Asterix # XXXVI: Der Papyrus des Caesar

Gerne bekenne ich mich dazu, ein alter Sack zu sein, d.h. ich habe Asterix schon als Kind gelesen. Als Goscinny 1977 überraschend und viel zu früh starb, wollte ich das zunächst nicht glauben. Uderzo ist ein genialer Zeichner und wird es auch für mich immer bleiben. Doch ein brillanter Autor ist er nie gewesen. Der Respekt vor seinem Lebenswerk als Zeichner verbietet es mir, hier und jetzt näher darauf einzugehen. An anderer Stelle werde ich dies aber vielleicht noch tun müssen.

Asterix # 35 war ein Übergang, da Uderzo noch an der Entwicklung beteiligt war. Der Band entstand unter enormem Zeitdruck und leider muss man feststellen, dass man als Leser dies auch an der einen oder anderen Stelle merkt. Dort knirscht der Plot.

Folglich wurde der Druck auf Asterix # 36 nicht wirklich geringer. Uderzo hat sich als Übervater komplett in den wohlverdienten Ruhestand zurückgezogen, so dass uns erstmals ein Band vorliegt, an dem die beiden Schöpfer der Gallier nicht beteiligt waren. Hinzu kamen Vorgaben des Verlages zur Auflage und eine in sich völlig verzankte Erbengemeinschaft. Günstige Startbedingungen sehen anders aus.

Dennoch war meine Erwartungshaltung hoch. Schließlich handelt es sich ja um Asterix und h nach all den Jahren wurde ich nicht enttäuscht. Jean-Yves Ferri hat sich eine wirklich sensationelle Story einfallen lassen, die Realität und Fiktion vermischt.

Caesar hat seinen PR-Berater Syndicus in seinen Palast bestellt. Syndicus ist mit Caesars Bericht über den Gallischen Krieg nicht völlig einverstanden. Er empfiehlt Caesar, um seinen Nimbus der Unbesiegbarkeit zu erhalten, dass Caesar das Kapitel um ein Dorf unbeugsamer Gallier streicht. Caesar folgt dem Rat. Doch einer der Schreiber behält eine Papyrus Rolle für sich. Polemix erhält die Papyrus Rolle und will sie veröffentlichen.

Wie genial ist dieser Ansatz! De Bello Gallico ist weltberühmte Literatur und Generationen von Latein Schülern mussten sich wohl durch Caesars Werk quälen und manchmal glaube ich, dass ich der einzige bin, dem das Spaß gemacht hat. Der Rubikon sowie das noch berühmtere veni, vidi, vici sind längst Bestandteil unseres Sprachschatzes geworden. Und so ganz nebenbei: Die Liste der Persönlichkeiten, die wegen ihrer Berater gescheitert sind, dürfte fast so dick sein wie das New Yorker Telefonbuch.

Bei dem Enthüllungsreporter Polemix handelt es sich um Julian Assange. Auch Polemix möchte schließlich über ein Leak berichten. Doch damit nicht genug. Wie schon selbstverständlich finden wir Anspielungen auf Geheimdienste und Spionage. Des Weiteren lernen wir einen Brieftaubenserver sowie den Vorläufer von Twitter kennen. Generell machen die Anspielungen auf die heutige Medienwelt ungeheuer Spaß. SMS werden per Brieftauben verschickt und das Röhrophon leitet ein Notstandsprotokoll ein und ist der Vorläufer des heutigen Tweets.

In der einschlägigen Presse spricht man auch schon von Gallileaks. Schade, dass ich nicht auf das geistreiche Wortspiel gekommen bin.

Miraculix beschließt, dass die Geschichte, die auf dem Papyrus niedergeschrieben wurde, nach alter Druiden Sitte weitererzählt, also von „Mund zu Ohr“, werden muss. Er erzählt die Geschichte seinem alten Lehrmeister Archeopterix (genial, ihn nach dem Namen eines Flugsauriers zu benennen). Dieser beschwert sich zwar, dass seine Kapazitäten nahezu erschöpft sind, aber speichert die Geschichten dennoch in seinem Kopf ab. Nun kann dies von Generation zu Generation, von Druiden zu Druiden weitergegeben werden.

Hinzu kommen noch so geniale Wortschöpfungen wie Datenflus und Antivirus. Schmunzeln musste ich auch über Methusalix und Obelix, die ihr Leben nach dem Horoskop der Klatschpresse ausrichten. Obelix quält sich folglich mit einer Pilzdiät herum, während Methusalix ständig zu neuen Eroberungen aufbrechen will. Gutemine dagegen wähnt sich als den wahren Chef im Dorf, der sie auch immer wieder ist. Ähnliches durften wir hin und wieder auch in älteren Ausgaben zu lesen, aber nicht in dieser emanzipatorischen Konsequenz.

Ferris Story gewinnt so im Fortlauf immer mehr an Dynamik. Natürlich erhält Caesar seinen Papyrus zurück, so dass De Bello Gallico in der Form vorliegt, wie wir ihn heute kennen und sonst wäre sein veni, vidi, vici nie zu dem geflügelten Spruch geworden, der er heute ist.

Normalerweise ist es für mich wichtig, dass ein Asterix Abenteuer mit einem Festmahl endet. Maximal darf es dann noch ein Panel mit einem gefesselten Troubadix als eigenes Panel oder als Bild im Bild geben. Ferri und Conrad legen uns aber noch ein Postskriptum vor, das so genial ist, dass ich nach 5-sekündigen ungläubigen Staunens laut lachen musste. Auch wenn die Schlusspointe nun nach fast 2 Wochen nach Erscheinen des 36. Asterix Abenteuers bekannt ist, möchte ich sie nicht verraten. Doch egal, was Ferri und Conrad uns noch vorlegen werden, bin ich mir sicher, dass sie sich damit allein unsterblich gemacht haben, weil sie sich vor Uderzo und Goscinny verneigen.

Generell zünden Ferris Gags auf jeder Seite und wirken bei weitem nicht so bemüht und vordergründig wie in den letzten Geschichten. Lediglich das Wortspiel „taub“ und „Taube“ zündet so gar nicht, aber vielleicht ist das eher ein Problem der Übersetzung.

Zeichnerisch orientiert sich Conrad an den Vorgaben des Altmeisters Uderzo, aber mit dieser Ausgabe schwimmt er sich auch ein wenig frei. Da ist zum Beispiel geglückt bei der Schilderung des Karnutenwalds, als zum Beispiel die Römer von einem Einhorn gejagt werden und funktioniert etwas weniger gut bei der Darstellung von Asterix, dem in dem einen oder anderen Panel plötzlich der Hals abhandengekommen ist. Oder waren das die Römer?

Auch Miraculix wirkt optisch etwas verändert. Besonders seltsam empfand ich seinen Bart, als er und Asterix einen Zaubertrank schluckten, damit sie schneller ins Dorf zurück rennen konnten. In diesen Panels sieht Miraculix aus, als sei sein Fön explodiert. Dabei wurden zu der Zeit die Haare garantiert noch luftgetrocknet. Dennoch hoffe ich, dass der Zaubertrank eine legale Form des Dopings darstellt.

Doch dies ist Meckern auf sehr, sehr hohem Niveau!

Ferri und Conrad kann ich für dieses Abenteuer nicht genug danken. Sie haben einem alten Sack, den Asterix aus der Kindheit zurückgebracht. Und das tut verdammt gut.

Ich hoffe, dass weitere Abenteuer folgen werden. Dabei bin ich mir sicher, dass sie ähnlich angelegt sein müssten, da Asterix und Obelix schon so ziemlich jedes Volk der Welt besucht haben. Schließlich waren es auch die Szenen im Dorf, die bereits in Asterix # 35 funktioniert und viel besser gewirkt haben als das Abenteuer bei den Pikten.

Asterix ist mit diesem Abenteuer jedenfalls wieder voll auf Kurs, beim Teutates!

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