isoundwords # 27: Die Eine über die, wo der Comic noch haust (20 Jahre T3)

Als ich diese Kolumne schreibe, hat der FIFA Skandal nun auch den DFB erreicht. Das Thema ist viel zu komplex, um es hier in einem Absatz abzuhandeln. Daher beschränke ich mich hier darauf, dass man mir das „Sommermärchen 2006“ nicht vermiesen kann, weil ich dank eines gewissen Herrn Klinsmann nie daran geglaubt habe.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Und schon muss ich noch eine Schleife drehen. Eigentlich wollte ich hier und heute über die Buchmesse schreiben. Doch dort wird das Thema „Comic“ mittlerweile so kleingeschrieben, dass es kaum noch etwas zu schreiben gibt. Sollte jedoch das Comiczentrum, das nunmehr den Abstieg zu einem Comicbüdchen erfolgreich vollzogen hat, ein Comeback feiern, werde ich der Erste sein, der auch darüber mit Freude berichtet. Allerdings habe ich das Gefühl, dass weder Messe noch die Verlage, für die Frankfurt schon immer mehr Arbeits- als Publikumsmesse war, dies überhaupt ernsthaft in Betracht ziehen. Schade!

Also schauen wir uns doch lieber einen Platz an, wo der Comic noch zuhause ist. Und was wäre da besser geeignet als Frankfurts Comicladen Nummer 1, das Terminal Entertainment Frankfurt (kurz T3)?

20 Jahre ist es nun her, als Gerhard Kurowski, Wolfgang Brenner und Ekki Helbig das T3 gründeten und die Verkaufsräume in der Großen Eschenheimer Str. 41a am Fuße des Eschenheimer Turmes bezogen. Bis heute ist das T3 nicht umgezogen. 20 Jahre sind eine lange Zeit und ich habe nicht die geringste Ahnung, wie viele Geschäfte in der Nachbarschaft des T3 ihre Räumlichkeiten bezogen und wieder verlassen haben. Kurzum, das T3 ist die Konstante in dieser Gegend, die ja selbst über Jahre eine sich ständig wandelnde Baustelle war. Ich möchte da nur an die Erneuerung des Bürgersteigs, die dringend nötig war, erinnern. Hinzu kamen das MyZeil und die Sperrung der Hauptwache für den Durchgangsverkehr. Letztere Maßnahmen führe ich auch auf, weil sie dem T3 neben den Stammkunden mehr Laufkundschaft brachten – ein Effekt, den man nicht unterschätzen sollte.

Natürlich frage ich mich auch, was das Erfolgsgeheimnis des T3 ist. Und je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass es ein Erfolgsgeheimnis bzw. Patentrezept gar nicht gibt. Es gibt viel mehr ein Puzzle, das sich aus vielen Teilen und Teilchen zusammensetzt und schlussendlich ein Gesamtbild abgibt.

Ein wesentlicher Teil dabei ist, dass das T3 mit Comics zwar ein Nischenprodukt verkauft, das gar nicht mehr so „Nische“ ist (aber das ist vielleicht ein Thema einer der nächsten Kolumnen), aber sich trotzdem hinter den Comics nicht auf eine Wohlfühloase  zurückzieht, sondern sich und den Markt stets beobachtet und auch sich und das Sortiment immer wieder anpasst. Hierzu zählt nicht nur der Merchandise, sondern auch die Tatsache, dass Ekki einer der ersten war, der auf den „Graphic Novel“ Zug aufgesprungen war. Man mag sehr gern über die Graphic Novel als eigenständige Form des Comics geteilter Meinung sein, aber zweifellos hat die Begrifflichkeit geholfen, Comics zu verkaufen und auch außerhalb der Nische „Comic“ zu platzieren.  Dies hat Ekki erkannt und sich seinerzeit kurzerhand zum Mitglied der „Graphic Novel Mafia“ erklärt. Auch hier gilt, dass Graphic Novel Thema einer Kolumne in 2016 werden könnte.

Daneben darf man natürlich nicht das Riesenangebot an US-Comics unerwähnt lassen, die man im Keller vorfindet. Wenn wir dann von permanenter Anpassung des Sortiments sprechen, kommt man auch nicht an dem großen Angebot an Spielen vorbei. Hier hat das T3 ein Vakuum erkannt, da es in der Frankfurter Innenstadt keinen Spieleladen gibt, und sich darüber ein neues Standbein erschlossen. Dieses Standbein ist nun so gewachsen, dass das T3 die Verkaufsräume erweitern und den Nachbarladen beziehen wird, um dort Spiele anzubieten. Die so freigezogenen Flächen innerhalb des T3 werden dann genutzt, um noch mehr Comics anzubieten. Dabei möge man sich bitte vor Augen führen, dass heutzutage die meisten Geschäfte oder Betriebe ihre Flächen optimieren, um sie tatsächlich zu verkleinern. Ich räume hier gerne ein, dass ich solche Schritte gegen den allgemeinen Trend mag. Gerade weil heutzutage in freie Geschäftsräume doch eher Asia Snack Points, Nagelstudios oder Massagestudios einziehen. Als gäbe es davon nicht schon genug.

Natürlich ist der Einzelhandel generell ein hartes Geschäft. Dass der Comicmarkt heute so groß wie noch nie ist, macht diese Sache paradoxerweise nicht zwingend leichter. Die Bedürfnisse der Kunden antizipieren ist schon eine Kunst. Ich weiß, dass sich Ekki manchmal seine grauen Zellen zermartert, welche Titel in welcher Anzahl zu bestellen und auch nachzubestellen sind. Sicher, schlimmer geht immer und es gibt bestimmt Arbeiten, die weitaus unerfreulicher sind, aber wir dürfen hier nicht verkennen, dass das harte Arbeit ist und zwar Woche für Woche. Ekki kann zwar auf Kundenwunsch jeden lieferbaren Titel bestellen, aber im Grunde gilt seine Binsenwahrheit, dass „ich erstmal nur das verkaufen kann, was auch da (im Laden) ist“.  Dieses Puzzleteilchen bekommt sogar noch einen völlig anderen Zuschnitt. Diese harte Arbeit wird für den Kunden nicht sichtbar und so kommen wir zu den oft unterschätzten „soft skills“. Da sieht das Betreiben des Ladens nach „Spaß“ und eher leicht und locker aus. Zweifellos gibt es diesen Spaß auch, sonst könnte man das nicht glaubhaft darstellen und rüberbringen, aber den Aufwand dahinter sollte man nicht unterschätzen. Dieser Spaßfaktor ist es schließlich auch, der dem Kunden das Gefühl gibt, nach Hause zu kommen. Hiermit meine ich nicht nur das Gefühl, willkommen zu sein, sondern auch wirklich im T3 gut aufgehoben zu sein. Sollte ich also bei einem atomaren Erstschlag in Frankfurt sein, würde ich erst gar nicht die überfüllten Bunker, sondern das T3 mit der festen Überzeugung aufsuchen, dass sowohl Explosion, als auch Strahlung einen Riesenbogen ums T3 schlagen werden. Und zu lesen hätte man auch genug, um die Halbwertzeiten abzuwarten. Glaubt man einem T3 Cover, sieht das bei Godzilla allerdings etwas anders aus. Dies war eine Sonderaktion anlässlich des Comic Neustarts des japanischen Ungeheuers des US-Verlags IDW. Teilnehmende Comicläden durften sich auf dem Cover von Godzilla zertrampeln lassen. Das T3 war der einzige Laden auf Kontinentaleuropa, der teilgenommen hatte. Und was soll ich sagen? Natürlich war die Aktion ein Erfolg. Man achte nur auf das Halteverbotsschild, das auch in der Realität vor dem T3 steht. Grandios!

Zu dem Gefühl, im T3 gut aufgehoben zu sein, zählt auch, dass man dort als Kunde ehrlich beraten wird. Wenn ein Titel nicht die Erwartungen erfüllt, sind Ekki und Kollegen ehrlich und raten auch schon mal, die Finger davon zu lassen. Merke, Verkaufszahlen sind wichtig, aber nicht immer alles. Denn ein Kunde, der sich heute schlecht beraten fühlt, ist vielleicht morgen schon keiner mehr. Dies bedeutet auch, dass die Beratung individuell für den Kunden erfolgen muss. Nachhaltigkeit ist hier das Stichwort.

Doch auch der enge Kontakt, der zu den Verlagen gehalten wird, ist gerade heutzutage extrem wichtig. Dabei profitieren von dem regen Informations- und Erfahrungsaustausch beide Seiten; das T3 und die Verlage.

Als langjähriger Kunde habe ich auch so manche Anekdote erlebt. Einige sind zu persönlich, um sie hier zu veröffentlichen und fallen dann auch unter die Kategorie „Insinderwitz“, aber es gibt dann doch ein paar, die durchaus hier erzählt werden können.

Da wäre z.B. der erste Signiertermin von Joscha Sauer anlässlich von Nicht Lustig # 4. Mann, das hatten wir bei der Planung (und ich beziehe mich bewusst mit ein) gewaltig unterschätzt. Viele Interessierte, die über Joschas Facebook Aufruf folgten, waren nicht angemeldet und damit logischerweise nicht auf Ekkis Schirm. Und genau die kamen gleich zu Beginn des auf 8 (!) Stunden angesetzten Signiertermins. Es bildete sich also sofort eine gewaltige Schlange, die erst allmählich abebbte, um dann gleich wieder stoßartig anzuwachsen. Natürlich hat jeder seine Zeichnung bekommen, aber stressig war’s. Beim zweiten Termin, der dann wesentlich besser und entspannter lief, vereinbarte Ekki Uhrzeiten in Form von einstündigen Zeitspannen mit den Kunden. Das lief wesentlich ruhiger und strukturierter für alle Beteiligten, auch für Joscha, ab.

Generell verlaufen die Signiertermine im T3 aber sehr, sehr gut und glänzend organisiert ab. Das kann ich beispielsweise dadurch untermauern, dass Darick Robertson das T3 als Motiv in einer Ausgabe der legendären Serie Transmetropolitan verwendet hat.  Die Signiertermine sind übrigens ein weiteres Mosaiksteinchen im T3 Erfolgspuzzle. Wer aber glaubt, dass all diese Puzzleteile die Blaupause für einen erfolgreichen Comicladen sind, würde bei einer Kopie gewaltig Schiffbruch erleiden. So etwas muss wachsen und das kostet Zeit, Geduld und bestimmt manchmal auch Nerven.

Zu meinen persönlichen Highlights im T3 zählten bisher die Ausgabe von Comics anlässlich des 1. Gratis Comic Tags (gibt es etwas Schöneres als Comics verschenken zu dürfen?) und natürlich meine Aushilfe an einem Adventssamstag. Natürlich kam ich direkt eine Stunde zu spät. Seinerzeit wohnte ich noch im Vogelsberg und ich musste erst noch den Streudienst abwarten. Völlig zurecht erntete ich hierfür Ekkis nicht völlig ernst gemeinten Hohn und Spott.

Beinahe schon zwangsläufig gibt es natürlich auch ein paar Gebiete, bei denen man eben nicht auf einer Wellenlänge funkt.

Wenn ich versehentlich Wolfgang, der permanent im T3 unterwegs ist (gut, dass er nicht nach seiner Laufleistung bezahlt wird, das wäre nämlich nicht zu stemmen), mal wieder im Wege stehe, stellt er sich hinter mich und singt schief. Und er kann schief singen, wenn er will.

Gerhard und ich sind FC Bayern Fans – mia san mia-, aber bei David Alaba scheiden sich unsere Geister. Er hält ihn wahrhaftig für einen guten Fußballer, während ich ihn für überschätzt halte. Wer’s mir nicht glaubt, schaue sich nur die erste Minute vom Spiel in Hoffenheim an. Das langt völlig und erspart dem Betrachter und unter denen im Besonderen die Fußball Ästhetiker die vielen Freistöße, die in den 5.-7. Rang gehen.

Bei Ekki ist es die Musik. Einer der besten Comichändler auf Gottes Erdboden ist nicht wirklich ein guter DJ. Zu seinem Protest hat ihm das auch schon den Spitznamen „Reggae Ekki“ eingebracht.

Wer jetzt aber die letzten 3 Absätze ernst genommen hat, sollte den Ironiemodus einschalten und dann nochmal lesen.

In einem nie veröffentlichten Beitrag zum 15 jährigen Jubiläum habe ich es mal so formuliert:

Das Lied von Eintracht Frankfurt heißt „Im Herzen von Europa“. Die Zeil liegt wiederum im Herzen von Frankfurt, in deren unmittelbarer nähe das T3 beheimatet ist.  Folglich ist das T3 das eigentliche Herz von Europa.

Leider, leider sind meine Besuche des T3 rar geworden und haben in jüngerer Vergangenheit gar nicht mehr stattgefunden, aber allein das Schreiben dieser Kolumne hat mich dazu gebracht, dies wieder zu ändern.

Zum guten Schluss bleibt mir nur noch, mich beim T3 bestimmt auch im Namen vieler Kunden für alles zu bedanken und natürlich alles Gute und viel Erfolg für die nächsten 5 Jahre zu wünschen. Wenn es dann noch diese Kolumne gibt, wird es hierzu auch wieder einen Beitrag geben.

Als Lesetipp gibt es heute izombie # 1. Die Comicserie ist völlig anders als die gleichnamige TV-Serie, aber mindestens genau so mitreißend.

Als Musikgruß gibt es heute etwas, was zu einem Geburtstag passt.

Die nächste isoundwords erscheint am 27.11.2015 und wird den Titel tragen: Die Eine über die Geschenketipps zu Weihnachten 2015.

Bis dahin: Lest mehr Comics (und kauft sie am besten im T3)!

Das war für heute isoundwords.

2 Gedanken zu “isoundwords # 27: Die Eine über die, wo der Comic noch haust (20 Jahre T3)

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