Der arabische Frühling

Arabische Fruehling 000Der arabische Frühling 2011 brachte das Ende für einige Diktatoren der arabischen Welt. Hiervon berichten Jean-Pierre Filiu und Cyrille Pomes ungemein detailliert. Ich bilde mir nun wirklich ein, den arabischen Frühling mit all seinen Entwicklungen aufmerksam verfolgt zu haben, aber einige Details in der Schilderung haben mich doch sehr überrascht, teilweise verblüfft.

So war mir der Trigger des arabischen Frühlings nicht bewusst. Am 17.12.2010 wurde die Ware eines Obsthändlers von der tunesischen Polizei beschlagnahmt. Was für Mohamed Bouazizi natürlich eine Katastrophe war, wäre normalerweise in einem Geschichtsbuch nicht mal eine Randnotiz wert. Doch dann übergießt er sich vor der Präfektur mit Terpentin und entzündet sich mit einem Streichholz. und dieses Streichholz entflammt wie ein Lauffeuer die arabische Welt.

Generell stehe ich ja dem Begriff Graphic Novel neutral gegenüber. Doch hier passt er einfach nicht. Es handelt sich nämlich bei dem vorliegenden Band vielmehr um eine Dokumentation als um eine Erzählung. Betrachtet man sich aber die Vita von Filiu ist das eigentlich keine Überraschung. Filiu ist als Experte für die arabische Welt Historiker und war als Diplomat in Jordanien, Syrien und Tunesien eingesetzt.

So ist auch der vorliegende Band hiervon geprägt. Wer also leichte Kost erwartet, ist hier schlichtweg fehl am Platz. Teilweise hat mich der Band an einen alten Focus Werbeslogan erinnert: Fakten, Fakten, Fakten. Okay, es kommt dann noch eine Datenflut hinzu. Ich gebe gerne zu, dass ich 3 Kapitel gebraucht habe, bis ich mich auf diese Erzählweise eingestellt hatte und habe dann auch gleich nochmal mit dem Lesen des Bandes begonnen.

Sehr gut herausgearbeitet wird, dass sich gerade der Westen eine Menge davon versprochen hatte, dass die Despoten gestürzt wurden. Doch entweder wurden die Diktatoren von Militärs oder auch nur von dem nächsten Diktator ersetzt. Der Weg dahin hat das eine oder andere Land ins Chaos, sprich in den Bürgerkrieg, gestürzt.

Wer also bei diesem Band zugreift, sollte sich dessen bewusst sein und keine emotionale oder gar reißerische Erzählung erwarten. Wer sich generell für das Thema interessiert, wird sein wissen erweitern können.

Die Illustrationen von Cyrille Pomes sind unglaublich gut und treffen vor allem die Akteure in der arabischen Welt aufs Haar. Sie lockern dann auch die doch spröde Erzählweise merklich auf.

Gewundert habe ich mich darüber, dass der Sturz von Saddam Hussein durch den Einmarsch der USA nicht thematisiert wurde. Für mich ist das bis heute der Beginn der Destabilisierung, auch wenn dies einige Jahre früher geschah, aber historische Entwicklungen brauchen manchmal ihre Zeit. Doch wer bin ich, wenn dies ein Historiker offenbar anders einordnet?

Thematisiert wurde dagegen die Gründung des Staates Israel, den die arabische Welt auch immer als Bedrohung und auch als Einmischung durch die westliche Welt angesehen hat.

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