Man muss die Comicvorlage kennen, um diesen Anriss überhaupt zu realisieren. Dabei hätte man mit dem Panzer in London, den es 1899 noch nicht gab, jede Chance gehabt, auf solche Anachronismen einzugehen. Schließlich geht es um nicht weniger als um die Weltherrschaft. Wahrscheinlich ist der Film daran gescheitert, dass die primäre Zielgruppe diese Figuren der Weltliteratur nicht oder nur kaum kennt. Hierzu gehört dann auch die Tiefe eines Captain Nemos, die inneren Abgründe eines Dr. Jekyll oder auch die Sehnsucht nach der ewigen Jugend eines Dorian Gray. Doch die gewaltigen Charaktere der Weltliteratur werden dadurch beschädigt bzw. schrumpfen auf die Größe eines Testfahrers bei Matchbox. Natürlich kann und darf Regisseur Norrington nicht die volle literarische Strahlkraft der Charaktere in den Film einbringen, weil sich sonst wohl kaum mehr als eine Handvoll zahlende Zuschauer in den Film verlaufen hätte, aber sich für das grobe Gegenteil zu entscheiden, ist dann auch wieder zu billig und kurz gesprungen.

Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen Einzig Sean Connery darf seinen Charakter etwas tiefgehender ergründen, während der mehr oder weniger erwachsene Tom Sawyer auf einen schießwütigen Cowboy reduziert wird. Auch die Spannungsfelder innerhalb der Gruppe werden bis auf eine Ausnahme, die sich auf die Fahndung nach dem Verräter beschränkt, völlig vernachlässigt. Schade, eine weitere verpasste Gelegenheit, um dem Film etwas mehr Glanz zu verleihen. Und kann mir einer erklären, warum aus Dr. Jekyll als Mr. Hyde eine Mischung aus Hulk und Quasimodo werden muss?

Als simples Actionspektakel funktioniert der Film sogar recht ordentlich. Da hat Norrington eindeutig seine Stärken und kann sie auch dank eines ordentlichen Budgets entsprechend ausspielen.

Immerhin darf man sich als Betrachter des Films für ein paar Minuten darüber Gedanken machen, wer der Verräter der Gruppe ist. Und auch am Ende des Films können wir uns mit der Frage befassen, ob Quatermain wieder aufersteht. Schließlich wackelt nach der Beschwörung eines Schamamen sein Grabhügel bedenklich. Außerdem wurde ihm von einem Schamanen prophezeit, dass ihn Afrika niemals sterben lassen wird.

Gedreht wurden wesentliche Teile des Films übrigens in Prag während der seinerzeitigen Jahrhundertflut. Daher mussten die Dreharbeiten für 4 Wochen unterbrochen werden.

Doch auch dieser Film hat eine gute Seite: Ähnlich, wie bei der misslungenen The Spirit Verfilmung, habe ich nun richtig Lust darauf, mir Alan Moores Meisterwerk mal wieder zu Gemüte zu führen.

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3 Gedanken zu “Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen (Movie)

    • Vielen Dank für den Kommentar. Als Film funktioniert das Ganze ja auch leidlich, als Comicverfilmung mit der Betonung auf „Comic“ geht der Streifen eigentlich gar nicht. Aber wie pflegte schon meine Oma zu sagen: Alles Geschmackssache, sprach der Affe und biss in die Seife :D.

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