isoundwords # 29: Die Eine über den obligatorischen Jahresrückblick 2015 und -ausblick 2016

Als ich diese Kolumne schreibe, flimmert die letzte Folge von TV Total über den Bildschirm. Damit rückt der raabschied noch näher, bevor er sich am morgigen Samstag endgültig (?) in den Ruhestand verabschiedet. Ich weiß gar nicht, wie oft Raab bei uns im Wohnzimmer „zu Gast“ war, obwohl die Sendung für die arbeitende Bevölkerung meist zu spät anfing. Doch das war uns oft egal, weil es zwar wegen des sicheren Schlafdefizits unklug war, sich die Sendung noch anzuschauen, aber halt auch sehr witzig. Zum Schluss hat Raab ein paar Tränen vergossen und uns so einen kurzen Einblick in den Privatmenschen Stefan Raab gewährt, den er eigentlich vor der Öffentlichkeit nahezu hermetisch verschließt. Dies hat ihn aber nur noch sympathischer gemacht.

Doch nun zum eigentlichen Thema:

Kinder, Kinder – auch dieses Jahr ist im ICE Tempo an mir vorbeigerauscht. Und schon ist es wieder Zeit für die Jahresabschlusskolumne.

Gerne gebe ich zu, dass dieses Comicjahr einmal mehr sehr spannend war. Einiges, worauf ich noch eingehen werde, kann abschließend erst Ende des nächsten  Jahres beurteilt werden. Doch die Entwicklungen, die momentan stattfinden, sind mit Spannung zu beobachten.

Wenn wir von Entwicklungen sprechen, landen wir fast schon zwangsläufig beim Klassenprimus Panini. Da haben doch die Schlingel von Panini ihr ohnehin schon opulentes Programm um das Albensegment erweitert. Hier tritt Trigan hervor. TRIGAN+BAND+1 Inhaltlich ist die Serie umstritten und wird es wohl auch bleiben. Die Diskussion um die Inhalte mit faschistoiden Tendenzen muss kontrovers geführt werden, aber wer Spaß an klassischem Material hat, ist hier gut aufgehoben. Daneben haben mich die Golden Dogs sowie Tag X überzeugt. All diese Serien werden auch im nächsten Jahr fortgesetzt, worauf ich mich sehr freue. Generell besticht Panini durch ein wohlbedachtes Konzept, das erwartet gut gegriffen hat. Hieran ändert auch nichts das „Lawerencegate„, als sich bei Trigan # 1 auf der Rückseite ein Schreibfehler bei Don Lawrence eingeschlichen hatte.

Ein wesentliches Standbein von Panini bleiben natürlich die Superhelden. Hier hat Marvel mit seinen Events wie AXIS und Original Sin nur in Ansätzen überzeugt. Gespannt bin ich natürlich auf Secret Wars und damit auf das Event, das alles verändern soll. Doch grundsätzlich habe ich mit dieser Entwicklung so meine Schwierigkeiten. Im Grunde handelt es sich bei diesen Reboots auch um Effekthascherei, deren Nachhaltigkeit für mich bisher verborgen bleibt. So ist nicht nur der Frischeeffekt der New 52 aus dem Hause DC verflogen, sondern auch die Story um die „Road to Secret Wars“ und die kollidierenden Universen ist fast ein wenig zu abgefahren. So gewinnt man kaum neue Leser bzw. verschreckt sogar Neuleser, die man mühsam über die Comicverfilmungen gewonnen hat. Dies betrifft auch den Spider-Verse Run oder das bei DC ebenfalls für das neue Jahr angekündigte Event Convergence. Solche Stories sind für die Big Bang Theory Nerds unter uns geeignet. Was die Superhelden brauchen, sind geerdete Stories, die die Charaktere mit einem Wiedererkennungswert versehen und Neuleser eben nicht verunsichern oder gar abschrecken. Doch ich lasse mich gern eines Besseren belehren.

Mit einer ordentlichen Portion Wehmut blicke ich auf die Beendigung der Fantastic Four zurück. Der letzte Band ist in diesen Tagen erschienen.

Gepunktet haben die Paninis auch mit ihrer sogenannten Graphic Novel Sparte. Hier haben für mich Die neuen Geschichten von Vater und Sohn und Die kleine Familie herausgestochen. Im nächsten Jahr wird mein Augenmerk auf Drei Steine liegen – einer Story um Neonazis.

Etwas Kritik möchte ich wegen der doch sehr langsamen Veröffentlichungsweise von Die Toten anbringen. Ich weiß, dass Panini hier auch am Tropf des Zwerchfell Verlags hängt, aber vielleicht können ja die Zwerchfells den Tropf etwas weiter aufdrehen.

Generell werden aber nach den Großereignissen bei DC und Marvel jede Menge Serien eingestellt. Dadurch werden einige Programmplätze frei. Dies gilt auch für Vertigo, wo sich leider Fables dramatisch dem Ende nähert. Hier freue ich mich auf den Abschluss von The Unwritten.

Leider bröckeln nunmehr die Verkaufszahlen der Heftchen Serie ein wenig. Als einer der mit Heftchen aufgewachsen ist, kann ich das nur bedauern. Wenn die Events der beiden Großverlage von Panini abgearbeitet wurden, wird es wohl hier eine Flurbereinigung geben. Ich hoffe, es handelt sich um „milde Eingriffe“.

Generell hat in den USA Marvel DC in den Verkaufszahlen wieder überholt, was wohl primär an den Star Wars Comics gibt, die dank Mutter Disney wieder im Haus der Ideen erscheinen. Vor dem Hintergrund von Star Wars VII ist der Hype leicht erklärbar. Die Nachhaltigkeit wird vom Erfolg des Films und in der Folge auch von der Qualität der Comics abhängig sein.

Und wenn wir über Graphic Novels reden, kann ich gar nicht froh genug sein, dass die wenig sinnstiftende Diskussion um den Begriff Graphic Novel nicht weiter verschärft wurde und sogar in den Hintergrund getreten ist.

Von Stuttgart, der Heimat der Paninis, wandern wir ein Stück nach Norden zu der Bielefelder / Obertshausner Verlagsgemeinschaft, gemeinhin als Splitter Verlag bekannt. Natürlich haben auch die Splitter trotz ihrer Programmfülle, die zwangsläufig auch durchschnittliche Titel mit sich führt, mit einigen Serien überzeugt. Hierzu zählt die Fortsetzung von Universal War Two, Die Schiffbrüchigen von Ythaq sowie Götterdämmerung. Hinzu kommen Titel wie Die große Macht des kleinen Schinkel, Die Schöne und das Biest, Red Skin und natürlich Die alten Knacker. Auch Der Dunkle Turm wurde fortgesetzt und hierzu wird auch nächstes Jahr mindestens ein Band erscheinen. Besonders überzeugt hat mich der Western Undertaker.

In 2016 werden darüber hinaus Pik As abgeschlossen und vielversprechende Serien wie Meta-Barone und Rothaar gestartet.

Cross Cult hat als Heftchen Serie Perry Rhodan begonnen. Der Plot darf und muss sich noch entwickeln, aber die # 1 hat durchaus das Potential dieser Serie aufgezeigt. Dann ist da natürlich noch die Fortsetzung der grandiosen Serie Saga zu nennen. Für 2016 steht natürlich der nächste Genie Streich von Brian K. Vaughn, We stand on Guard, im Zentrum meiner Aufmerksamkeit.

Bei dani books sind mit Velvet und John Tiffany gleich 2 Serien erschienen, die überaus lesenswert sind. Normalerweise stehen ja gerade bei mir die Kleinverlage immer unter einer Art Welpenschutz. Hier muss ich aber leise Kritik wegen der nun schon mehrfach  erfolgten Verschiebung der Morning Glories anbringen. Ich hoffe, dass es nun beim angekündigten Termin, 1. Februar 2016, bleibt und ich drücke die Daumen, dass es sich für dani books rechnen wird. Das Risiko sehe ich in der Veröffentlichung des Titels, der schon bei Panini nicht die erforderlichen Verkaufszahlen einfuhr, allerdings durchaus.

 Bei Carlsen ragten der Fahhradmod und Der Traum von Olympia heraus. Gespannt bin ich auf Münchhausen.

Bei der Egmont Comic Collection habe ich nach wie vor Don Quixote auf dem Zettel. Für 2016 kommen dann Titel wie die Biographien über James Joyce sowie Jean-Paul Satre in meinen Fokus, auch wenn das vielleicht schwere Kost gibt.

Ein Schmankerl der besonderen Art wird die Graphic Novel Tell, die bei Zampano erscheinen wird.

Bei den Veranstaltungen wird natürlich der Comic Salon Erlangen, der vom 26.-29.05.2016 stattfinden wird, alles Andere überstrahlen.

Das ehemalige Comiczentrum der Frankfurter Buchmesse hat nunmehr endgültig das Stadium eines modernden Leichnams erreicht. Schade, schade! Da bin ich eher gespannt, ob ambitionierte Projekte wie der Comic Satellit eine Fortsetzung finden werden. Sehr interessant wird es zu beobachten sein, wie sich die Comic Con Germany positionieren wird.

Eine Übersicht der Veranstaltungen mit Comic Bezug gibt es hier.

Dem aufmerksamen Leser mag es auch in diesem Rückblick nicht entgangen sein, dass ich nicht auf Verfilmungen eingegangen bin. Diese hatte ich schon thematisiert.

Bleibt mir nur noch, mich bei allen Leserinnen und Lesern meines Blogs zu bedanken. Ich hoffe, ich kann euch nächstes Jahr mit der einen oder anderen Rezension überraschen und selbstverständlich wird auch die Kolumne fortgesetzt.

Als Lesetipp gibt es von mir die Fantastic Four. Die letzten Ausgaben sind nicht nur gut geschrieben, sondern ich werde auch auf unabsehbare Zeit keine Gelegenheit mehr haben, die F4 zu empfehlen. Wegen der sich konstant zuspitzenden Dramaturgie empfehle ich glatt Band # 1 und # 2 des langen Abschieds mit.

Ich wünsche Euch, Euren Liebsten und Lieben Frohe Weihnachten, einen guten Rutsch sowie ein cooles Comicjaaaaaaaaaaa 2016.

Noch eine knappe Woche bis Heiligabend. Da gibt’s natürlich was Weihnachtliches.

Die nächste isoundwords wird am 29. Januar 2016 erscheinen und den Titel tragen: „Die Eine über Väter und Söhne.“

Bis dahin: Lest mehr Comics!

Das war für heute isoundwords.

 

3 Gedanken zu “isoundwords # 29: Die Eine über den obligatorischen Jahresrückblick 2015 und -ausblick 2016

  1. Ich kann natürlich verstehen, dass einen das Auf-Eis-Legen von Titeln nervt … allerdings derzeit nicht versprechen, dass MG tatsächlich kommt. Der war letztlich etwas zu voreilig eingekauft und angekündigt … Wenn es sich im Frühjahr finanziell und zeitlich einschieben lässt, bringe ich den Band noch, da ich für den auch schon einiges bezahlt habe. Hat allerdings keine riesige Priorität, da bereits meine Fatale-Fortsetzung (der bei Panini sogar noch recht gut lief und dort eigentlich auch weitergegangen wäre, wenn es der Lizenzgeber nicht anders gewollt hätte …) im Verhältnis zu den Produktionskosten katastrophale Auslieferzahlen hatte und nach einem Jahr immer noch nicht im Plus ist. Von daher ist der MG-Band, der wegen seiner Dicke noch mal deutlich teurer in der Herstellung ist (und aus einer Reihe stammt, die bei Panini schon nur wenige hundert Exemplare abgesetzt hat), jetzt leider nicht wirklich was, wo ich sage, dass ich den möglichst schnell und möglichst unbedingt überhaupt noch bringen muss. Wenn schon im Voraus mehr oder weniger feststeht, dass ein Band am Ende potenziell auf 6000+ EUR Verlust rauslaufen wird, ist es eventuell sinnvoller, die Reißleine zu ziehen, solange der Verlust (durch Lizenzvorauszahlungen etc.) „nur“ bei 2000 EUR liegt. Ich werde mir wohl bis Jahresanfang überlegen, ob ich den Band noch bringe oder es bei der aktuellen Marktlage sinnvoller ist, das Projekt einzustampfen. Falls ich mich für Letzteres entscheide, bekommt die Handvoll dani-books-Direktvorbesteller natürlich den vollen Kaufpreis zeitnah erstattet.

    • Vielen Dank für den Kommentar und die Erläuterungen, die ich natürlich nachvollziehen kann. Das unternehmerische Risiko, das mit den Morning Glories verbunden ist, hatte ich ja (hoffentlich nachdrücklich genug) thematisiert. Ich kann bis heute nicht verstehen, wieso sich dieser Titel so schlecht verkauft. Klar, der Markt ist nahezu übersättigt und gerade die Großverlage, wie Marvel und DC, tun nicht zuletzt mit ihren Events eine Menge dafür, dass vielen Lesern kein Geld mehr für „Experimente“ links und rechts der Superhelden bleibt, aber die Serie ist einfach zu gut, dass sie im Nirvana verschwindet. Ein Problem, dass sich durch die mehrfache Verschiebung dann wieder ergeben kann, ist, dass viele Leser endgültig den Morning Glories den Rücken kehren oder auf die US-Originale zurückgreifen. Erstes ist und war für mich keine Option, weil ich die Serie zu sehr schätze, letzteres greift für mich auch erst dann, wenn Du Dich gegen eine Veröffentlichung entscheidest. Eine deutsche Veröffentlichung hätte für mich immer Vorrang und das nicht nur aus „Bequemlichkeitsgründen“.

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