Zehn Gebote # 8: Nahik

 Nach dem christlichen Glauben hat Moses die 10 Gebote am Berg Sinai direkt von Gott empfangen und auf Steintafeln geschrieben.

Folgt man Giroud, hat auch Mohamed 10 Gebote für den Islam hinterlassen und auf Kamelknochen geschrieben.

Giroud hat auf dieser Basis eine Comicserie mit jeweils unabhängigen und sich auf die einzelnen Gebote beziehenden Plots geschrieben. Die deutsche Ausgabe ist bei comicplus erschienen.

Das achte Gebot lautet: Sei großherzig gegenüber den Schwachen, den Bedürftigen und den Armen im Geiste!

Weiter geht es auf der Reise zurück. Wir befinden uns in den Jahren 1813/1814. Napoleons Feldzug gegen Preußen ist längst zum Erliegen gekommen. Und auch die Moral in der Heimatfront bröckelt allmählich. Die Konsequenz ist längst bekannt. 1815 sollte Napoleon bei Waterloo seine letzte Schlacht schlagen und verlieren. Doch dieser Aspekt der Zeitgeschichte hat mit dem vorliegenden Band schon längst nichts mehr zu tun.

Erneut legt Giroud eine begeisternde Handlung vor, in dem er, wie wir das auch schon von den vorangegangenen Bänden kennen, Fiktion und Historie geschickt vermischt.

General Fleury hat auf einem Schlachtfeld in Deutschland ein Bein verloren und ist nach Hause zurückgekehrt. Dort kommt er mit seiner Frau, Ninon, und seinem Sohn, Benjamin,  bei seinem Schwager, Hector, der ein überaus erfolgreicher Schriftsteller ist, unter. Hector pflegt seinen Bruder, Eugene, der offenbar vom Krieg traumatisiert ist. Nach und nach kommt aber Ninon hinter ein Geheimnis, das alles unter einem anderen Licht erscheinen lässt.

Die Handlung des achten Bandes erinnert sehr an den klassischen Aufbau einer Novelle. Wir haben eine von Hector erschaffene Intrige, mit dem vermeintlichen Kamelknochen haben wir einen Falken und das Befolgen bzw. Nichtbefolgen des achten Gebots stellt den roten Faden dar.

Daneben haben wir auch klassische Nebenstränge, die den Plot aber bereichern. Da sind zum Beispiel die hochdekorierten, aber auch kriegsversehrten Offiziere, die nach wie vor an Napoleon in einer gewissen Verblendung glauben, aber auch nichts mehr tun können, um einen Krieg, der eigentlich schon verloren ist, doch noch wenden zu können.

Mit der Hypnose fügt Giroud eine Wissenschaft hinzu, die Anfang des 19. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen steckte. Und interessanterweise war Frankreich gerade zu der Zeit, in der diese Story stattfindet, führend auf diesem Gebiet. Nicht umsonst ist „Trance“ dem französischen entliehen. Tatsächlich hielt man seinerzeit Hypnose für eine Form des Schlafs.

Etwas überrascht war ich von der fast schon stakkatoartig erzählten Auflösung . Allerdings habe ich keine andere Idee, wie Giroud dies hätte angehen können, ohne wesentlich mehr Seiten zu benötigen oder die Zusammenhänge nicht aufzuzeigen. Doch auch das Dènouement einer Novelle wird oft verkürzt dargestellt.

Am Ende muss Hector natürlich für seine Taten, die die Intrige darstellen und logischerweise das Nichtbefolgen des Achten Gebots darstellen, bezahlen. Doch auch Ninon kommt nicht unbeschadet davon.

Weiterhin verfestigt sich die Serie in ihrem Gesamtbild zu einem äußerst klugen und durchdachten Konstrukt.

Zeichnerisch macht Rollin da weiter, wo seine Vorgänger aufgehört haben. Die Zeichnungen, die die Charaktere stets betonen, werden in den Vordergrund gestellt. Hintergründe sind durchaus vorhanden, aber Charaktere haben nach wie vor Priorität. Auch dies ist Teil der Gesamtkonzeption.

Jetzt, da wir erfahren, wie es zu dem Roman „Nahik“ kam, darf man als Leser gespannt sein, was uns Giroud noch zu erzählen hat, um seine Serie abzurunden.

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